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Vereinte Nationen Weltklimawandel-Konferenz (Archiv) © UNclimatechange @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

UN-Klimagipfel

Der Klimarowdy und das versinkende Archipel

197 Delegationen, 25.000 Teilnehmer, 124 Millionen Euro Kosten - beim UN-Klimagipfel in Bonn werden Diplomaten und Experten über den Kampf gegen die Erderwärmung beraten. Im Mittelpunkt stehen zwei ungleiche Akteure: Die USA und Fidschi. Für die einen ist Klima ein Kostenfaktor, für die anderen Lebensraum.

Von Stefan Fuhr Donnerstag, 02.11.2017, 6:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.11.2017, 13:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Für die Menschen auf den Fidschi-Inseln ist der Klimawandel kein abstraktes Phänomen, sondern spürbare Realität: Der Meeresspiegel steigt unerbittlich, durchschnittlich um 4,6 Millimeter pro Jahr. Die Bewohner von 45 Küstendörfern mussten nach Angaben von „Brot für die Welt“ bereits umgesiedelt werden, um nicht im Wasser zu versinken.

Nun hofft der Pazifikstaat, beim Klimagipfel vom 6. bis 17. November in Bonn die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich und andere bedrohte Länder zu lenken: Die Regierung des Archipels wird die Konferenz leiten, bei der es um die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 geht. Premierminister Frank Bainimarama spricht von der „wichtigsten Mission“, die sein Land je unternommen hat. Das UN-Treffen mit rund 25.000 Delegierten im eigenen Land auszurichten, war wegen des großen organisatorischen Aufwandes nicht möglich.

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Trump, ein umweltdiplomatischer Rowdy

Am anderen Ende des klimapolitischen Spektrums stehen die USA, die unter Präsident Donald Trump zum umweltdiplomatischen Rowdy mutiert sind: Der zweitgrößte Kohlendioxid-Emittent der Welt hat seinen Rückzug vom Pariser Klimapakt angekündigt, der die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad begrenzen soll. In Bonn sitzt Washington dennoch am Verhandlungstisch, denn der Austritt wird frühestens 2020 wirksam. Die USA seien „wie eine Ehefrau, die die Scheidung einreicht, aber weiter zu Hause wohnt“, formulierte die New York Times.

Noch ist nicht klar, wie die USA in Bonn auftreten wollen. Feststeht aber: Wenn ein Land über die Regeln mitbestimmt, die es selbst nicht einhalten will, birgt das erhebliches Konfliktpotential. Befürchtungen, die USA könnten mit ihrem Ausstieg Nachahmer finden, scheinen sich indes nicht zu bewahrheiten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zeigt sich daher optimistisch: Die Dynamik des Klimapakts sei „mittlerweile so stark, dass auch die Trump-Regierung sie nicht aufhalten kann.“

Keine großen Weichenstellungen

Im Zentrum der Verhandlungen stehen diesmal nicht die großen Weichenstellungen, sondern Gestaltungsdetails des Paris-Abkommens. Dabei geht es dennoch um politisch Wichtiges. Zum Beispiel um die Frage, wie nachgewiesen werden soll, dass die Vertragsstaaten ihre zugesagten Klimaschutzmaßnahmen auch wirklich einhalten. Welche Berichtspflichten und Transparenzregeln sollen gelten?

Auch wollen die Delegierten bereits das Jahr 2018 in den Blick nehmen. Denn dann sollen die Länder laut Klimaabkommen ihre freiwilligen nationalen Ziele zur CO-Reduktion erstmals auf den Prüfstand stellen und über deren Umsetzung Rechenschaft ablegen. In Bonn beraten die Diplomaten darüber, wie dieser klimapolitische Kassensturz vonstattengehen soll. Alle wissen bereits: Die 2015 eingereichten Zusagen zur Kohlendioxid-Minderung reichen nicht aus, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten.

Umweltschützer besorgt Erderwärmung

Neue, ambitioniertere Ziele müssen die Staaten bis 2020 vorlegen. Deutsche Umweltschützer erhoffen sich von dem zweiwöchigen Gipfelspektakel vor allem, dass die Erderwärmung wieder stärker ins Rampenlicht der Bundespolitik rückt – im Wahlkampf spielte Klimaschutz eine eher untergeordnete Rolle. Wenn während der UN-Konferenz das öffentliche Interesse für den Klimaschutz steige, werde sich das auch auf die Koalitionssondierungen auswirken, glaubt Kirstin Reißig, Klimaexpertin vom WWF. „Der Druck auf die Jamaika-Parteien steigt, eine ehrgeizige Klimapolitik zu vereinbaren.“

„Wir fordern den Kohleausstieg in Gesetzesform“, betont Reißig. Das sei nötig, damit die künftige Bundesregierung die nationalen Klimaziele erreiche. Gipfel-Gastgeber Deutschland, das sich gerne als Vorreiter beim Klimaschutz darstelle, verspiele andernfalls seine Glaubwürdigkeit. Der rasche Ausstieg aus der Kohle ist bislang nur das Ziel der Grünen – FDP und Union sperren sich. (epd/mig) Aktuell Ausland

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