Türkische Presse Europa

16.10.2009 – Koalitionsverhandlung, Sarrazin, Diskriminierung

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten vornehmlich über die Koalitionsverhandlungen zwischen den Unionsparteien und der FDP. Die Proteste gegen den Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin ist ein weiterer Schwerpunkt der Berichterstattung. Weitere Themen sind die Diskriminierung von qualifizierten Migranten sowie muslimischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, Sprachkurse und ein Brandanschlag auf eine Moschee.

Samstag, 17.10.2009, 8:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24.08.2010, 23:11 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

DITIB fordert Korrektur von der FAZ
Einem Zeitungsbericht der ZAMAN zufolge hat die DITIB in dem Bericht über die Sauerland-Gruppe eine Korrektur von der FAZ verlangt. Die Frankfurter Allgemeine hatte zuvor geschrieben, dass die Terroristen sich in einer DITIB-Moschee in Langen kennen gelernt hätten. Die DITIB habe nun in einer Pressemitteilung erklärt, dass in keiner der 893 DITIB-Gemeinden gesetzeswidrige oder extremistische Vorkommnisse geschehen seien und dieser Vorwurf nicht der Realität entspreche.

Keine Arbeit wegen Kopftuch
Die Bewerbung der Frankfurter kopftuchtragenden Muslima Naima B., in einem Architektenbüro in Friedberg zu arbeiten, sei mit der Begründung, man könne keine Frau mit Kopftuch im Büro erdulden, abgelehnt worden, berichtet die ZAMAN. Naima B. habe an der Giessener Universität Architektur studiert. Sie sei über diese Antwort überrascht und schockiert gewesen. Das Büro habe ihr klarmachen wollen, dass das Kopftuch kein Zeichen des Glaubens, sondern des Extremismus sei und die Frauenrechte unterdrücke. Sie fasse dies als Beleidigung auf und werde vor Gericht ziehen.

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OECD: Qualifizierte Migranten haben weniger Chancen als qualifizierte Deutsche
Einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge haben in Deutschland und in Österreich hochqualifizierte Migranten weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz als gleichwertig qualifizierte Deutsche. 90 Prozent der hochqualifizierten Deutschen Männer hätten einen Arbeitsplatz, so die MILLIYET, SABAH und ZAMAN. Dieser Wert liege bei den Migranten nur bei 81 Prozent. OECD-Migrantenexperte Thomas Liebig habe erklärt, „dass in Deutschland und Österreich auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrscht, dass Migranten und ihre Nachkommen eher gering qualifiziert sind. Bildungserfolge werden entsprechend noch nicht ausreichend honoriert.“ Dies könne enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich bringen, wenn man bedenkt, dass jeder vierte Einwohner Deutschlands unter 25 Jahren einen Migrationshintergrund aufweist – Tendenz steigend.

Edathy (SPD): „Entweder ist Herr Bosbach unwissend oder böswillig“
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses Sebastian Edathy (SPD) habe bezüglich der Forderung des Unionsfraktionsvorsitzenden Wolfgang Bosbach, Migranten, die sich weigern Sprachkurse zu besuchen, die Sozialgelder zu streichen, erklärt, dass Bosbach „entweder unwissend oder böswillig“ sei. Seine Forderung sei bereits „geltendes Recht.“

Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir habe betont, dass seit 2005 eine halbe Million Menschen diese Sprachkurse besucht hätten. Die Union dagegen habe aber die Mittel für solche Sprachkurse leider stark gekürzt. (TÜRKIYE)

Verfahren gegen Brandanstifter
Gegen die beiden Kriminellen, die vor sieben Monaten in der hessischen Stadtallendorf-Moschee einen Brandanschlag verübt hatten, habe die Staatsanwaltschaft Marburg nun ein Verfahren eingeleitet. Bei ihrer Vernehmung am 22. März hätten die 22- und 19-Jährigen zugegeben, dass sie Bierflaschen mit Benzin und Öl gefüllt, angezündet und durch die Fenster der Moschee geworfen haben. Anschließend hätten sie Benzin an die Tür der Moschee ausgeschüttet und angezündet. Das Feuer konnte in Kürze ausgelöscht werden. (MILLIYET)

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