Demografie

Über eine halbe Milliarde EU-Bürger

Die Bevölkerung der Europäischen Union wächst durch Zuwanderung und Geburtenüberschuss - Deutschland dagegen schrumpft.

Von Dienstag, 16.02.2010, 8:07 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 2:26 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Zu Beginn des Jahres 2010 leben in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geschätzte 501.259.840 Menschen. Den Angaben des Statistischen Amts der EU Eurostat zufolge wurde damit zum ersten Mal seit der Gründung des Staatenbundes die 500-Millionen-Grenze überschritten. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten und Kanada kommen zusammengerechnet auf rund 352 Millionen Menschen, China zählt etwa 1,4 Milliarden Einwohner.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die EU-Bevölkerung um rund 1,5 Millionen Menschen vermehrt. Worauf ist der Bevölkerungszuwachs zurückzuführen – auf eine gestiegene Zuwanderung oder weniger Abwanderung, auf mehr Geburten oder weniger Sterbefälle? Diese Faktoren bestimmen das Gesamtwachstum einer Bevölkerung.

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Zwei Drittel an Neubürgern hat die EU-27 durch Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern gewonnen. Der übrige Zuwachs kommt dadurch zustande, dass mehr Kinder geboren wurden als Menschen verstarben. Im Gegensatz zu der Entwicklung in der Vergangenheit hat sich das unterschiedliche Gewicht dieser beiden Faktoren mittlerweile wieder angenähert: Während sich die Geburtenüberschüsse in den letzten Jahren langsam aber kontinuierlich erhöhten, brachen die Wanderungsgewinne im Jahr 2009 regelrecht ein: Lag die jährliche Nettozuwanderung seit 2002 zwischen 1,5 und 2,0 Millionen, fiel sie im vergangenen Jahr auf rund 900.000 Menschen. Die Bevölkerung der EU-27 wächst also weiterhin, aber langsamer als zuvor.

Wanderungsgewinne tragen entscheidend zum Bevölkerungswachstum der EU bei – Bevölkerungsgewinn/-verlust je 1.000 Einwohner in den EU-Mitgliedsstaaten 2009

In der EU hatten 2009 zwanzig von 27 Ländern ein Bevölkerungswachstum vorzuweisen. Nur sieben Staaten, darunter Deutschland, verlieren an Bevölkerung. Das kleine und wirtschaftlich starke Luxemburg ist Spitzenreiter beim Wachstum: Im Jahr 2009 kamen auf 1.000 Luxemburger 18 neue Einwohner. Dagegen hat Litauen rund sechs Bewohner je 1.000 verloren. An einem Bevölkerungsverlust nur knapp vorbeigeschrammt ist Irland: Die hohen Wanderungsverluste wurden durch die ebenfalls hohen Geburtenüberschüsse ausgeglichen. In den Jahren zuvor hatte Irland aufgrund des Wirtschaftsbooms noch sehr viele Zuwanderer angezogen. Mit der Krise kehrte sich Trend um (Datengrundlage: Eurostat Datenbank).

Nicht alle EU-Länder konnten von dem Bevölkerungswachstum in der Europäischen Union profitieren. Sieben Länder, darunter die neuen Mitgliedsstaaten Rumänien und Bulgarien, die baltischen Staaten sowie Ungarn und Deutschland, haben 2009 Bevölkerung verloren. Während in Estland der Verlust minimal ist und sich bei weniger als einer Person je 1.000 Einwohner bewegt, verliert Litauen im gleichen Zeitraum rund sechs Einwohner. In Ländern, deren Bevölkerung schrumpft, liegt die Ursache dafür vorrangig im Sterbeüberschuss und nicht in Wanderungsverlusten. Nur in Litauen, in dem Land mit der höchsten Schrumpfungsrate, sind die Wanderungsverluste dreimal so hoch wie die Sterbeüberschüsse.

Rund drei Viertel der 27 EU-Länder konnten dagegen an Bevölkerung gewinnen, wenn auch nicht in der gleichen Größenordnung wie in den Jahren zuvor. Das lässt sich auch auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise zurückführen, die den Arbeitsmarkt und damit auch das Migrationsgeschehen beeinflusst. Insbesondere in Irland zeigen sich die Auswirkungen: Es konnte nicht mehr an seinen bisherigen Wachstumsraten festhalten und wandelte sich von einem ehemaligen Spitzenreiter – 2005 kamen auf 1.000 Iren noch 24 neue Einwohner und in absoluten Zahlen fast 100.000 neue Bürger – zu dem Land mit dem geringsten Zuwachs von absolut 864 Personen. Ein relativ junges Einwanderungsland ist damit im Jahr 2009 in Folge der Wirtschaftskrise zu einem Auswanderungsland geworden, welchem nur dank hoher Geburtenraten und einem Geburtenüberschuss ein Rückgang der Bevölkerung erspart bleibt.

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