Uraufführung

Hasretim – Eine Anatolische Reise

Über viele Wochen bereisten der deutsch-türkische Musiker Marc Sinan und Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker, mit einem Kamerateam den Nordosten der Türkei. Herausgekommen ist "Hasretim - Eine Anatolische Reise", das am 9. Oktober 2010 im Festspielhaus Hellerau (Dresden) uraufgeführt wird.

Von Dienstag, 28.09.2010, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 30.09.2010, 1:10 Uhr Lesedauer: 8 Minuten  |   Drucken

Im September 2009 klingelt das Telefon. Markus Rindt ruft bei mir an und stellt sich als Intendant der Dresdner Sinfoniker vor. Er plant eine Nacht mit zeitgenössischer, orientalischer Musik und sucht bei mir um Rat auf der Suche nach Werken und Ideen. Ich habe wenig Zeit, wohne auf einer Baustelle und halte mich als Berater für orientalische Musik für wenig geeignet. Meine Familie mütterlicherseits kommt von der türkischen Schwarzmeerküste und ich hatte mich für ein vorheriges Projekt intensiv mit Hafiz beschäftigt, die singend aus dem Koran rezitieren. Ich bin ein Musiker mit großem Appetit auf musikalisches Neuland und orientalische Gerichte. Das ist alles.

Markus kommt mich trotzdem besuchen. Ich kann noch nicht wissen, dass das typisch für Ihn ist: gegen den Strom, mit Ruhe und Beharrlichkeit Spuren verfolgen.

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Uraufführung: 20 Dresdner Sinfoniker werden mit türkischen und armenischen Gastmusikern unter der Leitung von Andrea Molino am 9. Oktober 2010 im Festspielhaus Hellerau (Dresden) um 19 Uhr das Werk „Hasretim – Eine Anatolische Reise“ zur Uraufführung bringen. Idee, Konzept und Produktion: Marc Sinan und Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker.

Wir sitzen in unserer staubigen Küche zwischen Zementsäcken, die Stühle stehen auf noch feuchtem Estrich und verstehen uns prächtig. Wir hören eine wilde Mischung guter Musik aus brüllenden, kleinen Küchenlautsprechern, Awet Terterjan, Heiner Goebbels, Erdal Erzincan, Cemal Resit Rey, Anouar Brahem. Ich schlage Markus einige Ideen vor, zeige ihm aber kaum zeitgenössische Musik sondern vor allem Aufnahmen von berühmten türkischen Asiks, Musikern wie Muharrem Ertas und Asik Veysel.

Eine Idee zündet. Der türkische Musiker Nezih Ünen hat in akribischer Arbeit Videos von Volksmusikern produziert, und Sie dann mit funkigen Beats und Gitarrenriffs hinterlegt.

Warum, fragen wir uns, schöpfen die zeitgenössischen, türkischen Komponisten nicht aus diesem Schatz? Wieso gibt es keine nationale Schule, keine zeitgenössische Musiksprache, die sich aus der Hofmusik der Sultane oder eben der Folklore entwickelt hat?

Die Idee zur Anatolischen Reise entwickeln wir bei dieser ersten Begegnung: wir wollen Video- und Tondokumente sammeln und in eine zeitgenössische Musik überführen für ein gemischtes Ensemble der Dresdner Sinfoniker mit türkischen Gästen.

Tage später sitzen wir im Büro von Barbara Damm und Dieter Jaenicke beim Europäischen Zentrum der Künste in Hellerau. Erst im Zug von Berlin nach Dresden haben wir das Projekt kalkuliert. Die Summe kommt mir gewaltig vor. Markus frühstückt fröhlich beim rechnen. Hellerau zeigt Mut und stellt einen großen Teil des nötigen Budgets für die Uraufführung im Rahmen des Tonlagen Festivals 2010 zur Verfügung.

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