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Bundespräsident Christian Wulff, Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010

Krise auf der "Open Arms"

Seenotrettungsschiff lehnt Überfahrt nach Spanien ab

Die Crew der „Open Arms“ stößt an ihre Grenzen: Die Nichtregierungsorganisation sieht sich außerstande, mit den vielfach traumatisierten Flüchtlinge wieder aufs offene Meer zu fahren und Spanien anzusteuern. Das Angebot, in Menorca einzulaufen, komme zu spät.

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Seenotrettungsschiff "Open Arms"

Die Lage für die Menschen an Bord der „Open Arms“ wird immer schwieriger. Die Crew des spanischen Rettungsschiffs lehnte am Montag ein weiteres Angebot der eigenen Regierung nach einem sicheren Hafen auf der Balearen-Insel Menorca ab. Eine mehrtägige Überfahrt könne den teils traumatisierten 107 Flüchtlingen nach zweieinhalb Wochen an Bord nicht mehr zugemutet werden, argumentierte „Open-Arms“-Initiator Oscar Camps. „Wir sind überfordert, die 107 Leute zu betreuen, die wir noch an Bord haben“, schrieb er auf Twitter.

Eine Sprecherin verlangte: „Wir müssen jetzt anlegen.“ Die „Open Arms“ hatte die Flüchtlinge am 1. August aufgenommen, seit Donnerstag ankert das Schiff vor der italienischen Insel Lampedusa. Italiens rechtsgerichteter Innenminister Matteo Salvini verbietet dem Schiff nach wie vor die Einfahrt in den Hafen.

18 Tage zu spät

Camps reagierte auf das neue Angebot von Spaniens Vize-Regierungschefin Carmen Calvo, in Mahón auf Menorca einzulaufen, mit Entrüstung. „Sie können nicht 18 Tage zu spät kommen, um uns mitzuteilen, dass wir nach Spanien fahren sollen“, sagte er dem spanischen Online-Dienst „eldiario.es“. Calvo lud er ein, sich selbst ein Bild an Bord zu machen, – wenn das Schiff mit den Geretteten vom Land wegfahre „und die Wellen und das Erbrechen zurückkehren“. Er bezog sich damit auf die Tage auf offener See, an denen viele Flüchtlinge an Seekrankheit litten.

„Wir haben mehrmals wiederholt, dass wir nicht mehr können“, sagte Camps. Jetzt werde dem Schiff angeboten, noch einmal 500 oder 1.000 Seemeilen zurückzulegen. Er dementierte zugleich Gerüchte, Malta habe das Einlaufen der „Open Arms“ erlaubt: „Das ist nicht wahr“, sagte er „eldiario.es“. Er beklagte zudem, Italien verweigere den 107 verbliebenen Flüchtlingen, das Schiff zu verlassen, obwohl sechs EU-Staaten, darunter Deutschland, sich bereit erklärt hatten, die Migranten zu übernehmen und immer wieder Flüchtlinge mit kleinen Booten oder über die italienische Seewacht nach Lampedusa kämen.

Situation an Bord eskaliert

Bereits am Sonntag hatte die „Open Arms“ das Angebot Spaniens abgelehnt, in einer mehrtägigen Fahrt die Flüchtlinge nach Algeciras nahe Gibraltar zu bringen. Eine Sprecherin von Proactiva Open Arms sagte der spanischen Tageszeitung „El Pais“: „Wir können die Sicherheit und die körperliche Unversehrtheit der Migranten und der Besatzung nicht gefährden.“

Am Sonntag war die Situation an Bord eskaliert. Vier Flüchtlinge sprangen vom Schiff und versuchten schwimmend Lampedusa zu erreichen. Mitarbeiter des Rettungsteams schwammen hinterher und brachten die Flüchtlinge dazu, an Bord zurückzukehren. Die Crew berichtete von Zusammenbrüchen, Aggression und Panikattacken unter den Flüchtlingen.

Salvini: „Eingebildete Kranke“

Italiens Innenminister Salvini schrieb dagegen auf Facebook von „eingebildeten Kranken“ und „eingebildeten Gesundheitsnotfällen“. Italien hatte zuvor Schwangere und Kranke von Bord geholt. Am Wochenende nahm das Land noch einmal 27 unbegleitete Minderjährige auf.

Auch die unter norwegischer Flagge fahrende „Ocean Viking“ von „Ärzte ohne Grenzen“ und SOS Méditerranée sucht nach über einer Woche mit 356 Flüchtlingen an Bord einen sicheren Hafen. Das Schiff fährt aktuell zwischen Malta und Lampedusa. „Ärzte ohne Grenzen“ befürchtet, dass sich der seelische Zustand der Flüchtlinge verschlechtert, „je länger sie gezwungen sind, an Bord zu bleiben.“ (epd/mig)

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