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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Replik

Warum die „Interkulturelle Woche“ neu gedacht werden muss

Die „Interkulturelle Woche“ hat einen zutiefst christlichen Hintergrund, was jedoch überspielt wird. Gleichzeitig wird an der Begehung an christlichen Orten festgehalten, andere Gruppen in zentralen Entscheidungspositionen werden nicht gleichmäßig beteiligt. Das ist äußerst bedauerlich.

Sarah Wohl, Meinung, MiGAZIN, Kommentar, Portrait
Sarah Wohl © privat, bearb. MiG

VONSarah Wohl

Sarah Wohl (geb. 1982 bei Darmstadt) hat in Freiburg und Aarhus (DK) Philosophie, Katholische Theologie mit Schwerpunkt Religionsgeschichte und Gender Studies studiert. Nach dem Studienabschluss war sie war einige Jahre an der Goethe-Universität im Bereich Gleichstellung und Diversity angestellt. Seit 2016 arbeitet sie für den lokalen Rat der Religionen in Frankfurt am Main.

DATUM31. Oktober 2019

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Begegnungen mit anderen ermöglichen oft einen neuen Blick auf das Eigene. Erst das Geschenk ihres Blicks, wenn sie so großzügig sind ihren Eindruck mit uns zu teilen, ermöglicht es uns, uns selbst mit neuen Augen zu sehen. Dann können wir Fehlwahrnehmungen korrigieren, vormals blinde Flecken bemerken, vielleicht auch Liebenswertes entdecken, das wir bislang nicht sehen konnten. Was uns selbstverständlich scheint, wird oft erst durch Begegnungen mit anderen bemerkt und hinterfragt: in Begegnungen lernen wir nicht nur die „Anderen“, sondern auch uns selbst kennen.

Einen solchen Prozess der Begegnung wünsche ich der Interkulturellen Woche Deutschland. Denn aktuell wird der zutiefst christliche Hintergrund der „Interkulturellen Woche“ (IKW) überspielt, während gleichzeitig an der Begehung an christlichen Orten festgehalten, andere Gruppen in zentralen Entscheidungspositionen nicht gleichmäßig beteiligt werden. Das ist äußerst bedauerlich. Nicht, weil die christliche Perspektive nicht wertvoll ist. Sondern, weil gerade in einem interkulturellen Kontext, in einer pluralen Gesellschaft klar sein muss, dass sie eine Perspektive unter mehreren ist und eine vielfältige Gesellschaft durch sie alleine weder ausreichend erfasst noch ausreichend beschrieben werden kann. Deshalb ist Kritik an der Interkulturellen Woche kein akademischer Streit um den richtigen Kulturbegriff. Es ist ein Streit darum, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, ein Streit um gleichberechtigte Teilhabe in einer pluralen Gesellschaft – und ihre gleichberechtigte Deutung und Gestaltung.

Info: Dieser Beitrag ist eine Replik auf den Text von Frederike Ekol „Warum Deutschland auch nach 44 Jahren immer noch eine Interkulturelle Woche braucht„, erschienen in diesem Magazin am 20. September 2019.

Seit 44 Jahren ist die „Interkulturelle Woche“ (IKW) eine alljährliche ökumenische Initiative der evangelischen, katholischen und griechisch-orthodoxen Kirchen in Deutschland, hervorgegangen aus der „Woche des ausländischen Mitbürgers“. Seit 44 Jahren findet die IKW in der gleichen Woche des Kirchenjahrs statt (vor dem Erntedankfest), ohne dass die Feiertage kleinerer Religionen in Deutschland berücksichtigt werden.  Während all dieser Zeit waren der ehrenamtliche Ökumenische Vorbereitungsausschuss ganz überwiegend und die kleine hauptberufliche Geschäftsstelle ausschließlich mit Christ*innen besetzt, mit personellen Überschneidungen zu PRO ASYL, das in den 80er Jahren einen „Tag des Flüchtlings“ in den Zeitraum der IKW legte (abweichend vom UN-Weltflüchtlingstag, der seit dem Jahr 2001 am 20. Juni begangen wird).

Umgesetzt aber wird die IKW mit tatkräftiger Unterstützung vieler Kommunen und weiterer, oft ehrenamtlicher Gruppen, die nicht gleichberechtigt an der Entscheidung für das jährlich wechselnde Motto der Woche, an der Formulierung des „Gemeinsamen Worts“ oder der Ausrichtung der bundesweiten Vorbereitungstagung für die Woche beteiligt sind. Unterstützt von Menschen, die Jahr für Jahr geduldig an ökumenischen Eröffnungsfeiern teilnehmen oder multireligiöse Feiern in Kirchen mit durchführen, obwohl ihnen selbst der christliche Rahmen fremd ist – oder teilweise ihrem Glauben oder ihrer Weltanschauung widerspricht. Aus der Perspektive vieler dieser Menschen ist die interkulturelle Woche nicht einfach eine neutral auf Verständigung und gelebte Vielfalt ausgerichtete Veranstaltung, sondern eine christliche Veranstaltung, insbesondere, so lange die zentralen Entscheidungen in der Hand der Kirchen bleiben.

Die Einsicht, dass eine christliche Perspektive nicht neutral ist, wirkt bislang noch nicht ausreichend in die Praxis der Interkulturellen Woche hinein. Jenseits von grundlegenden kritischen Anfragen (Ist der Begriff der „Interkulturalität“ noch zeitgemäß? Ist die Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft im Rahmen einer herausgehobenen Woche wirklich angemessen aufgehoben?) wäre es schön, die Verantwortlichen hinter der „Interkulturellen Woche“ könnten sich als christliche Interkulturelle Woche mit allen Konsequenzen erkennen und positionieren. Sie könnten sich dann entweder zum christlichen Charakter des Projekts „Interkulturelle Woche“ ausdrücklich bekennen und damit Raum schaffen für andere Perspektiven neben der christlichen. Oder sie könnten ein breiteres Trägerbündnis anstreben, mit dem anderen religiösen sowie areligiösen Perspektiven eine gleichberechtigte Beteiligung auf Augenhöhe ermöglicht und dadurch die christliche Perspektive ergänzt wird. Damit würden sie dem eigenen Anspruch, dem Eintreten für Grund- und Menschenrechte in einer Gesellschaft der Vielfalt, besser gerecht.

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