Deus lo vult!

Ist die Religion schuld?

Mao Tse Tung, Josef Stalin, Adolf Hitler waren große Tyrannen und Massenmörder unserer Menschheitsgeschichte. Sie töteten nicht im Namen der Religion! Allein im Ersten und Zweiten Weltkrieg starben insgesamt mehr als 70 Millionen Menschen. Ihr Blut wurde nicht im Namen der Religion vergossen!

Von Tahir Chaudhry Mittwoch, 14.11.2012, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 16.11.2012, 7:47 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Beispielsweise gebrauchte das dritte Reich den Krieg vordergründig, um durch Besetzung verschiedener Territorien den Lebensraum zu erweitern und durch die Aneignung von Besitztümern, den durch die Aufrüstung aus den Fugen geratenen Finanzhaushalt zu stabilisieren. Weitere Kriege im 20. Jahrhundert wie in Korea, Kambodscha, Vietnam oder im Irak zeigen abermals, das aus machtpolitischen, ideologischen, strategischen und wirtschaftlichen Gründen getötet wurde.

Aber auch die uns bekannte Technik der Selbstmordanschläge kann nicht einer bestimmten Religion zugeordnet werden. Die Tamilen-Tiger als stramme Leninisten nutzten gleichermaßen diese Technik aus rein weltlicher Motivation und Ideologie heraus, deren metaphysischer Kern das Versprechen der Freiheit in der Zukunft war. In gleicher Weise verfolgen Radikal-islamistische Selbstmordattentäter eine rein weltliche Zielsetzung, nämlich die Herrschaft über die Welt. Indessen dient Religion lediglich als Hülle für das nationalistisch-kulturelle oder revolutionär-politische Skelett des Ideologen. Dieses Konstrukt bildet sich dort, wo sich Menschen gedemütigt fühlen, wo die Hilflosigkeit und Wut im Angesicht der Macht des Anderen allgegenwärtig ist.

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Der geheiligte Krieg
Das Töten von Individuen oder die Auslöschung von Massen zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Es geschah im Namen der Ehre, aus Rachsucht, auf der Suche nach Nahrung und Besitztürmern oder im Streben nach Weltherrschaft. Auch die Religion blieb vor dem Missbrauch als Kriegsgrund nicht verschont. Als Papst Urban II. in seiner Predigt zum Kreuzzug für die Befreiung Jerusalems von den Heiden rief, antwortete die Menschenmenge: „Deus lo vult!“ (dt. „Gott will es!“). Doch was wollte Gott? Was wollte der Papst? Und was wollte der Herrscher? Erstaunlicherweise stoßen wir ein jedes Mal auf ähnliche Motivationsmuster: „Die Anderen sind im Vormarsch! Ihr Einfluss weitet sich aus! Ihre militärische Kraft vergrößert sich! Ihre Ressourcen häufen sich an! …und wusstet ihr, dass die Anderen herzlose Barbaren sind, ungesittete Heiden?

Der Redner, der solche Worte von sich gab, ist ein Charismatiker, der es versteht jegliche Zweifel daran zu zerstreuen, dass der Aufruf zum Einsatz von Schwert und Feuer im Namen der Religion zu hinterfragen sei. Für uns ist dies hier im Westen kaum vorstellbar. Denn in einer stark verwobenen Welt, identifizieren wir uns mehr über die Staats-, Volks- oder Kulturzugehörigkeit. Im Gegensatz zu diesen Identifikationsmerkmalen bewirkt Religion eine Metamorphose der Herzen. Religion ist keine Politik und seine Anhänger formieren sich nicht als politische Partei. Religion ist keine Nation mit ihren begrenzten Loyalitäten oder ein Staat mit geografischen Grenzen. Da Religion eine Herzensangelegenheit ist, konnten nicht selten betrügerische und machtsüchtige Menschen eine unvernünftige Masse dazu bewegen Taten zu vollbringen, die bis dahin sogar ihren eigenen Moralvorstellungen widersprachen.

Religion ist eine Ausdrucksform
Schaut man auf den heutigen Israel-Palästina-Konflikt, sieht man scheinbar Muslime gegen Juden kämpfen, in Syrien: Shiiten gegen Sunniten oder in Nigeria: Christen gegen Muslime. Tatsächlich ist aber Religion schon seit langer Zeit keine Kriegsursache mehr, sondern eine Ausdrucksform, die einem Krieg im Laufe des Konflikts verliehen wird. Bei Konflikten unserer Zeit, die als religiös motiviert charakterisiert werden, bildet sich doch gerade im Verlauf der Entwicklungen ein entsprechendes Bewusstsein oder eine Verhärtung einer bestimmten Identität heraus.

