Unfall

Die Zukunft von Sandmann oder was sagt mir Sarrazin?

“Es gibt ein positives Deutschlandbild, das viele Migranten im Herzen tragen, das von den Einheimischen kaum reflektiert wird.” Zafer Şenocak.

Von Dienstag, 14.06.2011, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 27.04.2015, 16:52 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Als ich 1980 nach Berlin zog, war ich acht Jahre alt. Ein Teil meiner Kindheit verbrachte ich in Gölgeli Köyü, im „Schattendorf“ von Almus, einer Provinzstadt von Tokat. Meine Familie wohnte in einem Migrantenviertel in der Neustadt in Spandau. Wir hatten kaum Kontakt zu Deutschen. Meine Eltern meldeten mich in einer Vorbereitungsklasse in Spandau an, die damals gezielt für Gastarbeiterkinder eingerichtet war. Zu Hause sprachen wir Türkisch. Jeden Abend saß ich vor dem Fernseher und bestaunte meinen Kindheitshelden, den Sandmann. Seine farbenfrohe Welt konnte ich leider nur visuell verfolgen. Aber ich wollte auch die Worte der Titelmusik verstehen, mitsingen und seinen wundervollen Geschichten folgen können. Dieser Wunsch stellte eine wichtige Motivation für mich dar, die deutsche Sprache zu erlernen. Bis ich in die Welt Sandmanns eintauchen konnte, keine sprachlichen Barrieren mehr verspürte, vergingen zwei Jahre. Sandmann begleitete mich, wie ich allmählich in Berlin Wurzeln schlug.

Im Laufe der Zeit liebte ich die deutsche Sprache, da sie mir neue Welten eröffnete. Ich schätze mich sehr glücklich, Heinrich von Kleist, Kafka und Max Frisch in ihrer Sprache lesen zu können. Bis heute habe ich in drei Metropolen gelebt. Paris, Istanbul, Berlin. Am meisten habe ich mich in Berlin zu Hause gefühlt. Ich beobachtete, wie im Laufe der Zeit Deutschland und Berlin zu einem Teil meiner individuellen Geschichte wurden.

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Als 1989 die Mauer gefallen war, eilte ich mit meinen Geschwistern von Freude erfüllt zum Kurfürstendamm. Dort wurden wir Zeitzeugen der Einigung unserer Stadt, die 28 Jahre unter der Spaltung gelitten hatte. Die Westberliner und Ostberliner umarmten sich leidenschaftlich. Aber auch diese Umarmung war sehr leiderfüllt und währte nicht lange.

Deutschland hat einen hohen Preis für diese Einheit gezahlt. Es vergingen Jahre bis neue Dynamiken geschaffen wurden, die diese Gesellschaft zusammenhielten. Aber jetzt insbesondere in Berlin sehen wir, dass diese Mühen in dieses Land zu investieren, nicht umsonst waren. Es gibt mehrere Varianten, den Verdienst dieses Landes zu beleuchten. Natürlich auch nur, wenn Sie dies auch suchen …

Andererseits findet man in Berlin auch andere Dinge. Zum Beispiel Menschen wie Thilo Sarrazin, Autor von „Deutschland schafft sich ab“ … Seit zwei Jahren beschäftigt er die deutsche Öffentlichkeit. Was uns ins Auge fiel, war der rassistisch, populistisch gefärbte Diskurs Sarrazins gegenüber einigen Einwanderergruppen. Diese Diskurse haben ihm einen enormen Ruhm beschert und Deutschland großen Schaden zugefügt. Diesen Schaden zu beseitigen, ist nicht nur die Aufgabe der Deutschen. Denn als dieses Land seine Wunden verarztete, haben alle in diesem Land einen hohen Preis bezahlt.

In diesem Punkt hat die SPD einer wichtigen Aufgabe nachzugehen. Sarrazin aus der Partei auszuschließen oder nicht, ist eine andere Frage. Die Hauptaufgabe der SPD ist es, mit sich selbst ins Gericht zu gehen und zu hinterfragen, wie es möglich ist, dass ein Mann wie Sarrazin und seine Befürworter in der SPD Fuß fassen und gedeihen können. Es wäre grotesk, wenn die SPD sich diese Frage nicht stellt und dabei glaubt, weiterhin sozialdemokratische Werte zu verteidigen. Es wäre genauso grotesk, wenn man annehmen würde, dass ein Sarrazin Deutschland repräsentiert. Aber es ist wichtig, diese Debatte in den eigenen Reihen zuzulassen.

