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TV-Tipps des Tages

06.12.2011 – Rassismus, Ägypten, Türkei, Ungarn, Ausländer, Migranten

TV-Tipps des Tages sind: Oliviero Toscani - Bilderwut; Kleine Abfallgeschichte; Ungarische Impressionen: Die Schwäbische Türkei - Verschiedene Kulturen, Ideologien und politische Kräfte; Strahlende Wüste: Im westafrikanischen Niger, 2010; Die Haselnuss-Kinder - Zum Hungerlohn ins türkische Hochland; Rufmord im Internet

Von Dienstag, 06.12.2011, 8:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 06.12.2011, 11:51 Uhr Lesedauer: 9 Minuten  |   Drucken

Oliviero Toscani – Bilderwut
Dokumentarfilm – Er hat Themen wie Aids, Flüchtlingselend oder Rassismus in die Werbung geholt. Die Anzeigen und Plakate haben weltweit heftigste Proteste ausgelöst, viele sind verboten worden. Der Film porträtiert den heute 68-jährigen Italiener. Wer erinnert sich nicht an das großformatige Werbeplakat mit dem blutdurchtränkten T-Shirt eines kosovarischen Soldaten mit dem grünen Button von United Colors of Benetton links unten im Bild? Oder an die weiß gekleidete Nonne, die einen schwarz gekleideten Priester küsst, den ausgemergelten jungen Mann, gezeichnet von der tödlichen Immunschwächekrankheit Aids, sowie das magersüchtige Modell, das für eine italienische Modemarke wirbt?

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Krieg, Zölibat, Krankheit und Magersucht – Reizthemen in Bilder gefasst, die auf der ganzen Welt heftig diskutiert wurden. Sie alle stammen von Oliviero Toscani, dem Vorreiter gezielter Antiwerbung. Seine aggressive, politisch inkorrekte Werbefotografie verursachte ästhetische wie inhaltliche Aufschreie. Der Film porträtiert den heute 68-jährigen Italiener. Er zeigt den vom Bauhaus beeinflussten Künstler, dessen Karriere mit Modeshootings für Firmen wie Fiorucci und Armani begann. Und den Privatmann, der sich 2001 mit Benetton überworfen hat und seitdem auf eigene Faust Werbekampagnen jenseits des Mainstreams initiiert, die immer wieder für heiße Diskussionen sorgen. Die Sendung blickt auf Toscanis Leben und schaut ihm bei der Entstehung aktueller Arbeiten über die Schulter. 11:30-12:15 · arte

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Kleine Abfallgeschichte(n)
Die ägyptische Hauptstadt Kairo ist umgeben von unübersehbaren Müllkippen, während die wohlhabenden Viertel bereits in der Antike ein Abwassersystem besaßen. In der größten afrikanischen Metropole vermehren sich die Abfälle ebenso schnell wie die rasant wachsende Bevölkerung. Sein modernes Gesicht verdankt Kairo Ismail Pascha, dem einstmaligen Vizekönig von Ägypten. Dieser bewunderte bei einer Paris-Reise zur Weltausstellung 1867 die Errungenschaften des Barons Haussmann im Städtebau und modernisierte die Stadt nach dessen Vorbild. Doch trotz verbesserter Hygienebedingungen blieb Kairo nicht von Epidemien verschont, für die man die hohe Bevölkerungsdichte in den Armenvierteln verantwortlich machte. Im Goldenen Zeitalter der arabischen Welt war Kairo ein Symbol für den blühenden islamischen Urbanismus gewesen, dessen drei Grundprinzipien „Ethik, Hygiene, Sicherheit“ die Stadt vollends erfüllte. Moscheen, Paläste, Häuser und Gärten waren mit einem Frisch- und Abwassersystem ausgestattet. Heute türmen sich auf den Mokattam-Hügeln die Abfälle. Hier ist das Reich der Zabbalin, der traditionellen Müllsammler von Kairo, die seit mehr als 50 Jahren bis zu 90 Prozent des städtischen Mülls recyceln. Doch ihre Zukunft ist ungewiss, denn jetzt gehen internationale Müllkonzerne das Kairoer Problem mit professionellen Mitteln an. Anfang der 90er Jahre begann der „Aga Khan Trust for Culture“ mit dem Bau des Al-Azhar-Parks. Anstelle eines seit Jahrhunderten als wilde Müllkippe genutzten Geländes sollte ein grünes Naherholungsgebiet entstehen. Bei den Bauarbeiten entdeckte man unter den Abfällen eine Maueranlage, die Saladinmauer, die unter dem Unrat begraben und daher besonders gut erhalten geblieben war. Hintergrundinformationen: Der Müll in unseren Städten – von Paris über New York bis Kairo – jeden Tag produziert die Menschheit gewaltige Mengen von Abfall. Aber Abwassersysteme und Müllentsorgung gab es nicht immer. Lange Zeit war mangelnde Hygiene Ursache für Krankheiten und Epidemien, so dass gezielte Infrastrukturmaßnahmen notwendig wurden. Die fünfteilige Reihe begibt sich auf eine historische Zeitreise und zeigt, inwiefern der veränderte Umgang mit dem Müll auch zu einem städtebaulichen Wandel führte. 14:00-14:45 · arte

