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Bunt © mccheek auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Soziale Arbeit

Vom Kindergarten abgemeldet, weil dort zu viele Türken sind

Was machen Erzieher, wenn Eltern rassistisch werden? Auf einer Tagung diskutierten Experten mit Mitarbeitern von Wohlfahrtspflege über Erfahrungen und Strategien. So viel ist sicher: Soziale Arbeit muss auf Rechtspopulismus reagieren.

Von Jasmin Maxwell Dienstag, 25.07.2017, 4:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 26.07.2017, 17:35 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Sozialarbeiter, Altenpfleger und Erzieher begegnen bei ihrer Arbeit nach Erfahrung der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen zunehmend rechtspopulistischen Einstellungen. Viele Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden seien verunsichert, wie sie reagieren sollten, sagte Oliver Baiocco von der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege dem Evangelischen Pressedienst. „Wenn Eltern sagen: In Ihrem Kindergarten sind zu viele Türken, da nehme ich mein Kind raus! Was macht dann eine Erzieherin?“ Auf einer Tagung Mitte Juli wollten sich Mitarbeiter der Freien Wohlfahrtspflege über Erfahrungen austauschen und Gegenstrategien entwickeln.

„Einen goldenen Weg gibt es nicht“, betonte Baiocco, der Vorsitzender des Arbeitsausschusses Bildung der Landesarbeitsgemeinschaft und Geschäftsbereichsleiter im Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW ist. Oft helfe es aber, zunächst ruhig zu bleiben und das Gespräch nicht abreißen zu lassen. Vorwürfe wie „Du bist ein Nazi“ seien dagegen nicht hilfreich. Auf der Tagung „Rechtspopulismus in der Bildungs- und Sozialarbeit“ sollten die Teilnehmer unter anderem das Argumentieren gegen Stammtischparolen üben.

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Rechte geben rassistische Antworten auf soziale Fragen

Parteien wie die AfD griffen soziale Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit auf, die die Wohlfahrtsorganisationen seit Jahren beschäftigten, sagte Baiocco. Anstatt aber nach den tatsächlichen Ursachen zu suchen, gäben Rechtspopulisten auf wichtige soziale Fragen rassistische Antworten. So werde der Mangel an bezahlbaren Wohnungen nicht mit dem Rückgang des sozialen Wohnungsbaus erklärt, sondern gesagt: „Geflüchtete Menschen nehmen uns die Wohnungen weg.“

Dagegen müssten die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, AWO, Diakonie und Caritas klar Position beziehen, forderte Baiocco. „Die Freie Wohlfahrtspflege ist auch eine Wertegemeinschaft“, sagte er und verwies auf aus der Arbeiterbewegung stammenden Prinzipien von Solidarität, Gleichheit und Demokratie. „Die Verbände dürfen keine Angst vor der Positionierung haben und müssen dabei auch ihre Mitarbeiter unterstützen.“ (epd/mig)

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