Nehmen wir einmal das ehemalige Jugoslawien als Beispiel. Dort gab es Serben, Kroaten, Slowenen und Bosnier. Jede Volksgruppe hätte sich auf seine eigenen Besonderheiten berufen können. Doch die Serben setzten auf eine panslawische Identität, womit sie die Karte der sprachlichen Verwandtheit ausspielten. Den Bosniern blieb keine andere Wahl auf ihre religiöse Zugehörigkeit zu setzen, womit sie automatisch Muslime weltweit ansprachen. Tatsache ist, dass bosnische Muslime wenige bis überhaupt nicht praktizierende Gläubige sind. Trotzdem gesellten sich in ihrem Kampf gegen die panslawische Gruppe Kämpfer aus aller Welt hinzu, die sich als Muslime bezeichneten. Jeder von ihnen kam als muslimischer „Bruder“ mit einer persönlichen Agenda. Ganz oben stand dabei der Kampf gegen den Westen. Zugleich war es ihnen ganz egal, ob sie im Nahen Osten, Afghanistan oder in Bosnien kämpften. Dem Kampf, den sich die „Gotteskrieger“ hingaben, wurde allein um des Krieges Willen gekämpft. Hierbei gehörte die kontinuierliche Ignoranz gegenüber islamischer Ethik und Moral zur allgemeinen Praxis der Freiheitskämpfer.

Die Eifersucht der Anti-Religösen
Ohne Religion wäre die Welt besser dran!“ Eine große Mehrheit in unserer Gesellschaft würde diese These sofort unterschreiben. Bei uns ist Religionskritik hoch im Trend und die Religion selbst ist zu einem Fremdkörper geworden. Wer nicht zur Kirche, in die Synagoge oder Moschee geht, aber religiös bleiben möchte, der glaubt an Gott und nicht an sein „Bodenpersonal“. Auch die gewaltige Konkurrenz zieht uns an. Buddhismus, New Age, Feng-Shui oder Esoterik gelten als zeitgemäße Alternative. Aber ebenso der Atheismus, der Religion als infantile Neurose ablehnt, wirbt als Organisation auf Plakaten mit „Es gibt keinen Gott! Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an!“ für mehr Anhänger. Auf dem zweiten Blick schimmert ein gewisser Wahrheitsanspruch und antireligiöser Neid hindurch. Ohne einen endgültigen Beweis gegen die Existenz Gottes, blickt der Atheist mit Eifersucht auf das Leben eines Gläubigen, der durch Gott Liebe, Sicherheit und Geborgenheit findet. Dagegen fühlt er sich selbst als Zufallsprodukt, ziemlich einsam in einer grauen und grausamen Welt. Unbewusst sehnt er sich nach Transzendenz und zeigt sich radikal nach außen, indem er die Abschaffung von Religion fordert.

Was er hingegen nicht bedenkt, ist, dass in dem Moment, wo Religion abgeschafft wäre, kein leerer Raum entstehen würde. Stattdessen versuchen wir Menschen immer eine Leere mit anderen Dingen zu füllen. Wir erschaffen uns Ersatzreligionen, die aus Konsum, Arbeit, Politik oder unseren Hobbies geformt werden. Dabei wird unsere säkulare Gesellschaft stets durch die urmenschliche Hybris geblendet. Die Folge: Ein Großteil meint, zu gut informiert zu sein, um sich zu klaren Weltanschauungen zu bekennen. Er ist zu liberal, um Wertehierarchien zu formulieren und zu konsumorientiert, um Bescheidenheit zu predigen. Umso mehr tut sich unsere Gesellschaft mit denen schwer, die einem Gott anhängen wollen. Dies trat schon in der Beschneidungsdebatte, dem Pussy-Riot-Skandal oder der Schmähfilm-Diskussion zu Tage. Im Hintergrund stand immer die Frage: Wie viel Freiraum lassen wir den Religiösen in unserer Gesellschaft?