Wenn Sarrazin spricht oder über Sarrazin gesprochen wird, kommt es mir vor, als ob in der Straße, in der sich meine Wohnung in Berlin befindet, ein Unfall passiert ist. Ein Unfall, der auf die infrastrukturellen Probleme und auf die Unachtsamkeit des Fahrers zurückzuführen ist. Der Verkehr liegt lahm, einige sind verwundet. Diese Situation muss beseitigt werden und das Leben sollte schleunigst wieder in die Gänge kommen.

Der Sarrazin-Unfall hat noch eine Sache aufgedeckt. In meinen Augen entpuppt sich mein Kindheitsheld Sandmann allmählich als das Monster von “der Sandmann” von E-T.A. Hoffmann, der Kindern droht, das Augenlicht zu stehlen. Dieses Monster spricht mit der Stimme Sarrazins in meinen Albträumen. Sarrazin tötet nicht nur meine Motivation im Hinblick auf die Zukunft, sondern die Motivation der gesamten deutschen Bevölkerung. Er macht Anspielungen auf unsere gefährlichsten Albträume.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um mit dem Fall Sarrazin umzugehen: Entweder überlassen wir unseren Kindheitshelden seinem eigenen Schicksal und sehen zu, wie er sich in ein Monster verwandelt oder wir helfen Sarrazin zu genesen. Da unser Herz die erste Option nicht zulassen wird, ist es an uns, eine Politik zu machen, die die zweite Möglichkeit zulässt.

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  1. Weltbürger sagt:

    Der Unfähige Musterdeutsche hat den Zug schon längst verpasst.

    Diese Aussagen von Herr Sarrazin(er) war nicht dazu gedacht um die Ausländer zu diffamieren eher um zu sehen wie der Musterdeutsche an die Blutzugehörigkeit hängt, Menschen ausgrenzen kann und die Zeit vor 1945 so schnell vergessen kann.

    Alles in einem ist das Bild von Deutschland schon längst geschädigt. Aber alles seine Zeit. Die Welt macht sich schon Ihre Randnotizen über das was hier geschieht und wie schnell der Musterdeutsche sich in einer Arroganten und Hassenden Ideologie verfängt.

    Die Welt hat sich schon längst verändert und viele merken es bloß nicht.
    Der Arbeitslose Amerikaner, der Deutsche Angestellte, der Türkische Fabrikarbeiter, der Italienische Familienvater, der Chinesische Eisverkäufer, der Afrikanische Ehemann, der Arabische Kaufmann, der Russische Edelmetallhändler, die Studierende Kopftuchträgerin oder der Rentner aus Indien, wer will euch sagen wer Sie wirklich sind.!?!?
    Der ?!?äussere schein drügt?!?, aber vieleicht ist es einer von dennen der im Auftrage seines Ministeriums hier seit Jahren ist und sein Leben hier aufzeichnet, archiviert und weiterleitet. Man soll nie ein Menschen an sein Äusserer bewerten.

    Aber der Musterdeutsche lässt sich grade aus sein Inneres bewerten, diese Bewertung ist einfach nicht mangehaft sondern “ ungenügend „.

    Alles in einem wer sich von der Menschenfeindlichen Hetzerischen Minderheit Polarisieren lässt hat sich schon längst selbst verloren.

    Hoch Leben die Kulturen der Menschen. Oder wer will Morgen Menschen die wie gleich geschaltete Roboter sich kaum unterscheiden.

    Hoffen wir alle gemeinsam auf eine Welt ohne den 7 Todsünden.

    Euer Weltbürger

  2. Holzbock sagt:

    Unfall?
    Sarrazin?
    Es war und ist doch nur eine Meinung und ein Buch wie andere Bücher.

    Sandmännchen ist auch eine Geschichte in ein Buch verfasst.

    Also kein Unfall, sonder eine geistige Anekdote um Wach zu bleiben, anders bei Sandmännchen da Schläft man ein.