Ungarische Impressionen: Die Schwäbische Türkei
Dokumentation (Kultur – Stadtkultur/Landleben) – Film von Peter Giesecke. Verschiedene Kulturen, Ideologien und politische Kräfte haben das Gesicht dieser Landschaft, ihrer Städte und Dörfer geprägt: oft in schrecklichen Kriegen, aber durchaus auch in den wenigen glücklichen Phasen. Pécs – auf Deutsch Fünfkirchen – ist das Zentrum der Schwäbischen Türkei im Süden Ungarns. Nach der vernichtenden Niederlage der Ungarn gegen das Heer Suleimans des Prächtigen in der Schlacht bei Mohacs eroberten im 16. Jahrhundert die Türken die Stadt: 17 Moscheen errichteten sie in Pécs, die Dschami am Szécheny-Platz ist die prächtigste. Heute noch steht auf ihrer Kuppel der islamische Halbmond unter dem Kreuz. Nachdem die Osmanen wieder vertrieben waren, warben die Habsburger deutsche Siedler an. Aus Schwaben und der Pfalz, aus Hessen und Bayern kamen sie im 18. Jahrhundert, um das entvölkerte und verwüstete Land wieder aufzubauen. Der Film „Ungarische Impressionen: Die Schwäbische Türkei“ ist das Porträt einer Landschaft und ihrer Menschen, die heute versuchen, ihr reiches kulturelles Erbe in seiner ganzen Vielfalt zu erhalten. 14:15-15:00 · 3sat

Strahlende Wüste
Spielfilm – Im westafrikanischen Niger, 2010: Zwei französische Mitarbeiter einer internationalen Umweltorganisation werden gekidnappt. Die beiden Wissenschaftler sind im Auftrag einer Nicht-Regierungs-Organisation im Niger unterwegs.

Dort finden sie Erschreckendes über die menschenverachtenden Arbeitsmethoden im Uranabbau durch den mächtigen, französischen Staatskonzern URANIA heraus. Dass die zwei Forscher von einem mysteriösen Kommando entführt werden, platzt mitten in die kritisch verlaufenden Neuverhandlungen um den Uranpreis zwischen dem Unternehmen und dem Staat Niger. Bald werden die Geiseln zum Streitobjekt in einem schmutzigen Spiel.

Die Strategie der Strippenzieher im Pariser Ministerium wird dabei zunehmend zwielichtig. Ihr Diplomat Hugo Geoffroy kämpft einerseits für die Freilassung der Geiseln. Doch auf andererseits wird die URANIA hofiert, die mit der Aussicht auf billige Energieversorgung für die französische Republik lockt. Würden die Geiseln vor der Unterzeichnung der Neuverträge freikommen, würde Kritik an URANIA laut und der Konzern in den Verhandlungen geschwächt. Dieses Argument überzeugt. Die französische Regierung weist ihren Sondergesandten Hugo an, die Befreiung der zwei Entführten zu verzögern.

Der Staatsminister der Inneren Sicherheit des Niger, Colonel Aboubacar, wiederum hat kaum Interesse an neuen Verträgen mit den Franzosen. Die Chinesen bieten ihm gutes Geld, ohne jedwede Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes …

Hélène, die aus Paris eingeflogene Leiterin der Umweltorganisation, muss hilflos mit ansehen, wie das Leben ihrer zwei Kombattanten zur geheimen Verhandlungssache wird. Dann soll Hugo die mühsam erwirkte Freilassung der kranken Coralie aufschieben, um Zeit zu gewinnen. Er gerät gegenüber Hélène und seinem eigenen Gewissen in Erklärungsnot.

Hintergrundinformationen:
Frankreichs Umgang mit seinen ehemaligen Kolonien, der afrikanische Wunsch nach Unabhängigkeit, die gefährliche Macht der Wirtschaft über die Politik und die großen Streitfragen um das schmutzige und riskante Geschäft des Uranabbaus – Regisseur Fred Garson verdichtet diese brisanten Themen zu einem fesselnden, auf realen Begebenheiten gründenden Politthriller von beunruhigender Aktualität.

Drehbuchautor Didier Lacoste begann seine Karriere mit Kurzfilmen und als Koautor von Spielfilmen. Er schrieb für französische Serien wie „Joséphine, ange gardien“ und „Le Juge est une Femme“, arbeitete aber auch an Vorlagen für Fernseh- und Kinofilmproduktionen. Meist verfasst er Drehbücher in Zusammenarbeit mit anderen Autoren, wie beispielsweise bei „Les Frangines“ von Laurence Katrian aus dem Jahr 2002 oder „Une autre femme“ von Jérôme Foulon aus demselben Jahr.