Religion unter Säkularen
Religiöser Glaube kann ein nützlicher Damm gegen die menschliche Eingenommenheit von sich selbst sein. Der Fortschritt des Menschen hat eine Gute sowie eine Böse Seite, die ständig gegenüber der Natur und anderen Menschen ausgespielt wird. Der Mensch kann eine ungeheure destruktive Kraft entwickeln, solange nicht das Böse in ihm gezähmt wird und seine Kräfte nicht in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Erst dann befreit Wissen und Erkenntnis. Zusammen mit der moralischen Komponente befördert auch die Vernunft dann das Gute. Gewiss gibt es moralische Werte, die für jeden Menschen unabhängig seiner Weltanschauung Geltung besitzen. Diejenigen, die sich jedoch gegen eine Harmonie und Eintracht in der Gesellschaft stellen und Wahrheiten monopolisieren, passen nicht in eine friedliche Gesellschaft. Die Verteufelung von religiöser Überzeugung und der damit verbundenen Einmischung in die Beziehung zwischen Mensch und Gott ist der Ausdruck einer faschistischen Gesinnung, und nichts anderes.

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  1. fantomas sagt:

    Mir ist es sowas von Schnuppe, ob ich für Sie unglaubwürdig bin oder nicht. Habs jetzt übrigens mal gelesen („Die schlimmsten LEBEWESEN sind nach Gottes Urteil die Ungläubigen, die vorsätzlich nicht glauben wollen,( Koranübersetzung von Azhar)“
    […]), ändert aber nichts an meiner Ansicht, dass es Gott allein zusteht, Ungläubige als „Minderwertig“ zu bezeichnen (was wortgetreu in dieser Übersetzung etwas anders klingt). Und wenn schon, sollen wir darüber streiten, was Gott wie zu sehen und zu beurteilen hat, oder was? Wenn er das so sieht, dann ist es eben so. Ich kann Ihnen ja auch nicht vorschreiben, was Sie wie zu sehen und zu beurteilen haben. Warum trifft es Sie überhaupt so hart, wenn Sie eh nicht an Ihn glauben? Dieses Urteil ist das Urteil Gottes über die Ungläubigen, weder meins noch von irgendeinem anderen „normalen“ Moslem. Wenn sich die paar mikrigen Prozentchen von Fanatikern irgendwelche Legitimationen usw ableiten, dann hat das doch nichts mit dem Rest der Community zu tun. Ich kann ja auch nicht sagen, Priester sind generell Pädophil, weil da immer wieder einige Dinge ans Tageslicht kommen.

    Wenn Sie tatsächlich glauben, Muslime wollten allgemein nach den 1400-Jahre-alten-Vorstellungen leben, dann empfehle ich Ihnen, mal ein muslimisches Land wie die Türkei zu besuchen. Wenn die dort als muslimisches Volk wie vor 1400 Jahren leben, dann hat sich in den letzten 1400 Jahren offenbar weniger getan, als ich bisher dachte und wusste.

    Und nochmal zu Ihrem letzten Abschnitt: Ich blicke auf niemanden verächtlich ab, auch nicht auf Kafire. Das ist Gottes Wort und Sein Urteil über diese, nicht die von Mohammed oder sonst einem Menschen. Menschen wie Sie tun mir eher leid als dass ich sie verachte, denn ich bin als Gläubiger davon überzeugt, dass „Ihresgleichen“ (bitte nichts hineindeuten, hab kein besseres Wort) dafür auf der anderen Seite sehr teuer bezahlen werden. Das tangiert mich nicht die Bohne, ich kenne Sie nicht mal, mir doch egal, ob Sie ewig brennen oder ins Paradies gelassen werden.

    Aber hören Sie bitte auf, in mich und die Muslime Dinge hinein zu interpretieren, die Sie ansatz- und schnippselweise in ein paar Boulevard-Medien aufgeschnappt haben.

