Türkei

Streit um das Kloster Mor Gabriel soll beigelegt werden

Die Abgeordneten des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe haben sich noch am vergangenen Mittwochmorgen besorgt über die Situation von Christen in der Türkei gezeigt. Anlass sind die Prozesse angrenzender Dörfer sowie des Schatzamtes des Distrikts Midyat gegen das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel in Südostanatolien. Laut neuesten Informationen soll der Rechtsstreit nun beigelegt werden.

Freitag, 24.04.2009, 10:41 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 23:15 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Dem Kloster wird vorgeworfen, unrechtmäßig Land beansprucht, Dorfgrenzen verletzt und sich 100 Hektar Eichenwald sowie Weideland angeeignet zu haben. In zwei Fällen hat das Kloster selbst gegen eine Mitte 2008 durchgeführte allgemeine Katastererfassung geklagt, mit der seine Besitzungen beschnitten wurden. Laut Informationen, die dem MiGAZIN vorliegen, werden die Prozessgegner des Klosters ihre Anträge auf Anweisung des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan, zurückziehen und den Rechtsstreit beilegen.

Mor Gabriel, gegründet vermutlich 397 nach Christus, gilt als eines der ältesten christlichen Klöster weltweit und als Zentrum syrisch-orthodoxer Kultur. Es ist eines der letzten intakten Klöster in Südostanatolien. Für die Abgeordneten geht es bei den Prozessen daher nicht allein um den Bestand des Klosters, sondern vielmehr um die Frage des grundsätzlichen Umgangs mit Christen in der Region. Die CDU/CSU-Fraktion bezeichnete die Prozesse sogar als „Präzedenzfall“. Die Verfahren um Eigentumsrechte, die gegen das Kloster Mor Gabriel angestrengt würden, zielten darauf ab, den Christen ihre Rückzugsorte zu entziehen, betonten die Unionsabgeordneten. Sie seien „ein Mittel zum Zweck, um eine religiöse Minderheit aus dem Lande zu jagen“. Diese Minderheit habe zu Beginn des 20. Jahrhunderts 30 Prozent der Bevölkerung ausgemacht, heute seien es nur noch 0,15 Prozent.

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Auch die SPD bedauerte die Vorgänge außerordentlich. Das Kloster Mor Gabriel habe eine herausragende Stellung und besitze eine große Symbolik für die syrisch-orthodoxen Christen. Es sei daher wichtig, dass die deutsche Botschaft und viele Parlamentarier die Prozesse begleiteten, um Druck auszuüben. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, hatte zuvor darauf hingewiesen, dass deutsche Beobachter an den Prozessen teilnähmen und die deutsche Botschaft sich für die Belange des Klosters einsetze. Die Bundesregierung stehe in Kontakt mit dem Erzbischof der Diözese. Nooke betonte ebenfalls, dass das Kloster weit mehr als ein historisches Baudenkmal sei. Es sei eine Begegnungsstätte von Christen in der Region.

Auf die Frage der FDP-Fraktion, welche Möglichkeiten der EU-Beitrittsprozess darstelle, die Türkei zur Beachtung der Glaubensfreiheit zu bewegen, antwortete Nooke, es gebe natürlich die Möglichkeit, im Rahmen des Beitrittsprozesses immer wieder diese Forderung zu erheben. Rein rechtlich sei die Situation nicht-muslimischer Minderheiten in der Türkei in den vergangenen Jahren auch verbessert worden. Jedoch bedeute dies nicht, dass sich unbedingt auch die reale Situation verbessert habe.

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  1. Pingback: Mor Gabriel? Darum geht's nicht! « JurBlog.de

  2. El Tiburon sagt:

    Keine Meinung dazu hier? Ach ja, es geht ja nicht um ne Moschee!
    Hat es in diesem Forum auch Migranten mit Christlichem hintergrund? Wenn ich so hier lese- Nein.
    Ihr solltet dringend den Namen ändern, Migranten bestehen nicht nur aus Muslimen- auch in Deutschland nicht

  3. Schneter sagt:

    El Tiburon, es ist zwar nicht offiziell, aber als Migrant wird in Deutschland ein türkisch- oder arabischstämmiger Moslem bezeichnet, der zu hoher Wahrscheinlichkeit integrationsunwillig bzw. bildungsfern ist. Deswegen ist der Name schon korrekt, deswegen schreiben hier auch keine Italiener, Spanier, Griechen, Vietnamesen, Russen. Und deswegen wird auch niemand eine Meinung zu einem christlichen Kloster im Osten der Türkei haben.