  3. Weltbürger sagt:

    @ Densus

    Deine Aussage
    “ Hätten wir diese Debatte schon vor einer Generation geführt, hätte Sarrazin heute gar nichts zu benennen….. “

    Mein lieber da irrst du dich. Man ist nicht fähig aus all jenen fehlern zu lernen.
    Vergiss nicht die Sintis & Romas, die Juedische Gemeinschaft und andere Gruppen hier! Welche Debatte und über wem !! Wie weit haben sich diese Gruppen Integriert und wann wurden Sie anerkannt. Nein Sie werden nicht anerkannt und werden bis heute direkt und sehr oft indirekt diskriminiert.

    Es muss der unfähige Deutsche Integriert wird indem Ihn mitgeteilt wird das er nicht allein auf dieser Welt lebt.
    Oder müssen folgenden Punkte passieren um die Integration der Zwieträchter und Hetzter in gang zu setzen und zwar
    1. Bildung und Schulen
    3. Soziale Integration
    2. Die Zwangsintegration in die Gesellschaft von Heute
    4. Durch Repression für jeden Verweigerer

    Verfolge die Geschichte vom Heiligen Römischen Reich, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund, Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialistische Diktatur, BRD & DDR bis zur BRD. Und man wird vieles in Erfahrung wahrnehmen.

    Dein Weltbürger

  4. Holzbock sagt:

    Muster zu nehmen und zum Blutspenden animieren das ist auch ein Fall das die Gene eines Menschen scheinbar nicht richtig zum Weltgeschehen einhalt bietet.

    Die Todsünden geschehen Tagtäglich und werden Täglich in Medien präsentiert. Da spielt ein Buch das Sarrazin verfasst hatte sehr wenig Rolle.

    Es gibt viel Schlimmeres auf diesen Planeten.

  5. astonished sagt:

    @fikret

    Natürlich ist Sarrazin ein Wirtschaftsexperte und das ist der wesentliche Inhalt seines Buches. Es geht vornehmlich um die ökonomische Zukunft Deutschlands. Ich gehe davon aus, dass Sie das Buch nicht gelesen haben und Ihre Kenntnisse sich lediglich auf publizierte, aus dem Konsens gerissene, falsch interpretierte Aussagen reduzieren. Sie schreiben er soll sich auf seine Wirtschaftswissenschaft beschränken und nichts anderes hat er gemacht. Seine Erklärungen und Definitionen bzgl. „vererbter“ Intelligenz hat er sich nicht selbst ausgedacht, erfunden oder erforscht, sondern er zitiert die gängige Wissenschaft und man muss kein Intelligenzforscher sein um Forschungsergebnisse zu zitieren!
    So muss niemand Max Planck, Albert Einstein, David Politzer, David Gross oder Frank Wilczek heißen, um diese zu zitieren oder sich für Quantenphysik interessiert!

    @Weltbürger

    Ich setzte mal voraus, basierend Ihrer Rechtschreibung, dass Sie kein „Biodeutscher“ (diese Bezeichnung allein ist schon diskriminierend) sind und das erklärt auch Ihre teilweise Ansichten. Erklären Sie uns doch bitte was ein „unfähiger Musterdeutscher“ ist. Meinen Sie damit die vielen Millionen hart arbeitenden Menschen die brav und ohne murren jeden Monat ihre Steuern und Sozialabgaben zahlen und damit diesen Sozialstaat, mit teilweise bizarren Formen und Auswüchse, erst ermöglichen? Diese braven, friedlichen, offenen und freundliche Menschen werden von Ihnen darüber hinaus als „unfähige Menschen“ bezeichnet, welche man in Ihrem eigenen Land integrieren muss! Insgesamt verstehe ich den Inhalt Ihres Beitrags nicht! Sie sind als der Meinung,

    „Oder müssen folgenden Punkte passieren um die Integration der Zwieträchter und Hetzter in gang zu setzen und zwar

    1. Bildung und Schulen
    3. Soziale Integration
    2. Die Zwangsintegration in die Gesellschaft von Heute
    4. Durch Repression für jeden Verweigerer“

    dass dies falsch ist? Ich gebe hnen Recht, es sollte keine Zwangsintegration geben! Wer sich nicht integrieren will soll / muss wieder gehen!

    Was meinen Sie mit „Durch Repression für jeden Verweigerer“? Soll dieser gehen oder soll er weiter bleiben und sein Lebensunterhalt wird von der deutschen Solidargemeinschaft weiter finanziert?! In klassischen Einwanderungsländern erübrigt sich eine solche Diskussion. Ein Großteil der in Deutschland lebenden Migranten, vornehmlich mit islamischen Wurzeln, wären gar nicht erst in diese Länder eingewandert und wenn doch, alsbald wieder ausgewiesen worden! Allein daran lässt sich die Geduld der deutschen Bevölkerung und die Blindheit der deutschen Politik erkennen!