  2. Johann Hartmann sagt:

    Der Nichtreligiöse empfindet sich als Zufallsprodukt. Schon dieser Satz disqualifiziert den Autor für eine ernsthafte Diskussion . Zumal er damit demonstriert, dass sein Wissen über die Evolution verheerend ist. Wahrscheinlich aber wird er Evolution überhaupt ablehnen. Übrigens: die Existenz eines Gottes, der unser individuelles Leben, das Leben unserer Mitmenschen weltweit und das Schicksal unseres Universums beeinflusst, ist essentieller Bestandteil jeder monotheistischen Religion. Dieser Einfluss ist bisher nie objektiv bewiesen worden. Das, was die Welt im Innersten zusammenhält, ist auch ohne die Hilfskonstruktion Gott erkennbar. Wir werden nie die Welt in ihrer ganzen Komplexizität erkennen, weil neue Erkenntnisse immer neue Fragen aufwerfen. Es ist durchaus möglich, dass wir, was den Anfang (oder sogar den Vor-Anfang) unseres Universums betrifft, hinsichtlich eines Verständnisses der Vorgänge nicht zu letzten Klarheiten kommen, weil die Leistung unseres Gehirns, auch durch seine Prägung durch die Evolution, trotz immer besserer Hilfsmittel, an seine Grenzen kommt. Noch sind wir aber noch lange nicht so weit, erleben wir doch gegenwärtig, dass die Quantenmechanik im Begriff ist, uns wieder ein Stück weiter an den Ursprung unseres Universums heranzuführen. Einen Gott als Platzhalter für mangelndes Wissen heranzuziehen, noch dazu einen Gott, der die Welt und uns seit 13,7 Mrd. Jahren begleiten soll, und noch dazu einen Gott, der es nötig hat, indirekt mit uns über sein Bodenpersonal zu kommunizieren, ist für ein Verständnis dieser Welt völlig überflüssig. Wenn ein Problem noch nicht verstanden wird, ist das entscheidende Experiment noch nicht gemacht worden (nicht von mir). Andere Hilfskonstruktionen werden nicht benötigt.

  3. @ Söder:
    Sie haben meinen Text richtig verstanden!

    @Soli:
    Sie müssen sich nicht bei mir für Ihren Lebensstil rechtfertigen… Ich habe im Artikel nur auf die Handlungen der radikalen Atheisten geantwortet.

    @ Gerber:
    Es ist das 1×1 der Psychologie. Es gibt Dinge, die wir beswusst tun und andere, die wir unbewusst tun.

    Speilen Sie doch nicht den großen Samariter! Wenn man Mitleid mit jemandem hat, der etwas liebt – aber Sie selbst nicht glauben, dass das Objekt der Begierde überhaupt existert, was machen Sie dann?

    Klar können Sie Widersprüche und Fehler innerhalb der Religionen herausstellen und Praktiken kritisieren. Sie können aber nicht Religionen als Ganzes und eine Überzeugung verteufeln, nur weil es für Sie unlogisch klingt. Für mich ist Religion vernünftig und logisch. Und was jetzt?

    Ich sage nicht, dass Atheisten an dem ganzen Leid schuld sind, sondern Menschen, die Böses im Sinn haben, egoistisch, hochmütig sind und allein auf die Befriedigung neiderster Bedürfnisse aus sind.

    @ epze:
    Sie sagen, dass man nach den Gesetzen der Logik nichts beweisen kann. Was ist aber, wenn Sie für einige Minuten von Ihrer Vorannahme abrücken, dass Gott nicht existiert und mal ganz von vorn darüber nachdenken. Ein Weg wäre doch auch, dass Sie nach den Gesetzen der Logik schlussfolgern, dass es ein Wesen gibt, das alles erschaffen hat, den Urknall auslöste und die Welt in Milliarden von Jahren entstand. „Think outside the box!“ Vielleicht können Sie sich auf der Suche nach Gott gar nicht allein mit dem Verstand suchen, sondern auf einem Weg, der sich nicht auf unsere 5 Sinne beschränkt? Was ist, wenn Sie zu Gott eine Beziehung aufbauen könnten und auch mit ihm kommunizieren könnten? Vielleicht ist das alles falsch…aber vielleicht stimmt auch alles, was ich Ihnen mitteile.

  4. Gerber sagt:

    „Wenn man Mitleid mit jemandem hat, der etwas liebt – aber Sie selbst nicht glauben, dass das Objekt der Begierde überhaupt existert, was machen Sie dann?“

    Meine Tochter hat auch mal an den Nikolaus geglaubt und den liebte sie auch sehr, aber man macht sich halt bei seinen Mitmenschen lächerlich, wenn man an Dinge glaubt die man nicht beweisen kann und darauf basierend sein komplettes Leben einrichtet und sogar so weit geht, dass andere Menschen auch schon Rücksicht darauf nehmen müssen, wenn sie bspw. eine Karrikatur zeichnen.

