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Politisch-Rechtlicher Status

Integrationspolitik macht einen Unterschied

Der politisch-rechtliche Status von Migranten beeinflusst die Bildungschancen - der deutsche Pass etwa hat den Aussiedlern die Integration erleichtert.

Von Montag, 22.03.2010, 8:03 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 17:36 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Flüchtlinge bilden unter den Migranten in Deutschland eine besonders benachteiligte Gruppe. Aussiedlern hingegen hat die deutsche Staatsbürgerschaft den Zugang zu Fördermaßnahmen ermöglicht, die zu erheblichen Bildungserfolgen geführt haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Damit bestätigt das WZB, was das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bereits in der Studie „Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ auf der Basis der Mikrozensus-Daten von 2005 festgestellt hat: Alle Migranten kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Land. Darüber hinaus weichen die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen sowie die Perspektiven, die sich ihnen hierzulande auftun, je nach Herkunftsland voneinander ab. Fördermaßnahmen sollten deshalb auf die individuellen Schwächen und Stärken der Migrantinnen und Migranten abgestimmt werden – vor allem in der Bildung. Ohne eine solche Integrationspolitik bleiben die Potenziale der Zuwanderer ungenutzt.

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Janina Söhn vom WZB unterscheidet in ihrer Auswertung der Mikrozensus-Daten von 2005 die Menschen mit Migrationshintergrund nicht nach Herkunftsland, sondern stellt die Aussiedler als Gruppe allen übrigen Migranten gegenüber. Aussiedler erhalten direkt nach der Einwanderung die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Vergleich zeigt, dass Kinder von Aussiedlern häufiger als Kinder von Zuwanderern ohne deutschen Pass die Schule mit der mittleren Reife abschließen. Die Auswertung der Mikrozensus-Daten von 2005 durch das Berlin-Institut zeigte zudem das höhere Bildungsstreben der Aussiedler beziehungsweise ihrer in Deutschland geborenen Kinder: Der Anteil der Oberstufenschülerinnen und -schüler sowie derjenigen mit akademischem Abschluss liegt sogar über dem Wert der Einheimischen. Jugendliche aus Aussiedlerfamilien sind seltener erwerbslos und auch seltener von öffentlichen Leistungen abhängig als Einheimische.

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Janina Söhn nennt drei Gründe für den Bildungserfolg der Aussiedler: erstens den relativen Bildungsvorsprung der Aussiedler. Diese kamen vornehmlich aus den ehemals sozialistischen, osteuropäischen Staaten, die relativ gute Bildungssysteme hatten. Demnach brachten die Aussiedler bereits eine gute Ausbildung mit.

Zweitens konnten zumindest einige der Aussiedler bereits Deutsch, als sie hier eintrafen. Von diesem Wissensvorsprung gegenüber anderen Migranten profitierten sie auch in der Schule, zumal die Eltern ihre Kinder in der schulischen Laufbahn durch ihre eigenen Sprachkenntnisse unterstützen konnten. Die Eltern anderer Migranten scheiterten oft an der sprachlichen Hürde. Um die Bildungschancen aller Migrantenkinder zu erhöhen, empfiehlt Janina Söhn neben schulischen Integrationsmaßnahmen für die Minderjährigen deshalb eine unterstützende Integrationspolitik für Erwachsene.

Drittens bot der deutsche Pass den Aussiedlern Vorteile. Sie hatten zum einen Anspruch auf besondere Fördermaßnahmen, zu denen andere Migranten keinen Zugang hatten. Am außerschulischen Nachhilfeunterricht und an Deutschkursen durften beispielsweise nur Aussiedler teilnehmen. Zum anderen bot die formale Gleichstellung mit den einheimischen Deutschen Planungssicherheit: Als deutsche Staatsangehörige konnten sie alle Rechte wahrnehmen und waren motiviert, im Land Fuß zu fassen. Diese Lebensplanung ist für andere Migranten oftmals nahezu unmöglich. Insbesondere Flüchtlinge und Asylsuchende leben in einer permanenten Unsicherheit, ob sie überhaupt bleiben können, erhalten nur geringe finanzielle Unterstützung vom Staat und haben zum Teil gar keinen, zum Teil nur einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die Daten des Mikrozensus von 2005 legen der Studie des Berlin-Instituts zufolge einen Zusammenhang zwischen Integration und deutscher Staatsbürgerschaft von Menschen mit Migrationshintergrund nahe. Der deutsche Pass kann Bildung nicht ersetzen, aber dass er als Symbol gesellschaftlicher Anerkennung und Zugehörigkeit motivierend wirken kann, ist unbestreitbar. Zumindest deuten die Erfolge der eingebürgerten türkischstämmigen Migranten darauf hin.

Literatur / Links

Erstveröffentlichung: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

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