Theater

Die „Süpermänner“ stürmen das Ballhaus Naunynstraße

Die Süpermänner, gemeint sind die türkischen Machos, Patriarchen, Importbräutigame, bekommen in Idil Üner's Theaterstück die Gelegenheit, dass wir jetzt einmal ihnen selbst zuhören - Uraufführung am 9. April 2014 im Ballhaus Naunynstraße.

Freitag, 04.04.2014, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 08.04.2014, 8:15 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Türkische Männer haben keine Probleme. Sie sind das Problem. Die Studien darüber sind hierzulande zahlreicher als die Minarette in der Türkei. Teeverrückte Patriarchen, mandeläugige Importbräutigame, prügelwütige Machos, fleißige Hartz-IV-Empfänger, sich am Sack kratzende Verrücktblütler, wohin man blickt. Seit einem halben Jahrhundert wird über diese Abkömmlinge einer Parallelgesellschaft geredet.

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Nun kommen sie selber zu Wort. Lauter unbekannte Wesen, die Jazz lieben, Buddha verehren, schon mit 14 Jahren planen, Präsident der Türkei zu werden, ihre Söhne an islamistische Fundis verlieren, 40 Jahre brauchen um ihren Ehefrauen endlich mal Blumen zu schenken, im Militärgefängnis vom Paradies auf Erden träumen und von Kreuzberg nach Wannsee fahren, um einmal heiß zu duschen. Sang- und klangvoll erzählen und singen sie ihre Geschichten zwischen euphorischer Lebenslust und abgrundtiefem Weltschmerz, um die Mutter aller Fragen zu beantworten: Wann ist denn nun ein Mann ein Mann?

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Idil Üner ist Trägerin des Bundeskurzfilmpreises 2001 und einem breiten Publikum als Schauspielerin aus zahlreichen Filmen namhafter Regisseure wie Fatih Akın und Rolf Schübel bekannt. Nach ihrer Erfolgskomödie Funk is not dead! am Ballhaus Naunynstraße (2011) begibt sie sich bei diesem Theaterrecherche-Projekt in den Alltag männlicher Experten aus drei Generationen. Auf Grundlage von Gesprächen beschreibt sie voller Neugier Lebensläufe von unbekannten Helden. Ausschnitte von Wirklichkeit, voller Widersprüche, nicht repräsentativ, prallen auf verknöcherte Weltbilder (nicht nur) der Mehrheitsgesellschaft. Die Süpermänner bekommen hier die Gelegenheit, dass wir jetzt einmal ihnen selbst zuhören. Nicht mehr, nicht weniger…

Karten zum Stück gibt es auf ballhausnaunynstrasse.de. Neben der Uraufführung am 9. April 2014 wird das Stück auch vom 11.-15. April 2014 jeweils um 20 Uhr aufgeführt.

Einige der Männer, die ab dem 9. April auf der Ballhaus-Bühne stehen, treffen sich regelmäßig in der 2007 von dem Psychologen Kazım Erdoğan gegründeten Selbsthilfegruppe für Männer und Väter mit türkischem Migrationshintergrund (Aufbruch Neukölln e.V.). Die Männer sprechen dort in offener Runde über Themen wie Bildung und Kindererziehung, familiäre Probleme oder bestehende Vorurteile und entwickeln gemeinsame Aktivitäten für eine gewaltfreie und demokratische Familie und Gesellschaft.

Unter der Leitung von Cem Sultan Ungan gibt das Ballhaus Naunynstaße den Gruppenmitgliedern und anderen interessierten Männern seit Anfang des Jahres in einem mehrmonatigen Schauspielworkshop die Möglichkeit, Erfahrungen mit dem Erzählen ihrer Geschichten auf der Bühne zu machen. Drei der Süpermänner haben sich aufgrund dieser Workshop-Erfahrung zur Teilnahme an der Stückentwicklung entschieden.

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