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Seenotretter

Rückkehr von Einsatz nach Hause ist schwierig

„Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagt Alessandro Porro. Er ist Seenotretter an Bord der „Ocean Viking“. Man verändere sich, im normalen Leben komme es zu Spannungen.

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Das Seenotrettungsschiff "Ocean Viking"

Der Moment der Rückkehr zu Familie und Freunden nach einem Seenotrettungseinsatz gehört für SOS-Méditerranée-Mitarbeiter Alessandro Porro zu den schwierigsten Aspekten seiner Arbeit. „Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagte Porro dem „Evangelischen Pressedienst“ an Bord des Rettungsschiffes „Ocean Viking“ im Mittelmeer. „Dadurch verändert man sich. Aber wenn man nach Hause kommt, führen die anderen weiter ihr normales Leben: Arbeit, Ferien, Hochzeiten und so weiter.“

Viele wollten von den schwierigen Erfahrungen nichts wissen, „das erzeugt Spannungen“, sagte Porro. Der 39 Jahre alte Italiener hat seit 2017 fünf Einsätze mit SOS Méditerranée auf dem Mittelmeer abgeschlossen, bei denen Flüchtlinge und Migranten aus Seenot gerettet wurden. Dabei habe er Menschen wiederbeleben und Leichen von Ertrunkenen aus dem Wasser bergen müssen, berichtete der Helfer. Gleich bei seinem ersten Einsatz habe auch eine Frau an Bord eines Schlauchbootes gerade ein Baby zu Welt gebracht.

12-Stunden-Rettung

Nach den Rettungen selbst, die bis zu zwölf Stunden dauern könnten, sei die Zeit mit den Überlebenden an Bord bewegend, erklärte Porro, der zunächst auf der „Aquarius“ im Einsatz war und seit Sommer auf der „Ocean Viking“ mitfährt. „Man teilt mit ihnen denselben Raum, man ist zu gleicher Zeit seekrank“, sagte Porro. „Und wenn sie ihre Geschichten erzählen und ihre Folterspuren am Körper zeigen, kann man dem nicht entkommen.“

Die von SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ betriebene „Ocean Viking“ war am Wochenende mit 213 Geretteten in Messina angekommen. Von dort startete das unter norwegischer Flagge fahrende Schiff am Mittwoch wieder in die libysche Such- und Rettungszone.

Keine humanitäre Motivation

Für Porro ist es der sechste Einsatz. Ursprünglich sei es gar keine humanitäre Motivation gewesen, bei der Seenotrettung mitzumachen, sagte der Italiener, der wie die übrigen Mitglieder von SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ auf der „Ocean Viking“ einen Vertrag als Seefahrer hat und für die Arbeit bezahlt wird.

Er habe früher beim italienischen Roten Kreuz gearbeitet. Dabei seien in der Regel drei Retter auf einen Patienten gekommen. Dann habe er von den Einsätzen der privaten Seenotretter gehört und gelesen. „Ich war fasziniert von der technischen Frage, wie man zum Beispiel mit einem Dutzend Leuten 200 Menschen retten kann, die Hälfte davon im Wasser.“ (epd/mig)

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