Herero, Nama, Völkermord
Herero- und Nama-Delegierten in Berlin vor dem Sitz des Bundespräsidenten (Archivfoto)

Umgang mit Völkermord

Regierung lehnt Entschädigung an Herero und Nama ab

Vertreter der Herero und der Nama fordern eine Mitwirkung bei den Verhandlungen über die Aufarbeitung des Völkermordes im ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika. Reparationszahlungen müssten bei den Nachfrahren der Opfer ankommen und nicht beim Staat Namibia. Das lehnt die Bundesregierung bisher ab.

Montag, 17.10.2016, 8:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 17.10.2016, 17:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Vertreter der Volksgruppen der Herero und der Nama in Namibia wollen an den Regierungsverhandlungen über den Umgang mit dem Völkermord im ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika mitwirken. Eine offizielle Entschuldigung Deutschlands für den Genozid 1904 und 1908 an vermutlich rund 100.000 Menschen habe nur dann Bedeutung, wenn die Nachfahren der Opfer an den Gesprächen über Aufarbeitung und Wiedergutmachung beteiligt würden, sagte Herero-Vertreter Vekuii Rukoro am Freitag in Berlin.

Das Gebiet des heutigen Namibia war von 1884 bis 1918 deutsche Kolonie. 1904 und 1908 schlugen die deutschen Kolonialtruppen Aufstände der Herero und Nama blutig nieder. Zehntausende Menschen aus beiden Volksgruppen starben, bei den Herero waren es fast 80 Prozent der Bevölkerung. „Deutschland hat an unserem Volk den Holocaust geübt“, erklärte Rukoro.

Keine Entschädigung für Nachfahren

Nama-Vertreter Moses Kooper wies darauf hin, dass beide Bevölkerungsgruppen bis heute unter den Enteignungen von Land und Vieh litten. Sowohl Rukoro als auch Kooper forderten die Bundesregierung auf, für das damals geschehene Unrecht Reparationen zu zahlen. Individuelle Entschädigungen lehnt die Bundesregierung ab, denkt aber über einen Strukturfonds für die Nachfahren der Opfer nach.

Dass Deutschland den Nachfahren der Opfer individuelle Reparationszahlungen anbiete, könne er sich nicht vorstellen, sagte Rukoro. Es reiche aber nicht, dass die Bundesregierung dem namibischen Staat so viel Entwicklungshilfe wie keinem anderen afrikanischen Staat zahle und die Sache damit als erledigt ansehe. Das Geld komme nicht bei den betroffenen Bevölkerungsgruppen an, die in Namibia in der Minderheit seien.

Linke fordern Entschuldigung

Die Linksfraktion im Bundestag, die die Herero- und Nama-Vertreter eingeladen hatte, fordert eine Resolution des Bundestags, „der den Völkermord als solchen anerkennt, die Nachfahren der Betroffenen um Entschuldigung und Vergebung bittet und der Bundesregierung ein klar umrissenes Verhandlungsmandat mit klaren Zielvorgaben erteilt“.

Es könne nicht sein, dass die Regierungen untereinander verhandelten und der Beschluss anschließend vom Bundestag abgenickt werde, sagte Niema Movassat, Obmann der Fraktion im Entwicklungsausschuss. Forderungen nach Reparationen aus Namibia halte „Die Linke“ für legitim, da diese auch in einem Beschluss der namibischen Nationalversammlung festgehalten seien. Die extrem ungleiche Landverteilung in Ost-, Zentral und Südnamibia habe ihren historischen Ursprung in den von der deutschen Kolonialmacht vorgenommenen Landenteignungen. (epd/mig)

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