Die Koautorin Pauline Rocafull, die mit Didier Lacoste an „Strahlende Wüste“ schrieb, verfasste 2004 als Erstlingsdrehbuch „Le fauve en cage“. Später arbeitete sie für die Serie „Affaires Classées“. Gemeinsam mit Didier Lacoste schrieb sie bereits das Drehbuch zum Fernsehfilm „1905“ von Henri Helman und zu „Hinterhalt in Afghanistan“ von Miguel Courtois.

Für den erfolgreichen ARTE-koproduzierten Film „Sie wusste zuviel“ von Olivier Langlois über eine Frau, die ihrem in Sachen Politkowskaja verschwundenen Mann in Russland hinterher fahndet, bekam das Duo 2008 beim Festival de la Rochelle den Preis für das beste Drehbuch.

Die belgische Schauspielerin Natacha Régnier hatte, ihrer abgebrochenen Schauspielschulausbildung zum Trotz, 1998 ihren Durchbruch in Erick Zoncas „Liebe das Leben“. Sie gewann für die Rolle der Marie noch im selben Jahr sowohl den Darstellerpreis in Cannes als auch den Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Darstellerin“. 2010 war sie in Angela Schanelecs mehrfach ausgezeichnetem Film „Orly“ auf der Kinoleinwand zu sehen und spielte zuletzt die Carole in Michel Roddes „L’impasse du désir“, an der Seite von Laurent Lucas, ihrem Partner in „Strahlende Wüste“. 14:45-16:10 • arte

Rufmord im Internet
Dokumentation (Alltag und Lebensbewältigung – Kindheit/Jugend) – 37º – Film von Katrin Wegner

„Im Internet steht, dass ich die größte Schlampe der Schule bin, weil ich mit jedem, der mir über den Weg läuft, schlafen würde.“ Ninti wird im Internet gemobbt. In Internetforen wie „I share gossip“ wird die 15-Jährige mit vollem Namen erwähnt und beschimpft. Schüler versuchen, ihren Ruf zu zerstören, indem sie Lügen über das Mädchen verbreiten. Ninti kann niemanden zur Rede stellen, denn die Verursacher sind unbekannt, bleiben anonym. „Alle können es lesen und glauben, was da steht. Wenn ich in die Schule komme, tuscheln sie über mich. Jungs kommen auf mich zu und fragen, ob ich das, was im Internet steht, auch mit ihnen machen könnte.“

Laut Forsa-Umfrage wird jedes achte Kind in Deutschland gemobbt. Andere Studien gehen sogar davon aus, dass in neun von zehn Schulklassen wochenlang ausgegrenzt und gedemütigt wird. Durch den Einsatz neuer Medien sind die Hemmungen gefallen, denn im Internet lässt sich auch nach Schulschluss schnell und ungeniert etwas verbreiten, das viele Mitschüler erreicht.

Sylvia Hamacher wurde eineinhalb Jahre lang gemobbt, zunächst von den Klassenkameraden, dann von der ganzen Schule. Jemand streute üble Gerüchte: per stille Post, per SMS und auch übers Internet. Die Schule wurde zu einem einzigen Spießrutenlauf. „Irgendwann habe ich gedacht, ich muss etwas an mir haben, was andere so provoziert. Und weil ich die Schuld bei mir gesucht habe, habe ich mich auch immer schlechter gefühlt, als dumm, als hässlich, als widerlich und als ein Mensch, der es gar nicht verdient, hat zu leben.“

Sylvia und Ninti sind keine Einzelfälle. Dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien zufolge soll bereits jeder vierte Berliner Jugendliche von Cyber-Mobbing betroffen sein. Neben Verunglimpfungen im Internet oder Rufmord per SMS finden viele Mobbing-Fälle nach wie vor im Klassenzimmer statt.

Der 14-jährige Tobias hat eine Klasse übersprungen. Als er neu in die Stufe kam, war er fast zwei Jahre jünger als seine Mitschüler. Er wurde zum Mobbingopfer. „Ich musste mir immer mehr dumme Sprüche anhören, wurde von den anderen fertig gemacht. In der Umkleidekabine beim Duschen wurde ich mit heißem Wasser aus einem Schlauch abgespritzt. Die anderen fanden das witzig und haben gesagt: Tanz, Tobi, tanz.“ Lange versuchte er, seinen Peinigern zu entkommen – indem er sich aktiv wehrte oder sich passiv verhielt, sich anpasste und so tat, als hätte er es nicht anders verdient. Die Situation eskalierte. Lehrer und Sozialarbeiter griffen ein und arbeiten bis heute mit Tobias, seinen Tätern und Mitläufern, aber auch mit der ganzen Klasse, um den Zustand aufzubrechen und für ein besseres Klassenklima zu sorgen.

Die „37º“-Reportage begleitet drei Jugendliche, die unter Mobbing leiden und geht der Frage nach, wie dieser Psychoterror überstanden werden kann. Wie reagieren Eltern und Lehrer, und welche Lösungen und Auswege finden die Jugendlichen schließlich, um aus ihrer Opferrolle herauszufinden? 22:15-22:45 • ZDF

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