    Außerdem schreiben Sie:

    „Verfolge die Geschichte vom Heiligen Römischen Reich, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund, Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialistische Diktatur, BRD & DDR bis zur BRD. Und man wird vieles in Erfahrung wahrnehmen.“

    Was ist die Message daraus? Was hat das „Sacrum Romanum Imperium“ mit dem „Deutschen Bund“ zu tun, außer dass der „Deutsche Bund“ historisch dem „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ folgt? Und welchen historischen Einfluss hat dies auf die aktuelle Integrationsdebatte? Ich schätze Sie möchten die „Deutsche Geschichte“ angefangen bei den „Liudolfinger“ (Ottonen) bis zur Neuzeit skizzieren. Aber was sagt uns dies über die aktuelle Integrationsproblematik?

    Glauben Sie mir, ich habe jahrzehntelang im Ausland, vornehmlich in arabischen Staaten, gearbeitet und bin der Überzeugung, dass es wenige Länder, wenn überhaupt, vergleichbar mit Deutschland gibt. Suchen Sie sich ein Land in dem Sie sich so frei entfalten können und ein solches soziales Umfeld geboten bekommen wie hier. Das beginnt mit staatlichen Transferleistung, freie Bildungssysteme, garantierte Grundrechte, Meinungs- und Religionsfreiheit! Sagen Sie mir ein islamisches Land, welches diese sozialen und demokratischen Errungenschaften aufweist?! Als Gegenleistung hierfür erwartet man politisch, als auch gesellschaftlich, lediglich Integrationswille und der wird noch gefördert mit unzähligen, teilweise sinnlosen, Integrationsprogrammen und -kursen. Und wer „Weltbürger“ zahlt auch dafür die Rechnung? Dass diese Gastfreundschaft seitens der deutschen Bevölkerung teilweise und immer öfter mit Füßen getreten wird und sich daraus resultierend mehr und mehr begrenzt, hat irgendwann eine tragische Konsequenz! Wir haben in Deutschland ein Sprichwort: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis (tanzen)“ und den Eindruck hat man immer öfter, wenn man sich so manche Forderungen und Verhaltensweisen, im Besonderen von muslimischen Migranten und Verbänden, anschaut. Es gibt auch ein sehr schönes altes arabisches Sprichwort (ähnlich dem Deutschen, jedoch ein klein wenig anders): Wenn dein Haus aus Glas ist, so wirf deinen Nachbarn nicht mit Steinen.

  6. Densus sagt:

    @Weltbürger
    Ich habe ihre Erwiderung meines Kommentars gelesen und möchte eine Anmerkung dazu machen.
    Sie schreiben von vielerlei Dingen, die irgendjemand „muss“!
    Sei es der unfähige Deutsche?, der Zwieträchter und Hetzer, die sich in die „Gesellschaft von heute“ integrieren „müssen“.
    Dazu stelle ich fest, das ist ihre persönliche Meinung. Da wir aber nicht in der Türkei sind, sondern in einer Demokratie leben, gilt nicht nur ihre turko-islamische Denkweise.
    Fakt ist(Fourotan, der glauben sie doch wohl), 86% der deutschen Bevölkerung lehnt eine Islamisierung und damit ein weiteres Ansteigen des dies favorisierenden Bevölkerungsanteils, ab.
    Das heißt, dieses wird in Deutschland zukünftig nicht geschehen, daher nochmals:
    Wäre diese Debatte schon vor einer Generation geführt worden, wären wir heute nicht in diesem Dilemma. Man kann in einer Demokratie nicht Politik gegen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung machen, sie werden sehen.
    Aber eines hat mich an ihrem Aufsatz doch sehr geärgert, ihre Duzerei!
    Ich bitte sie freundlichst mich nicht zu duzen, das ist hier unüblich, ich bin nicht ihr Freund.

  7. Weltbürger sagt:

    @ astonished

    Wer weiß vieleicht bin ein Biodeutscher und vieleicht auch nicht.

