Tagung

Anwerbung, Integration und Rückkehr

Am 29./30. März 2010 jährt sich zum fünfzigsten Mal die Unterzeichnung des deutsch-spanischen sowie des deutsch-griechischen Anwerbeabkommens. Sie leiteten – nach dem ersten bundesdeutschen Abkommen dieser Art 1955 mit Italien – den Abschluss einer ganzen Reihe weiterer Verträge zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte vor allem aus Mittelmeer-Anrainerstaaten ein.

Donnerstag, 28.01.2010, 8:01 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 23:52 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Aus Anlass des Jubiläums veranstalten die Forschungsgruppe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien IMIS der Universität Osnabrück und das Departamento de Historia Contemporánea der Universidad Complutense de Madrid eine Tagung, um aktuelle Ergebnisse der Forschung zur Arbeitsmigration in die Bundesrepublik Deutschland zusammenzuführen und neue Fragen zu formulieren. Der Schwerpunkt der Tagung liegt dabei auf verschiedenen Aspekten der Anwerberpolitik (auch in europäischer Perspektive), Rückwirkungen in den Herkunftsländern, dem Arbeitsmarkt und Auswirkungen der Zuwanderung in den Städten.

Moderator der Veranstaltung ist unter anderem Prof. Dr. Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS). Oltmer hatte auch zum fünfzigsten Jahrestag des Abkommens mit Italien unter dem Titel „50 Jahre Migrationsgeschichte: Anwerbung, Wanderungspolitik und Integration in der Bundesrepublik Deutschland“ referiert.

Integration ist ein doppelseitiger Prozess
Zur Frage der Integration zeichnet Oltmer dort einen doppelseitigen Prozess. Integration könne als ein intergenerativer – in der Regel zwei, nicht selten auch drei Generationen umfassender – Sozial und Kulturprozess verstanden werden. „Dieser Prozess beginnt mit einer als Akkomodation verstehbaren Phase des Sich-Einlebens in dem neuen sozialen Kontext. Er endet, über verschiedene, gruppenspezifisch unterschiedlich geprägte Stufen hinweg, in der zweiten oder vielleicht auch erst in einer späteren Generation möglicherweise in Assimilation, die verstanden werden kann als ein Prozess, in dem ethnische Differenzen zwischen Zuwanderergruppen und einheimischer Bevölkerung verblassen, so dass ethnische Merkmale in einer wachsenden Zahl von sozialen Kontexten an Gewicht und Bedeutung verlieren“, ist Oltmer überzeugt.

Die Integration von Migranten und Migrantinnen sei aber auch keine Einbahnstraße, bei der sich kulturell heterogene Einwanderergruppen einer als vergleichsweise homogen vorgestellten Aufnahmegesellschaft vollends anpassen, mithin als Gruppe im Assimilationsprozess mehr oder minder spurlos verschwinden. Der Prozess der Integration verändere vielmehr Zuwanderergruppen und die umschließende Mehrheitsgesellschaft gleichermaßen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

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