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Türkische Presse Europa

16.03.2010 – Islamkonferenz, Moscheeanschlag, Visumszwang, Sarrazin

In der türkischsprachigen Presse in Europa vom Dienstag wird erneut die Islamkonferenz kritisch aufgegriffen. Außerdem wird über Anschläge auf Moscheen und die Forderung der Türkei, den Visumszwang für ihre Bürger aufzuheben berichtet.

Mittwoch, 17.03.2010, 11:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 25.08.2010, 0:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Islam- und andere Konferenzen
Die Islamkonferenz wird erneut rege in den Kommentarbereichen der türkischsprachigen Zeitungen diskutiert. In der ZAMAN fragt Muhammet Mertek, warum es trotz jahrzehntelanger Beobachtung durch den Verfassungsschutz nichts gegenüber der IGMG vorliegt, dass die Vorwürfe unterlegen könnte. Damit würde sowohl dieser Institution, als auch den Tausenden Muslimen Unrecht getan, die sich dort engagieren.

Von dieser Warte aus könne man einen Vorbehalt gegenüber jeder islamischen Religionsgemeinschaft vorbringen, etwas passendes lasse sich schon finden. Was wir brauchen, sei nicht eine Islamkonferenz wie sie jetzt veranstaltet werde. Vielmehr sei ein Plattform der Muslime notwendig, an der die Verbände im KRM teilnehmen, aber auch andere muslimische Initiativen, die sich nicht um Moscheegemeinden herum gebildet haben. Dazu könnten dann auch gerne interessierte Kreise aus den Innenministerien stoßen. Es könne jedoch nicht sein, dass staatliche Institutionen sich einen Islam formen.

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Arhan Kardas erzählt in der selben Zeitung ein Gleichnis von dem muslimischen Mystiker Mevlana nach. Dort erzählt der Mystiker von drei Gefährten, einem Mystiker, einem Prophetennachfahren (ein Schariif) une einem Rechtsgelehrten , die von einem Großgrundbesitzer unter Ausspielung ihrer Eitelkeiten und Macken auseinanderdividiert und jeweils der Reihe nach mit einer Tracht Prügel bedacht werden. In Anspielung an die DIK schließt er dann ab mit der Bemerkung, der Mystiker hätte seine Prügel schon erhalten, es werde nun nach einem geeigneten Kandidaten für den Schariif gesucht.

Ismail Kul wirft in seiner Kolumne einen Blick auf das napoleonische Frankreich. So habe dort Napoleon 1807 die französischen Rabbiner zum großen Sanhedrin (Versammlung) nach Paris einberufen. Dabei sei es ebenfalls um Anerkennungsfragen gegangen und um die Beantwortung von zwölf Fragen von jüdischer Seite, in denen es besonders um die Loyalität zum Staat und um die Anerkennung der weltlichen Obrigkeit gegangen sei.

Drei Moscheeanschläge in Deutschland und Belgien
Die HÜRRIYET berichtet von drei Moscheeanschläge, zwei davon im nordrhein-westfälischen Düren, einer in Brüssel. Die Ditib-Gemeinde in Düren wurde mit Flaschen beworfen, Fenster der Gemeinde gingen zu Bruch. Die IGMG-Gemeinde wurde mit Motoröl beschmiert. Für Besorgnis unter den Migranten der Stadt hätte auch gesorgt, dass in den vergangen Tagen ein türkischstämmiger Jugendlicher und ein Marokkaner von Rechtsradikalen angegriffen worden sind, berichtet die Zeitung. Schlimmer traf es die Sultan Ahmet Moschee in Brüssel. Sie wurde das Opfer eines Brandanschlags, der nur mit Hilfe der Feuerwehr gelöscht werden konnte.

Ankara fordert Aufhebung des Visumszwangs
Nach Berichten von ZAMAN, HÜRRIYET, SABAH und MILLIYET macht die Regierung in Ankara Druck, damit der Visumszwang für türkische Staatsbürger in der EU aufgehoben wird.  Derzeit würden Verhandlungen zwischen der Türkei und der EU über die Rückaufnahme von Flüchtlingen laufen, von denen man ausgeht, dass sie über die Türkei in die EU eingereist sind. Die Türkei ist in dieser Hinsicht jedoch zu Zugeständnissen nur bereit, wenn ihre Staatsbürger vom Visumszwang bei der Einreise in EU-Länder befreit werden.

Sarrazin bleibt in der SPD
Kritisch berichten die Zeitungen über die Entscheidung von SPD-Gremien, Thilo Sarrazin in der Partei zu behalten. „SPD konnte Provokateur nicht ausschließen“, titelte die MILLIYET, „SPD konnte Sarrazin nichts tun“ die TÜRKIYE und „Kein Parteiausschluss für Sarrazin“ die  SABAH. Während unabhängige Gutachter die Äußerungen Sarrazins als „rassistisch“ bewertet hätten, kam die Partei nur zu dem Urteil, dass es sich um „provokative Aussagen“ handelt. Mit solchen provokativen Äußerungen müsste die Partei aber leben können.

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