    Der punkt ist und daran halte ich fest:

    „…. wie schnell der Musterdeutsche sich in einer Arroganten und Hassenden Ideologie verfängt. ….. “

    Ich weiß ja nicht welche Lektüren Sie in Ihrer Hand haltenß Aber Wissen aneigen und es so zu verstehn wie es jemanden nicht gefällt ist sehr schwer.

    Man muss genauer lesen wieviele ich zähle (Gehören Sie auch dazu)!?

    “ … Alles in einem wer sich von der Menschenfeindlichen Hetzerischen Minderheit Polarisieren lässt hat sich schon längst selbst verloren. … “

    PS: astronishet, wenn wir weiterhin in die Hasserfüllte Richtung Steuern dann ähnelt unsere Geschichte hier bald der Länder wo Sie mal waren.

    Dein Weltbürger

  8. Weltbürger sagt:

    PS: Im Jahr 1990 hat der König von Saudi-Arabien unseren Kanzler Helmut Kohl sage und schreibe 10 Milliarden Deutsche Mark übergeben.

    Und unsere Betteltouren auf die Arabische Halbinsel durch unsere Politiker nicht mals hinzugerrechnet.

  9. astonished sagt:

    @Weltbürger

    Der gute Herr Kohl hat noch mehr „Dinger“ gedreht und Politiker haben schon immer betrogen und gelogen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt eine schöne Redewendung:

    Ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen, ein Staubsaugervertreter, Staubsauger und ein Volksvertreter das ……!

