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Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

"Pseudo-Dokumentation"

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma übt scharfe Kritik an Sat.1

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wirft Sat.1 Rassismus vor. Eine am Mittwoch ausgestrahlte „Pseudo-Dokumentation“ reihe sich ohne weiteres in die rassistische Tradition von Nazi-Propagandafilmen wie „Jud Süß“ ein.

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Bildschirm © martinhoward auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wirft Sat.1 vor, die Angehörigen der Minderheit in einer Dokumentation auf „widerwärtige und rassistische Art“ diffamiert zu haben. Der am Mittwoch in der Reihe „Akte 20.19“ gezeigte Film „Ein Volk zwischen Armut und Angeberei“ reihe sich ohne weiteres in die rassistische Tradition von Nazi-Propagandafilmen wie „Jud Süß“ ein, erklärte der Zentralrat am Donnerstag in Heidelberg. Der Vorsitzende Romani Rose forderte die zuständige Landesmedienanstalt auf, die Inhalte dieses Beitrags zu prüfen.

Er werde die „Pseudo-Dokumentation“ auch im September beim Treffen mit dem Israelischen Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, zum Thema machen, so der Zentralrat. Wie im NS-Film über Theresienstadt („Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“) durchzögen den Sat.1-Film immer wieder Sequenzen, in denen Roma in unterschiedlicher Weise mit Ratten in Zusammenhang gebracht würden. Insbesondere die Wohnsituation in den Ghettos in Rumänien werde so charakterisiert. Damit werde diese menschenunwürdige Situation als vorgeblich der Mentalität von Roma entsprechende Lebensweise dargestellt, ohne auf die desolate Lage vieler Roma aufgrund des massiven Rassismus in ihren Heimatländern einzugehen.

„Uvorstellbar“

Die Sat.1-Produktion bringe zudem unterschiedslos Roma-Gruppen aus mehreren Ländern mit Vorwürfen massiver Kriminalität zusammen. „Eine derartige pauschale Kriminalisierung und widerwärtige Diffamierung von Minderheiten wäre bislang gegenüber anderen Minderheiten unvorstellbar“, sagte der Zentralsratsvorsitzende Romani Rose. Gegenüber Roma in Europa gebe es für einzelne Medien und Filmproduzenten offenkundig keine Grenzen und keine Skrupel mehr. „Derartige Filme legitimieren Haß und Gewalt gegenüber Minderheiten und das ist eine große Gefahr für unsere Demokratie und für das Zusammenleben in Deutschland“, sagte Rose. Sie provozierten Hassreden im Netz.

Der Zentralrat kündigte an, auch das Sekretariat des Europarates zum Rahmenschutzabkommen für nationale Minderheiten über den Sat.1.-Film zu informieren. Im November 2017 hatte der Verband bereits den SWR-Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ wegen antiziganistischer Klischees scharf kritisiert. (epd/mig)

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