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Beschleunigung

Fachkräfte-Agentur soll Pflegekräfte aus dem Ausland vermitteln

Deutschland braucht dringend Fachkräfte für den Pflegesektor. Die Anwerbung aus dem Ausland läuft schleppend. Eine neu gegründete Fachkräfteagentur soll die Vermittlung beschleunigen. Bund stellt 4,7 Millionen Euro zur Verfügung.

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Florim Berisha (Mitte) und seine Kolleginnen qualifizieren sich erfolgreich für ihre Anerkennung als Krankenpfleger. © mibeg-Institut Medizin

Eine neu gegründete Fachkräfteagentur soll die Vermittlung von Pflegekräften aus dem Ausland beschleunigen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (beide CDU) stellten am Montag in Berlin die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) vor.

Vermittlungsverfahren, die derzeit mehr als zwei Jahre dauerten, sollen mit deren Hilfe binnen sechs Monaten abgeschlossen sein, sagte Hans. Die Agentur hat ihren Sitz in der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken.

Gegründet wurde die Agentur den Angaben zufolge bereits am 4. Oktober. Bearbeitet werden dort demnach bereits 4.200 Anträge auf die Vermittlung von Pflegekräften. Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens können sich an die DeFa wenden, wenn sie Pflegekräfte aus dem Ausland einstellen wollen oder Unterstützung bei der Abwicklung der Bürokratie brauchen. Die Agentur kümmert sich den Angaben zufolge um Visa-Anträge, Anerkennung von Berufsabschlüssen sowie Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse.

Spahn: Bedarf mit Ausbildung nicht zu decken

Gesundheitsminister Spahn betonte, der Pflegebedarf in Deutschland werde weiter stark steigen. Die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, sei in den vergangenen drei Jahren von 3 auf 4,1 Millionen gestiegen. Der Bedarf an Pflegekräften sei nicht allein durch Ausbildung, Umschulung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Deutschland zu decken, sagte Spahn.

Die Bundesregierung wirbt seit einiger Zeit gezielt für Pflegepersonal aus dem Ausland, unter anderem aus Mexiko und von den Philippinen. Spahn und Hans betonten, um Pflegekräfte würde nur in den Ländern geworben, in denen die Bevölkerung besonders jung ist und über Bedarf Pflegekräfte ausgebildet werden. Spahn zufolge sind in jüngerer Zeit rund 2.000 Pflegekräfte aus den Philippinen nach Deutschland gekommen.

Anwerbung von Pflegern im Ausland schleppend

Insgesamt läuft die Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte nur schleppend. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge arbeiten 62.500 Pflegefachkräfte aus dem Ausland in deutschen Pflegeheimen und Krankenhäusern (Stand März 2019). Das sind lediglich etwas mehr als sechs Prozent aller Pflegefachkräfte. Nach Auskunft der Bundesregierung fehlten bereits im April 2018 bundesweit rund 25.000 Alten- und Krankenpfleger – und dazu noch einmal 10.000 Hilfskräfte, um die offenen Stellen zu besetzen.

Der Gesundheitsminister erläuterte, der Bund stelle als Hauptauftraggeber in den nächsten vier Jahren 4,7 Millionen Euro für die Agentur zur Verfügung. Nach Worten von Regierungschef Hans werden 15 bis 20 Mitarbeiter dort tätig sein. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Ute Plass sagt:

    „Anmerkung J.A.: Man kann die Anwerbung von Pflegekräften als Hilfe für Krankenhäuser und Pflegeheime sehen, denen Personal fehlt – oder eben als Vorstoß für (noch mehr) Lohndumping. Spahn geht es hauptsächlich um Letzteres (und medienwirksamen Aktionismus).

    Anmerkung JK: Dazu sollte man die teilweise fatalen Folgen für die öffentlichen Gesundheitssysteme der Herkunftsländer nicht vergessen, welchen diese Arbeitskräfte dann selbst fehlen.“
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=56810#more-56810



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