    Aber es geht hier weniger um Geschichte, obwohl diese im Besonderen in Deutschland eine maßgebliche Rolle spielt. Unsere Toleranz beruht auf teilweise einem „Selbsthass“ dieser unsäglichen Geschichte. Fragen Sie einmal 100 Deutsche ob sie sich für typisch deutsch empfinden, ich bin mir sicher 90% sagen nein. Und warum? Weil, selbst Kinder heute mit einer Geschichte und daraus resultierender Politik konfrontiert werden, welche sie nicht zu verantworten haben, aber trotzdem bleiben sie stets die „Nazi´s“ und „Judenmörder“. Sinngleich verhält es sich mit Resteuropa. Menschen in Holland, Frankreich, Spanien, Portugal, etc. beziehen ihren „Selbsthass“ aus der Kolonialzeit. Geschichte ist wichtig, aber nur insoweit, dass man Lehren daraus zieht und eine Wiederholung der Fehler nicht zulässt. Vergleicht man Aussagen im Koran (Gottes geschriebenes Wort) so sieht man wohl sehr viele Parallelen zu nationalsozialistischen Thesen. Dieser Machtanspruch, Herrenmenschentum, Weltherrschaft, Gewalt zur Umsetzung ideologischer Ziele. Wissen Sie, ich bin überzeugt, wenn es mehr Kritiker vor 1933 gegeben hätte, wenn man das was Hitler in „Mein Kampf“ geschrieben hatte ernsthaft interpretiert hätte, wäre ein „Drittes Reich“ in dieser Form nicht möglich gewesen. Menschen in ganz Europa, vielleicht sogar weltweit, haben Sorgen ob dieser Islamisierung. Sie sagen bestimmt, was sol das wir dürfen nicht polarisieren. Die Macht und der enorme Einfluss Hitler´s und der NSDAP auf das deutsche Volk, den kleinen Bürger, basierte Großteils dem Fakt, dass er ihnen ein Gefühl der Einzigartigkeit gab, dass sie im Vergleich zum Rest der Welt besser sind, eine Herrenrolle zusteht. Heute schüttelt man vielleicht den Kopf darüber, aber genau das motivierte diese Menschen nach einem verlorenen Weltkrieg, einem unmenschlichen „Versailler Vertrag“, einer handlungsunfähigen „Weimarer Republik“ und nicht zuletzt diese immense Arbeitslosigkeit. Im Februar 1932 wurden im „Deutschen Reich“ mehr als sechs Millionen Arbeitslose gezählt. Mit einer Quote von rund 44% der erwerbsfähigen Bevölkerung hat damit Deutschland im internationalen Vergleich den weltweit höchsten Prozentsatz an Arbeitslosen. Die wirtschaftliche Lage des „Reiches“ ist katastrophal: Die Industrieproduktion beträgt nur noch 57,2% des Standes von 1928; die Ausfuhren sind drastisch zurückgegangen. Die Einkommen der Lohn- und Gehaltsempfänger wie auch der Unternehmer reduzierten sich gegenüber 1928 um nahezu 40%. Als 1936 mit 1,5 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt wieder der Beschäftigungsgrad von 1928 erreicht wurde, herrschte vor allem in der Rüstungsindustrie bereits Arbeitskräftemangel, während bei der Konsumgüterindustrie noch ein deutlicher Überhang an qualifizierten Arbeitern zu verzeichnen war. Für die Menschen selbst und den unbedachten Betrachter war dies was Gutes, nur wissen wir Heute worauf dieser „Aufschwung“ basierte und in welchem grauenvollen Chaos er endete. Was ich damit sagen will ist, dass man Geschichte erst im nachhinein interpretieren kann. Was man aber kann und muss ist Anzeichen erkennen und ggf. Gegenmaßnahmen zu ergreifen und nichts anderes sollte / muss jetzt auch geschehen. Jeder soll natürlich seinen Glauben leben dürfen, aber bitte ohne andere damit zu demütigen oder auch nur im Ansatz zu beeinträchtigen. Es kann nicht sein, dass in der Schule „Nichtmuslime“ beschimpft werden und man sie als „Schweine“ und „Hunde“ betitelt, denn da fängt es an. Wir müssen uns zu unserem Grundrecht und Gesetze bekennen und dies strikt durchsetzen. Eine Abschiebung z. B. bei schweren oder mehreren Straftaten existiert bereits, wird jedoch so gut wie nie angewandt. Aber dafür geben wir Hochschulabsolventen 12 Monate Zeit einen Job zu finden, falls nicht müssen sie gehen. Fast kein Widerspruch, oder?
    Ich vergleiche den aktuellen Zustand in der Migrantenpolitik (ausnahmslos mit islamischen Background) mit der Erziehnung von Kindern. Wenn sie Kindern keine Grenzen aufzeigen und diese auch durchsetzen, werden ihnen diese mit der Zeit auf „der Nase rumtanzen“ und den Ton angeben. An diesemem Punkt ist die deutsche Gesellschaft angelangt. Wir sind in einem christlich geprägten Land und jeder der hierher kommt muss dies ausnahmslos respektieren und sich in die Mehrheit einordnen und nicht versuchen der Mehrheit seine Ideologie aufzuzwingen! Aus „Rücksicht“ gibt es in vielen Kindergärten keinen Sant-Martins-Umzug mehr. Weihnachtsmärkte „verschwinden“ (zumindest der Name), der Verzicht auf Schweinefleisch, getrennter Sportunterricht, und endlos weiter! Das ist die Empfindungswirklichkeit von sehr vielen Menschen, mit oder ohne migrantischen Hintergrund, in Deutschland. Mich erinnern diese Forderungen, Unterdrückung von Andersdenkenden, selbstverherrlichende Selbstdarstellung in ähnlicher Weise an eine wirklich dunkle Zeit der deutschen Geschichte und das muss mit aller Kraft verhindert werden!!
    Wissen Sie, wenn ich mich im Ausland so verhalten hätte, wie viele das hier tun, bin ich mir sicher, ich würde im Moment diesen Beitrag nicht schreiben. Meine Mädchen und Frau mussten Kopftuch tragen ob sie wollten oder nicht! Zurück in Deutschland gibt es bereits das umgekehrte Phänomen. Um endlich Ruhe zu haben und aus Furcht vor Gewalt, konvertieren viele Jugendliche zum Islam. Allein 2010 konvertierten 100.000 britische Frauen, fast doppelt so viel, wie in den Jahren zuvor. Für Deutschland gibt es zu diesem Thema leider wieder keine publizierten Erhebungen.

    Ich bin bestimmt kein „Rechter“ (einer meiner Großväter kam in Dachau ums Leben) und lasse mich auch nicht in diese Ecke stellen. Aber als guter Demokrat und Humanist muss man jetzt endlich unmissverständlich einfordern, dass zumindest unsere demokratischen Grundrechte und Gesetze vollumfanglich respektiert und befolgt werden!

  10. arabeska sagt:

    @astonished
    „Aber als guter Demokrat und Humanist muss man jetzt ………….. !

    Wenn ich diesen Schlusssatz nach Ihrem Forumsbeitrag lese, bin ich „indeed more than astonished“.