    Und nochmal zu den Gesetzen der Logik: Man kann die Existenz Gottes nicht widerlegen, weil seine Existenz (auch von dessen Anhängern) noch nie bewiesen wurde. Sagen Sie ihrem Gott und den anderen 2 Millionen Göttern die es auf diesem Planeten gibt sie sollten mit dem tausendjährigen Versteckspiel aufhören und wenigstens ab und zu eindeutige Beweise liefern und nicht immer nur diesen Esoterikquatsch (Erfahrung, Erleuchtung, usw.), als Beweis für seine Existenz anführen.

    „Sie können aber nicht Religionen als Ganzes und eine Überzeugung verteufeln, nur weil es für Sie unlogisch klingt. Für mich ist Religion vernünftig und logisch. Und was jetzt?“
    Religion ist per Definition nicht vernünftig oder logisch sondern immer nur gottgefällig. Wenn Religion für Sie logisch oder vernünftig ist, dann wäre das ein Armutszeugnis für ihre Integration, denn laut religiöser Logik und Vernunft dürfte es keine Demokratie und keine Menschenrechte geben. Außerdem ist es keine persönliche Entscheidung was logisch oder vernünftig ist und was nicht, sondern das kann man lernen bzw. ist vom Kulturkreis abhängig. Außerdem verteufle ich keine Religionen, sondern ich behaupte lediglich, dass die Schriften vieler Religionsgemeinschaften durch den Fortschritt der Menschheit dermaßen uminterpretiert werden musste, dass Heute eigentlich nur noch eine Art Collage von dem übrig geblieben ist, was man mal als einziges und wahres Wort Gottes empfand. Lässt man die Uminterpretationen bei den Religionen weg, dann würden wir uns ruckzuck wieder im Mittelalter befinden. Pierre Vogel lässt grüssen.

    „Ich sage nicht, dass Atheisten an dem ganzen Leid schuld sind, sondern Menschen, die Böses im Sinn haben, egoistisch, hochmütig sind und allein auf die Befriedigung neiderster Bedürfnisse aus sind.“

    Na wie gut, dass Religion nie das Ziel hat niederste Bedürfnisse zu befriedigen. Da lügen Sie sich aber ganz schön selbst in die Tasche, wenn Sie glauben, dass Religionen an sich nur gutmütige und selbstlose Organisationen sind. Jeder fühlt sich doch mit hilfe seines Glaubens einem Andersgläubigen überlegen und das ist doch genau der Grund, warum gerade die Schwächsten in unserer Gesellschaft auf diese Organisationen reinfallen.

    Ich habe mir zu dem ganzen Thema schon so manches Buch rein gezogen und auch auf Youtube gibt’s viele interessante Debatten zwischen Atheisten und Religiösen, aber ihre Argumentationen im Artikel wie auch im Kommentarbereich lässt vermuten, dass Sie sich noch nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt haben und sich selbst so manche Frage noch nicht gestellt haben oder möglichst schnell ausgeblendet haben, weil es ihr Glauben vielleicht zu sehr erschüttert. Ich kann Ihnen nur raten ehrlich mit sich selbst zu sein und auch mal zuzulassen, dass ihr Glauben auf so manche Fragen keine vernünftigen Antworten liefern kann, weil unsere Gesellschaft Heute nunmal eine komplett andere als die vor 1400 Jahren ist.

