MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Weniger Flüchtlinge

Zahl der Inobhutnahmen sinkt deutlich

Die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die von Behörden in Obhut genommen wurden, ist im Jahr 2018 deutlich gesunken. Ursächlich ist die ebenfalls gesunkene Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

kinder, schuhe, schuh, teenis, füße, freunde, freund
Kinder © Pink Sherbet Photography auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die deutschen Behörden haben im Jahr 2018 deutlich weniger Kinder und Jugendliche zu deren Schutz in Obhut genommen. Wie das Statische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, registrierten die Jugendämter 52.600 Fälle. Das sei ein Rückgang um knapp 8.800 (minus 14 Prozent). Hauptgrund sei die stark gesunkene Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die nach ihrer Ankunft fast immer zunächst von den Ämtern in Obhut genommen würden.

Nach Angaben der Statistiker sank die Zahl der Inobhutnahmen minderjähriger Flüchtlinge um etwa 10.300 Fälle. Das entsprach einem Rückgang um 46 Prozent. Zugleich gab es aber mehr Schutzmaßnahmen, etwa wegen körperlicher und/oder psychischer Kindesmisshandlung. 2018 kam es deswegen zu über 1.200 Inobhutnahmen mehr als im Vorjahr (plus 25 Prozent).

Überforderung und Misshandlung

Am häufigsten reagierten die Behörden auf Überforderung eines oder beider Elternteile (24 Prozent). Die unbegleitete Einreise aus dem Ausland, die im Vorjahr noch der häufigste Anlass für eine Schutzmaßnahme war, rückte mit 16 Prozent der Fälle an die zweite Stelle. Anzeichen für körperliche und/oder psychische Kindesmisshandlung (8,3 Prozent) waren die dritthäufigste Ursache für eine Inobhutnahme, Anzeichen für Vernachlässigung (8,1 Prozent) die vierthäufigste.

In weit über der Hälfte aller Fälle wurden die Inobhutnahmen von sozialen Diensten und Jugendämtern angeregt (57 Prozent). In 18 Prozent der Fälle hatten die Jungen oder Mädchen selbst Hilfe beim Jugendamt gesucht. Bei weiteren zwölf Prozent machten Polizei oder Ordnungsbehörden auf die Probleme aufmerksam. Sieben Prozent der Fälle gingen auf Initiativen der Eltern zurück. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...