    In meinem multikulturellen Umfeld bin ich als Biodeutsche noch nie von Migranten gedemütigt worden oder habe meine ausländischen Kollegen, Nachbarn und Bekannte als arrogant und fordernd erlebt. Es ist vielmehr das Gegenteil der Fall: In einer Gesellschaft, die sich auch über Ausgrenzung definiert erleben vor allem Kinder und Jugendliche soziale Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft oder Religion, der sie ohnmächtig gegenüber stehen.
    Bürger wie Sie haben bis heute einfach nicht verstanden, dass diese Ausgrenzung bestenfalls zum stillen Hass und im schlimmsten Fall zur Radikalisierung führt.

    Ich frage mich auch, wie diese Mitbürger ein “ Wir-gehören-dazu-Gefühl“ entwickeln können, wenn sie ständig mit sozialer Bedürftigkeit verbunden werden. Warum berücksichtigen Leute wie Sie bei Ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung nicht den Machtmissbrauch der Herrschaften in den nach wie vor demokratiefreien Chefetagen, den bestechlichen Politikern, käuflichen Parteien und den Amtsmissbrauch von Beamten. Was sind dagegen (angeblich) 750 Millionen für Migrationsangebote ?

    Aus Ihrem nationalistisch-patriotischen Beitrag wird deutlich, dass ein Teil der Bevölkerung ein Problem mit der deutschen Identität hat, die vergleichsweise schwach ausgebildet ist. Sarrazin hat eine vorhandene Stimmung bei denjenigen getroffen, die sich kompensatorisch nach einem starken deutschen Nationalbewusstsein sehnen. Wer keine gefestigte Persönlichkeit besitzt, sucht Menschen, auf die er hinabschauen kann. Früher waren das vor allem die Juden. Heute greifen in der Causa Sarrazin ähnliche Mechanismen: Hier wir Deutsche, dort die Muslime. Es ist eine Abgrenzung vom „Fremden“, durch die man die eigene Identität zu stärken versucht.

    @Weltbürger hat durchaus Recht:
    Die deutsche Geschichte der letzten 200 Jahre ist vor allem eine Geschichte der Niederlagen: Zuerst als Opfer Napoleons, dann in Gestalt der gescheiterten Revolution von 1848. Die erfolgreichen „Einigungskriege“ erwiesen sich als Pyrrhussiege angesichts des verlorenen Ersten Weltkriegs, es folgte das Scheitern der Weimarer Republik, darauf das Inferno des „Dritten Reichs“ und schließlich der Fall der DDR. Es stellt sich die Frage, ob angesichts all dieser Niederlagen eine ungebrochene nationale deutsche Identität möglich ist.

    Zu Ihrer Aussage: „Sagen Sie mir ein islamisches Land, welches diese sozialen und demokratischen Errungenschaften aufweist?!“

    Auch da ist Ihnen wahrscheinlich was entgangen! Beispiel Tunesien, ein Land das derzeit weiter im Aufbrauch ist.

    Eherecht: Direkt nach der Unabhängigkeit 1956 führte Präsident Bourguiba im Bestreben zügiger Modernisierung das Personenstandsrecht ein: Polygamie und Verstoßung wurden abgeschafft, die gerichtliche Scheidung auf der Grundlage von Geschlechtergleichheit eingeführt (damit ist Tunesien absoluter Vorreiter in der arabischen Welt). Seit 1957 ist die zivilrechtliche Eheschließung Gesetz.
    ***
    Frauenrechte: Das Wahlrecht bekamen die Tunesierinnen direkt nach der Unabhängigkeit (in der Schweiz erst 1972). Seit 1963 ist Abtreibung in bestimmten Fällen rechtlich gestattet, seit 1973 ist sie straffrei. 1993 wurde die Kooperation der Eltern in der Familie eingeführt.
    ***
    Bildung: Nach offiziellen Zahlen werden heute 99 Prozent der Mädchen eingeschult, in ländlichen Gebieten teils früher als Jungen wieder aus der Schule genommen. Gleichwohl sind mehr als 50 Prozent der tunesischen Abiturienten weiblich, ebenso liegt der Anteil von Frauen unter den Studierenden bei mehr als 50 Prozent.
    ***
    Arbeitsmarkt: Mehr als ein Viertel der Frauen ist berufstätig. In den Städten ist ihr Anteil weit höher. Frauen mit Hochschulabschluss sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als ihre männlichen Kollegen.