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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Allensbach-Studie

Wachsende Fremdenfeindlichkeit und weniger Toleranz im Alltagsleben

Aggressivität, Zeitdruck, Egoismus, Fremdenfeindlichkeit und weniger Toleranz – die mittlere Generation in Deutschland findet überwiegend, dass sich der Alltag zum Negativen verändert. Und das, obwohl es den 30- bis 59-Jährigen materiell bessergeht denn je.

Birlikte, Zussammenstehen, Keuptstraße, NSU, Köln
"Birlikte"-Fest 2014 auf der Keupstraße in Köln Mülheim (Archiv) © Birlikte

Der mittleren Generation in Deutschland geht es wirtschaftlich gut – sie fühlt sich aber nicht gut und blickt mit Sorge in die Zukunft. Der diesjährigen „Mitte-Studie“ des Allensbach-Instituts zufolge sieht eine Mehrheit überwiegend negative Veränderungen und beklagt sich über eine wachsende Aggressivität sowie mehr Fremdenfeindlichkeit und weniger Toleranz im Alltag.

Dabei hat die Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Lage in diesem Jahr einen Höchststand erreicht. Fast 60 Prozent der 30- bis 59-Jährigen geht es gut. 44 Prozent sagen, verglichen mit ihrer Lage vor fünf Jahren, gehe es ihnen besser, im Osten sind es sogar 46 Prozent.

Die Frage, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet und wo die Trennlinien verlaufen, beantworten die Ostdeutschen anders als die Westdeutschen. Zwei Drittel der Ostdeutschen (Westdeutsche: 59 Prozent) sagen, die politische Einstellung spalte die Bevölkerung. Der Osten gehe überwiegend von einer politischen Polarisierung und Ost/West-Spaltung aus, bilanzierte Allensbach-Chefin Renate Köcher. Ein Ergebnis, mit dem sich die Politik dringend auseinandersetzen müsse, um einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Schwacher gesellschaftlicher Zusammenhalt

Insgesamt haben zwei Drittel der 30- bis 59-Jährigen den Eindruck, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt schwach ist, die Hälfte glaubt, dass die negativen Entwicklungen überwiegen und 80 Prozent sagen, die Aggressivität nehme zu.

Hauptkampfplatz ist offenbar die Straße: 90 Prozent aller Befragten sehen sich im Straßenverkehr regelmäßig mit aggressivem und rücksichtlosem Verhalten konfrontiert. Die meisten fühlen sich auch auf öffentlichen Plätzen und in Bussen und Bahnen nicht wohl. Für mehr als die Hälfte (54) ist zudem das Internet ein Hort der Aggression. Allensbach-Chefin Köcher sagte, das Problem mit der wachsenden Aggressivität habe sich in vorbereitenden Befragungen abgezeichnet und sei deshalb erstmals in die Studie aufgenommen worden. Viele Menschen hätten von sich aus berichtet, dass sie die zunehmende Aggression überall beobachten.

Ellenbogengesellschaft

Zwei Drittel der 30- bis 59-Jährigen – in Ostdeutschland drei Viertel – erleben Deutschland als eine Ellenbogengesellschaft, in den Städten etwas mehr als auf dem Land. Der Trend hat sich gegenüber früheren Umfragen verstärkt. Zeitdruck, Egoismus, mangelnder Respekt, Anonymität – das alles nehme zu, findet die mittlere Generation und hofft darauf, dass Elternhäuser, Schulen und Medien sich dagegen stemmen. Von der Politik (29 Prozent im Westen und 26 Prozent im Osten) und den Kirchen (16 Prozent im Westen und elf Prozent im Osten) erwarten die Menschen wenig.

Die Studie „Generation Mitte“ wird seit 2013 jedes Jahr im Auftrag der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstellt. Die repräsentative Befragung gibt Auskunft über das Lebensgefühl der beruflich und familiär besonders geforderten mittleren Generation und beschäftigt sich auch mit Fragen der Altersvorsorge und Gleichberechtigung. (epd/mig)

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