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Zwischen Orient und Europa

Ausstellung über die Ursprünge von „Tausendundeine Nacht“

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von „Aladins Wunderlampe“ oder von „Ali Baba und die 40 Räuber“ – alles Erzählungen, die irgendwann ihren Weg in „Tausendundeine Nacht“ gefunden haben. Eine Ausstellung in Berlin zeigt jetzt, wie es dazu kam.

1001 Nacht, Märchen, Buch, Geschichte, Museum
Handschriftliche Quellen zu Tausendundeiner Nacht, Fleischers Exemplar der Breslauer Edition von Tausendundeiner Nacht (9. Band, Breslau 1842) © staatsbibliothek-berlin.de

Die Erzählsammlung „Tausendundeine Nacht“ gehört zu den einflussreichsten Werken der Weltliteratur. Obwohl ihre Ursprünge bis in das vierte Jahrhundert nach Indien und Persien zurückreichen, wurde die Sammlung aus Fabeln, Märchen und Gedichten um die Hauptfigur Scheherazade erst im 18. Jahrhundert populär – in Europa und dann auch im arabischen Raum. Die Berliner Staatsbibliothek zeigt ab Mittwoch eine Ausstellung über die Überlieferungswege und Erscheinungsformen der insgesamt mehr als 300 Erzählungen.

Zu sehen sind alte arabische Handschriften, seltene historische Drucke, illustrierte Prachtbände und aufwendig gestaltete Kinderbücher. Hörstationen und Videoproduktionen ergänzen die Ausstellung. Präsentiert werden rund 200 Objekte. Lithographien von Max Slevogt oder Radierungen von Georg Baselitz machen deutlich, dass einzelne Erzählungen Eingang auch in die bildende Kunst gefunden haben.

Eine offene Sammlung

Info: Die Ausstellung ist ab Mittwoch bis 18. Januar montags bis samstags von 11 bis 19 Uhr in der Berliner Staatsbibliothek zu sehen.

Für den Klassiker der Weltliteratur, der in unzählige Sprachen übersetzt wurde, gibt es keinen Urtext mit einem bekannten Autor. Vielmehr handelt es sich um eine offene Sammlung mit verschiedenen Bearbeitern und unterschiedlichen Fassungen, wie Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung der Berliner Staatsbibliothek bei der Präsentation am Dienstag erläuterte. Eine erste arabische Fassung stammt vermutlich aus dem neunten Jahrhundert.

In Europa gewann erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts die französische Adaption durch Antoine Galland (1646-1715) rasch an Popularität. Wie wohl kein anderes Werk habe es die Vorstellungen des Abendlandes vom Orient geprägt, meint Rauch.

Der Erfolg in Europa

Gallands Fassung fußte auf einer unvollständigen syrischen Ausgabe aus dem 15. Jahrhundert. Er ergänzte sie etwa um die Geschichten von „Sindbad den Seefahrer“ und andere mündlich überlieferte Erzählungen. Der Erfolg von „Tausendundeiner Nacht“ in Europa habe schließlich im Orient selbst eine neue Wahrnehmung dieser außergewöhnlichen Erzählungen bewirkt, so Rauch.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) etwa soll ein großer Bewunderer von „Tausendundeine Nacht“ gewesen sein. Er habe sich viel von Schahrasad – wie die „wohl berühmteste Erzählerin der Weltliteratur“ in den arabischen Quellen genannt wird – abgeschaut, meint die Orientalistin und Übersetzerin Claudia Ott.

Eindrucksvolle Zeugnisse

Zu den herausragenden Exponaten der Ausstellung gehören zwei der äußerst raren illustrierten arabischen Handschriften mit Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“. Sie stammen aus einer koptischen Buchwerkstatt des 17. Jahrhunderts. Eindrucksvolle Zeugnisse stellen auch die arabischen Handschriften dar, die der sächsische Orientalist und erste preußische Konsul in Damaskus, Johann Gottfried Wetzstein (1815-1905), während seines Aufenthaltes dort erworben hat. Mehr als 1.000 Jahre alte Schriftfragmente von der Seidenstraße, indische und persische Handschriften lassen erahnen, in welchem kulturellen Umfeld einzelne Erzählungen entstanden.

In die fantastische Welt der Gaukler und Geschichtenerzähler, auf denen die Überlieferungen von „Tausendundeine Nacht“ lange Zeit fußten, führen in der Ausstellung die Video- und Audioinstallationen des Filmkünstlers Thomas Ladenburger, die er zwischen 2004 und 2017 in Marokko aufgenommen hat. (epd/mig)

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