  5. Belladetta sagt:

    Au weia, Herr Chaudry, Sie haben sich da ganz schön verhoben, aber das sei Ihrem jugendlichen Leichtsinn geschuldet. Ich zitiere mal eine Freundin mit dem auch auf Sie zutreffenden Ausspruch: „Man wird nie wieder so klug wie mit sechzehn (ähm, zweiundzwanzig in Ihrem Fall)!“ Ihr Text trieft nur so vor „bombensicherem Auftreten bei maximaler Ahnungslosigkeit.“
    Sie jedenfalls erliegen Ihrer ureigenen Hybris, einem Konglomerat aus Unwissen und dünkelhafter Selbstgewissheit, die bei „kleinen Lichtern“ gang und gäbe ist, leider. Ich kann nur hoffen, dass Sie im Leben noch genug Chancen bekommen, um wesentliches dazuzulernen, vor allem das Zweifeln an absoluten ‚Wahrheiten‘ und an sich selbst. Glauben Sie mir, nur dadurch wird man nüchtern und findet zu Maß und Mitte, u.a. in der Wortwahl!
    Welchen Einflüsterungen sind Sie da verfallen? So unsachlich stänkernd würde sich kein moraltheologisches „Bodenpersonal“ mehr äußern. Das gab es mal vor 40-50 Jahren, ja, aber heute? Sie disqualifizieren sich mit so einem Geschmiere! Wo bleibt Ihr kritischer, reflektierender Verstand und vor allem Ihre Empathie den Menschen gegenüber, die Ihre Wertvorstellungen nicht teilen? Nichts davon ist zu spüren, obgleich Sie von Gottes Liebe, Geborgenheit etc. schreiben. Ihre Behauptung, Religion bewirke eine Metamorphose des Herzens, klingt im Textzusammenhang ziemlich aufgesetzt. Das mag auch an Ihrem hitzigen Schreibstil liegen, der so gar nicht zu einer solchen Aussage passt. Sie erwarten doch nicht wirklich, mit solch wirren Ergüssen ernst genommen zu werden?
    Ihre Eingangsfrage „Ist die Religion schuld?“ diskutieren Sie überhaupt nicht. Ich hatte da was ganz anderes erwartet. Sie betonen, dass die grausamen Potentaten des 20. Jahrhunderts nicht im Namen einer Religion mordeten, übersehen aber, dass genau diesen die Mechanismen einer ‚funktionierenden‘ monotheistisch orientierten Religionsgemeinschaft wohl- vertraut waren und als Steilvorlage für den eigenen Machtzuwachs und -erhalt dienten. Zu den überaus bewährten Mitteln zählen die Überhöhung der eigenen Ideale zur allein seligmachenden Heilsbotschaft und die Herabsetzung bzw. gnadenlose Verfolgung derjenigen, die diese nicht teilen; der Psychoterror und die systematische Indoktrination, die keine Zweifel zuläßt, sowie die Forderung nach absolutem Gehorsam, Hörigkeit. Hinzu kommt das Unterbinden jeglicher Diskussion, überhaupt die Kenntnis von anderen existierenden Denkmodellen, die einen Gegenentwurf zur eigenen Glaubensideologie darstellen. Die politischen Ideologien des 20. Jhs. fußen auf den in Religionen praktizierten und bewährten Methoden, deren geübter Rhetorik und Symbolsprache. Der Gründer und Übervater des ach so atheistischen Nordkoreas, Kim Il Sung, wurde z.B. auf einem fliegenden Pferd dargestellt, die Parallele kennen Sie. Eine Analyse solcher Entlehnungen wäre sicherlich erhellend, setzt aber eine tiefergehende Beschäftigung voraus und da hapert es.
    Ein echtes, differenziertes Interesse am Phänomen „Religion“ und seiner vielfältigen Erscheinungsformen kann ich bei Ihnen nicht feststellen; Sie interessieren sich ausschließlich für Ihre eigene. Das geht zumindest aus Ihrem Text hervor, der andere Weltvorstellungen gleich welcher Art abwertet. Man merkt nur zu deutlich, dass Sie einer monotheistischen Religion mit Absolutheitsanspruch anhängen. Kein tiefreligiöser Hindu, Buddhist, Daoist oder gar ein Konfuzianer würde sich dergestalt äußern.
    Sie bringen dann als Beispiel den Bosnienkrieg, doch die einzige höchst oberflächliche Schlußfolgerung von Ihnen ist, dass die angeblichen Gotteskrieger nur um des Krieges Willen gekämpft hätten. Was wollen Sie uns damit sagen? Klar wird in dem genannten Zusammenhang, dass Religion als ausschließliches identitätsstiftendes Moment einer Persönlichkeit nicht ausreicht, sondern eine brandgefährliche Angelegenheit ist. Die armen Schlucker, die in diese Kriege zogen, besaßen keine anderen Kompetenzen, die Ihnen Aussicht auf einen gehobenen Status in einer hochentwickelten Zivilgesellschaft eingebracht hätten. Das einzige, was diese orientierungslosen Sinnsucher besaßen, war ihr Glaube und ihre Bereitschaft, dafür Ihr junges Leben zu lassen. Von der Sorte gibt es weltweit reichlich Nachwuchs.
    Tja und dann diese lächerliche Polemik über die Eifersucht der Anti-Religiösen. An wem arbeiten Sie sich denn da ab?
    Sie geben an, Geschichte zu studieren und stören sich an Aussagen wie „Ohne Religion wäre die Welt besser dran!“ Haben Sie sich mal mit dem 30-jährigen Krieg beschäftigt und allen anderen Katastrophen der europäischen Geschichte. Da spielt Religion immer eine große Rolle und nicht die vorteilhafteste. Die genannte Aussage ist nur eine nüchtern konstatierte Schlussfolgerung der historischen Zusammenhänge. Wo bleibt da Ihre differenzierende Transferleistung? Total verrannt haben Sie sich mit der Behauptung „Ohne einen endgültigen Beweis gegen die Existenz Gottes, blickt der Atheist mit Eifersucht auf das Leben eines Gläubigen, der durch Gott Liebe, Sicherheit und Geborgenheit findet. Dagegen fühlt er sich selbst als Zufallsprodukt, ziemlich einsam in einer grauen und grausamen Welt.“ Was haben Sie denn da geraucht????
    Historisch gesehen korrelieren – und das weltweit, sofern uns schriftliche Quellen zur Verfügung stehen – unsichere Lebensumstände mit verstärkter Religiösität. Je furchtbarer die Lebensumstände, desto stärker der Glaube an eine himmlische Macht. Nüchtern betrachtet blieb den Menschen gar nichts anderes übrig als auf überirdische Gewalt und Hilfe zu bauen, um nicht völlig irre zu werden. Je stärker Menschen aber Kontrolle über ihr Leben haben, dieses selbstbestimmt gestalten können und nicht permanent irgendwelchem Chaos oder einer Willkürherrschaft machtlos ausgeliefert sind, desto kritischer stehen sie schlichten, eindimensionalen Glaubensbotschaften gegenüber. Das heißt nicht, dass sie Fragen nach dem Sinn des Lebens und was danach kommt völlig ausklammern. Nur sind sie frei davon, für solch schwierige Fragen eine simple Antwort haben zu wollen, im Gegenteil. Sie beschäftigen sich vorzugsweise mit Welt- und Glaubensvorstellungen aus Asien und finden dort interessantere Konzepte mit denen sich eine Auseinandersetzung lohnt. Die empfehle ich auch Ihnen. Dringend!
    May all sentient beings be happy!

