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Vorurteil widerlegt

Junge Migranten nicht krimineller als deutsche Jugendliche

Junge Migranten sind nicht häufiger gewalttätig als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Vor allem der muslimische Glaube wirkt sich positiv aus. Junge Türkinnen fallen sogar seltener auf als ihre deutschen Altersgenossinnen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Montag, 02.06.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:44 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In Duisburg zeigen sich bei Gewaltdelikten kaum Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Vor allem die Täterraten der türkischstämmigen Jugendlichen, die in Duisburg rund 20 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe ausmachen und die gemeinhin als eine der „besonderen Problemgruppen“ gelten, liegen für alle Delikte auf insgesamt ähnlichem Niveau wie bei einheimischen Befragten.

Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, an der der Kriminologe Prof. Dr. Klaus Boers (Universität Münster) und der Soziologe Prof. Dr. Jost Reinecke (Universität Bielefeld) über zwölf Jahre geforscht haben. Wie daraus außerdem hervorgeht, stellen Mädchen insgesamt einen weitaus geringeren Anteil an Gewalttätern als Jungen. Insbesondere bei türkischen Mädchen ist die Täterrate noch geringer als bei deutschen Mädchen.

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Türken: Weniger Alkohol und Drogen
„Die Gründe für die insgesamt nicht höhere Gewaltbelastung in Duisburg erscheinen vielfältig. Jugendliche türkischer Herkunft bekennen sich häufiger zu traditionellen Werten und Religiosität, konsumieren weniger Alkohol und Drogen und sind in der Bildungspartizipation nicht durchweg benachteiligt. Der Anteil an Schülern der Sekundarstufe II unter deutschen und türkischstämmigen Duisburgern ist in etwa gleich groß, wobei die jungen Deutschen eher ein Gymnasium, die jungen Türken eher eine Gesamtschule besuchen“, so die Forscher.

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Auf Basis einer jährlich wiederholten und anonymen Befragung von rund 3.400 Duisburger Jugendlichen gibt die Untersuchung einen Überblick über den Einfluss von Wertorientierungen, Erziehungsstilen, Freundesgruppen, Gewaltmedien, Migrationshintergrund, Präventionsmöglichkeiten und über die Wirkung strafrechtlicher Sanktionen.

Info: Weitere Informationen zur Studie „Kriminalität in der modernen Stadt“ gibt es hier

Vorurteil widerlegt
Zu Beginn der Befragung im Jahr 2002 waren die Jugendlichen durchschnittlich 13 Jahre alt. Bis zum 24. Lebensjahr wurden immer dieselben Jugendlichen zunächst jährlich und ab dem 20. Lebensjahr jedes zweite Jahr befragt. Die Wissenschaftler bekamen Einblicke in das Dunkelfeld der Kriminalität, indem die jungen Menschen über Straftaten berichteten, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen. Zusätzlich werteten sie Daten über Verurteilungen und Verfahrenseinstellungen aus. Zwar stammen die Angaben und Daten der Studie ausschließlich aus Duisburg – die Wissenschaftler sind aber davon überzeugt, dass sich viele Ergebnisse auch auf andere deutsche Großstädte übertragen lassen.

„Die aktuellen Befunde widerlegen nicht nur gängige Vorurteile, sondern geben auch der Polizei und Justiz wichtige Hinweise für die Kriminalprävention und den Umgang mit jugendlichen Straftätern“, so das Resümee der Forscher. (etb)

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