    Ich weiss nicht, ob es überhaupt ein Forum gibt, in dem christliche und moslemische Ausländer zu gleichen Teilen ihre Sorgen und Probleme schildern…

    • BiKer sagt:

      schneter, sie haben so viele tomaten vor den augen, dass mc donalds damit für ein jahr sein cetchupvorrat auffüllen könnte. weltweit! über das christliche kloster wurde hier weit und breit diskutiert und hier sind italiener, spanier, griechen, viatnemesen, russen und viele mehr.

      dass sie von denen nichts mitbekommen haben, dürfte wohl an ihrer einstellung liegen und die art, wie sie schreiben. ihnen antworten wohl nur türken oder araber da sie nichts anderes von sich geben – schon seit sie hier schreiben – als über muslime, türken und araber herzuziehen.

      was mir noch auffällt ist ihre chronischer hang zur pauschalisierung. bildungsfern seien muslime, türken und araber. sie sind bildungsfern! wer sowas schreibt, kann nur bildungsfern sein.

  4. Schneter sagt:

    „hier sind italiener, spanier, griechen, viatnemesen, russen und viele mehr. “

    Wo? Bitte wo? Einen Koreaner habe ich hier mal gesehen…

    Sagen Sie Biker, fahren Sie Fahrrad?

  5. Schneter sagt:

    aus der Rubrik aktuell dieser Seite

    Deutsche Presse vom 01.08.2009 – Terrorismus, PKK, Rasmussen, Türkei
    Türkische Presse Türkei vom 01.08.2009 – Libanon, Piraten, Börse
    Türkische Presse Türkei vom 31.07.2009 – Erdogan, Davutoglu, NATO
    Deutsche Presse vom 31.07.2009 – Integration, Bundesverfassungsgericht, Mallorca, Türkei
    Studie: Junge Türkinnen selbstbewusst und gut integriert

    @Biker
    Welche Themenschwerpunkte dieses Ausländermagazins lesen Sie da? Geht es hier um Italien? Spanien? Geht es hier um arbeitslose Polen? El Tiburons Aussage ist schon korrekt. Und bitte, Biker, ich weiss dass es Ihnen schwerfällt, aber bitte werden Sie nicht gleich beleidigend, ok?

    • BiKer sagt:

      ich habe nirgends behauptet, dass hier der themenschwerpunkt eine andere ist als türken. was versuchen sie mir da unterzujubeln?

      was beleidigung angeht, kann ich ihnen das wasser nicht reichen. allein ihre aussage, dass türken, muslime und araber bildungsfern bzw. integrationsunwillig sind ist schon an beleidigung kaum mehr zu überbieten. ich beziehe mich wenigstens auf sie. sie aber beleidigen alle gut türkischen, arabischen bzw. muslimischen integrierten und akademiker. ihr problem ist, dass sie das pauschalisieren nicht sein lassen können. ihre einzige stütze, wenn sie etwas vortragen möchten.

      • Schneter sagt:

        „sie aber beleidigen alle gut türkischen, arabischen bzw. muslimischen integrierten und akademiker“

        WO soll ich das gesagt haben? Ich sagte, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, nicht 100%.
        Hören Sie bitte auf, mir etwas zu unterstellen, was ich nicht gesagt habe.

        • BiKer sagt:

          wie gnädig von ihnen, die wahrscheinlichkeit zu nennen. die wahrscheinlichkeit aber, lieber schneter, ist höher, dass türken, akademiker bzw. muslime bereits integriert sind – mal vom willen abgesehen – und keinesfalls integrationsunwillig sind. sie pauschalisieren, denunzieren und rücken türken, araber bzw. muslime mit hoher wahrscheinlichkeit – um es auf ihre art zu sagen – in ein schlechtes licht.

          wenn das, was sie hier vortragen realität wäre, bräuchte man araber nicht einmal mehr. wenn fast allein drei millionen mit hoher wahrscheinlichkeit – so wie sie behaupten – integrationsunwillig wäre, hätten wir probleme in deutschland, die ich mir nicht ausmalen möchte. akzeptieren sie, dass sie in ihrer geistigen tomatenwelt probleme herbeibeschwören, die es in dem ausmaß überhaupt nicht gibt.

          ich habe nichts dagegen wenn sie schreiben, teile oder manche türken. integrationsunwillige gibt es. ja! so wie sie integrationsunwillig sind. sie leben in einer geistigen parallelgesellschaft. die realität ist eine ganz andere, als ihre wahrnehmung.