  6. Cengiz K sagt:

    Belladetta redet doch so einen aufgewärmten Schmu, dass einem wirklich die Haare zu Berge stehen, ob so einer selbstüberschätzenden Arroganz gegenüber Andersgläubigen und Ignoranz gegenüber Lebenskonzepten anderer Menschen.. Da werden auf einen Minimalpunkt destillierte „Botschaften“ einer komplexen Lebenswelt, so einfach zusammen gefasst, als ob alle, die nicht Belladetta’s Auffassung teilten, „kleine Lichter“ wären.. Wenn man/frau den Ausführungen dieser über Daoisten, Konfuzianern, etc. (scheinen ja alles das Gleiche zu sein) folgt, sieht es so aus, als ob diese von den „Übeln“ der Welt verschont geblieben wären und werden.. Scheinbar hat sich Belladetta bereits in andere Sphären meditiert (oder geraucht, geschnupft, gespritzt), dass sie Dinge nicht mehr so gut aus einander halten kann.. Vielleicht will sie auch nur ihre Theorien für unumstößliche Wahrheiten verkaufen.. Man/frau fragt sich, wer hat da Belladetta was eingeflüstert, in welchem „Elitenklub“ über die Hochrangigkeit „Eigenen Absolutheitsanspruchs“ gegenüber der „Minderwertigkeit“ der Anderen..
    Die Ausführungen Belladettas werden mit vertauschtem Subjekt zu Objekt eine Selbstanklage, aber da sie Herr Chaudrys Intention, womöglich absichtlich, missversteht, so kann sie auch simplifizieren, was das Zeug hält, solange die Agenda voran getrieben wird… Hauptsache, ‚was gesagt..
    Es gibt noch einen Spruch, der bestens zu Belladetta’s Weisheiten passt, und sie muss ihre Religion wegen der auf Sie zu treffenden Wahrheit auch nach 50 Jahren nicht wechseln, weil er für manche Menschen ein Leben lang währt: „Dumm geboren, und nichts dazu gelernt!“