Immigrierte Chef's

Über die Performance von Immigranten

Sollen sich Migranten an die vor einigen Jahren durchs Dorf getriebene „Leitkultur“ ausrichten, damit das Land auch in Zukunft wirtschaftlich blüht und gedeiht? Immerhin ist Deutschland mit dieser Kultur Exportweltmeister geworden – die Kolumne von Tobias Busch.

Von Montag, 24.03.2014, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 26.03.2014, 1:01 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Sie erinnern sich an die amerikanische Dame chinesischer Herkunft, die vor rund 3 Jahren der Welt erklärt hat, wie man erfolgreich seine Kinder dressieren kann? Amy Chua hat wieder ein Buch geschrieben. Dieses Mal geht es um erfolgreiche und erfolglose Immigranten und darum, was sie unterscheidet. Erfolg wird natürlich gemessen in „Performance“ und nicht in Glück oder Zufriedenheit. Die Iraner etwa und die Nigerianer, natürlich die Chinesen aber auch die Juden gehören nach ihrer These zu den Einwanderern mit hohem Erfolgspotenzial, für die Muslime sieht es ganz schlecht aus.

Wohlstand , Netzwerke und Bildung helfen immer
Solche Spielchen mit der politischen Korrektheit führen zum erwarteten und wahrscheinlich kalkulierten Ergebnis: In der negativen Bewertung des Buches sind sich fast alle einig, aber jeder führt andere Gründe dafür an. Im Ergebnis schlagen alle munter aufeinander ein – nicht nur Herr Sarrazin kann diesen Mechanismus in Gang setzen.

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Natürlich gibt es ein schiefes Bild, wenn man den Erfolg von Immigrantengruppen mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen miteinander vergleicht: Es macht einen großen Unterschied, ob wie im Falle etwas des Irans oder Kubas viele der ehemals Privilegierten ihr Land verlassen oder aber Menschen, die noch nie im Leben etwas hatten. Auch aus China haben in Mao Zeiten vor allem Menschen aus den plötzlich verfemten oberen Schichten das Land verlassen und haben sich auf der ganzen Welt verteilt. (Auch heute gehen übrigens aus China wieder – wenn auch aus anderen Gründen – vorwiegend gut ausgebildete Menschen ins Ausland und sehr gerne nach Deutschland.) Trotzdem: Aus meiner Sicht gibt es gar keinen Zweifel, dass einige Völker, Mentalitäten und Kulturen besser für den Kapitalismus geeignet sind als andere.

Vor rund 20 Jahren hat mir eine Schülerin in einem chinesischen Zugabteil sehr ernsthaft erklärt, sie sei stolz auf Mao und seine Philosophie und die sollte auch unbedingt weltweit verbreitet werden, weil sie sehr klug und wertvoll sei. Leider allerdings sei der Kommunismus ausgerechnet für die Chinesen nicht das Richtige, weil die gerne Handel treiben und Geld verdienen wollten.

Mentalität als Erfolgsfaktor
Bei aller Absurdität – mir hat das sofort eingeleuchtet; das deckte sich ganz und gar mit meinen persönlichen Eindrücken aus dem seinerzeitigen China. Ich bin auch sicher, dass etwa die Deutschen besonders gut für unsere Wirtschaftsform – jedenfalls in ihrer derzeitigen Ausprägung- geeignet sind. Warum sonst wären wir wirtschaftlich so erfolgreich? Was, wenn nicht Mentalität und Einstellungen, sollte den wesentlichen Unterschied etwa im westeuropäischen Vergleich ausmachen? Kapital, Wohlstand, Infrastruktur und andere Rahmenbedingungen wirken natürlich erfolgsverstärkend, sind aber gleichzeitig überwiegend auch erfolgsbedingt. Das ist keine Bewertung, ich finde das noch nicht einmal besonders sympathisch, aber es scheint mir analytisch unausweichlich.

Was folgt daraus? Die vor einigen Jahren durchs Dorf getriebene „Leitkultur“, an der sich alle Immigranten und „Menschen mit Migrationshintergrund“ ausrichten sollen, damit das Land wirtschaftlich blüht und gedeiht?

Recht zur Selbstbestimmung
In meinen Augen ist das ganz falsch. Abgesehen davon, dass das typisch Deutsche oft gar nicht so viel Freude macht – auch den Deutschen nicht – und dass man schon deshalb nicht die Welt damit beglücken muss, ginge uns auf diese Weise auch viel verloren. Wie befruchtend, anregend und auch wirtschaftlich erfolgreich multikulturelle Teams arbeiten können, sieht man in allen Lebensbereichen. Kein Orchester, keine Fußballmannschaft und kein Managementteam kann mit einer monokulturellen Struktur heute auf Weltklasseniveau konkurrieren.

Da der Mensch lernfähig ist und große Mengen ungenutzter Kapazitäten hat, liegt die Lösung auf der Hand: alle, die die Möglichkeit dazu haben, sollten eine zweite Kultur erlernen ohne die erste aufzugeben. Wer das schafft, kann sich dann in jeder Lebenssituation das jeweils für ihn oder sie Passende heraussuchen und es anwenden. So wie Menschen eine zweite Sprache lernen können – je jünger desto müheloser und umfassender – ohne die erste zu verlernen, können sie sich auch eine zweite Kultur aneignen. Nicht perfekt selbstverständlich, aber das ist ja auch gar nicht erforderlich. Ich kenne Hunderte von eingewanderten Menschen in Deutschland, denen das gut gelungen ist. Und ich empfinde die bi-kulturellen Frauen und Männer in meiner Umgebung nicht nur beruflich, sondern auch privat als Bereicherung.

Aus meiner Sicht ist es die Pflicht eingewanderter Eltern, ihre Kinder beide Kulturen erlernen zu lassen. Alle Alternativen finde ich persönlich verantwortungslos.

Zurück zu Frau Chua und ihren Erziehungsradikalismus: letzte Woche aus nächster Nähe zu beobachten, wie doch sehr anders (und trotzdem liebevoll) meine Essenspartnerin, eine junge chinesische Mutter, mit ihrem 1 jährigen Kind im Restaurant umging, war ein großes Vergnügen! Ich bin sicher, dass das Kind davon profitieren wird und dass es ihm hilft, sich eines Tages in beiden Welten gut bewegen zu können. Das wird deshalb besonders gut funktionieren, weil die hiesigen Maßstäbe und Werte ihm auch als eine Möglichkeit zur Verfügung stehen werden und weil seine Mutter innerlich akzeptiert, dass das Kind sich eines Tages für seinen individuellen Weg selbst entscheidet.

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