          • Schneter sagt:

            „wenn das, was sie hier vortragen realität wäre, bräuchte man araber nicht einmal mehr“

            So krass es klingen mag, nein, die bräuchten wir nicht. Die arabischen Fachkräfte hier in Deutschland sind im Promille-Bereich angesiedelt, darauf könnte man verzichten. Und die gut ausgebildeten Araber kommen nicht nach Deutschland, die gehen entweder in die USA oder nach GB. Bei den Türken das gleiche. Ich habe in den USA nur akademisch ausgebildete Türken kennengelernt. Aus verständlichen Gründen, Deutschland bietet in der Beziehung nicht viel.

            „akzeptieren sie, dass sie in ihrer geistigen tomatenwelt probleme herbeibeschwören, die es in dem ausmaß überhaupt nicht gibt.“

            Alles ist gut? Na, dann ist ja alles wunderbar. Warum dann das Gedusel mit der gescheiterten Integration? Ist doch alles in bester Ordnung.

            • BiKer sagt:

              warum das gedusel mit der gescheiterten integration? kann ich ihnen sagen. damit die regierung von eigenen misständen ablenken kann.

              jetzt beantworten sie mir mal folgende zwei fragen: ist ihnen ein ungebildeter arbeitender türke oder ein gebildeter arbeitsloser türke lieber und welche migrantengruppe glauben sie, besucht am häufigsten die sonderschule?

              schauen sie sich doch einmal die studien über ausländischer akademiker an, die wegen ihrem ausländisch klingenden namen 10mal weniger zu einem vorstellungsgespräch eingeladen werden als ein deutscher? wieso wird das nicht thematisiert? wieso wird diese problematik nicht als ein integrationsproblem behandelt? kann ich ihnen sagen. weil die regierung dann ihre bisherige integrationsrhetorik aufgeben müsste. daran hat sie aber kein interesse. es gibt ja genug schneters, die die regierung u.a. wegen dieser integrationsrhetorik wählen.

              nur mal anmerkung: die integrationsdebatte krankt ja schon daran, dass niemand sagen kann, was darunter verstanden wird. denken sie dabei an meine fragen von oben!

              • Johanna sagt:

                Wie wäre es damit, einmal ein Anti-Aggressionstraining zu buchen?

                Manche nennen Aggressionen nicht beim Namen, sondern bezeichnen sie als „temperamentvoll“;)

              • Markus Hill sagt:

                Zitat:
                „wieso wird das nicht thematisiert? wieso wird diese problematik nicht als ein integrationsproblem behandelt?“
                Ich habe es leider auch noch nicht gross in der Presse wahrgenommen. Die Frage könnte sein, ob dieser Sachverhalt so schnell durch die Politik zu ändern ist. Ansehen, Achtung, Respekt und dahingehend auch Recht (hier. für den zu Unrecht stigmatisierten türkischen bzw. türkischstämmigen Akademiker) kann man schwer verordnen. Man kann wieder ausweichen auf Antidiskriminierungspolitik – negativ und positiv. Die Gefahr hierbei ist, dass man noch mehr an Reputation verliert (Problemtürke, Quotentürke etc.). Gute PR und Aufklärung geschieht über solche Internetseiten wie migazin.de (es gibt auch bestimmt andere, da bin ich noch nicht sachkundig), aber: Werden die überhaupt von den relevanten Personen gelesen? Vielleicht kommt ja einmal jemand mit einer Wunderidee zur Behebung dieses Missstands aus der türkischen Community, der die deutschen Arbeitgeber wachrüttelt.

            • Markus Hill sagt:

              BIKER könnte vielleicht eher gemeint haben, dass wir hier dann absoluten Terror und das absolute Chaos hätten. Dem ist in der Tat nicht so. Das wird oft vergessen. Insofern trifft die gefühlte „Pauschalität“ bzgl. Ihrer Urteile vielleicht etwas zu.
              Etwas anderes sind die angeführten Verschwörungstheorien – da sind mir zuviel Emotion und keinerlei Fakten. Wenn man so etwas wirklich belegen könnte, wäre es traurig. Ich glaube nicht daran. Meiner Ansicht nach erwartet man oft zuviel von der Regierung, die können keine Wunder bewirken. Verbände sind da viel näher an der türkischen Community.