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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Medienwissenschaftlerin

Presse macht Flüchtlinge zu Objekten

300 FAZ- und SZ-Artikel über Geflüchtete hat Medienwissenschaftlerin Jutta Brennauer untersucht. Das Ergebnis: In neun von zehn Artikel kommen Geflüchtete nicht zu Wort, die deutsche Sicht dominiert. Fluchtursachen würden – wenn überhaupt – nur vage genannt.

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Zeitungsstand (Symbolfoto) © Ed Yourdon @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

In der Berichterstattung deutscher Medien werden Flüchtlinge einer Studie zufolge häufig nur als Objekte und nicht als handelnde Personen dargestellt. „In fast 90 Prozent der Artikel kommen Geflüchtete gar nicht selbst zu Wort“, sagte die Medienwissenschaftlerin Jutta Brennauer dem „Evangelischen Pressedienst“. Auch dominiere stets die deutsche Sicht: „Mehr als die Hälfte der befragten Personen und Institutionen, die zu Wort kommen, sind deutsch.“ Ihre Studie hat Brennauer am Dienstagabend vergangener Woche auf den „Kölner Mediengesprächen“ vorgestellt.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Freien Universität Berlin im Bereich Medien und Politische Kommunikation untersuchte Brennauer rund 300 Zeitungsartikel im Wirtschafts- und Kulturressort der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zwischen August 2015 und März 2016. „Ich habe mich für diese beiden Zeitungen entschieden, weil sie als Meinungsführer im Qualitätsjournalismus gelten und beide über ein renommiertes Wirtschafts- und Kulturressort verfügen“, erklärte die Wissenschaftlerin.

Problematisch-negativer Kontext

Ihre Inhaltsanalyse zeigt nach ihren Angaben, dass Flüchtlinge im Wirtschaftsressort tendenziell eher als Belastung beschrieben und die wirtschafts- und sozialpolitischen Folgen für Deutschland thematisiert wurden: „Mit 44 Prozent der Artikel berichtete das Wirtschaftsressort tendenziell in einem problematisch-negativen Kontext über Geflüchtete – insbesondere in der FAZ.“ Hier seien fehlende Schulbildung und mangelnde Sprachkenntnisse hervorgehoben worden. Ausdrücke wie „Massenandrang“ hätten ein Bedrohungsszenario heraufbeschworen.

Ganz anders dagegen im Kulturressort: „Hier gab es eine empathische Berichterstattung, bei der es um die Schicksale von Menschen ging.“ Gerade bei der FAZ habe dies zum Teil im Widerspruch zur Wirtschaftsberichterstattung gestanden. Die SZ habe sich dagegen auch im Wirtschaftsteil um eine differenzierte Sichtweise bemüht und etwa von „(hoch)willkommenen Neuankömmlingen“ gesprochen.

Fluchtursachen werden kaum genannt

Brennauer kritisierte jedoch, dass Flüchtlinge nie als „ernstzunehmende Akteure“ wahrgenommen würden, sondern stets nur in ihrer Rolle als Geflüchtete. „Damit werden sie von einer sachpolitischen Diskussion um Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft ausgeschlossen.“

Die Wissenschaftlerin bemängelt zudem, dass Fluchtursachen nur selten genannt würden, „und wenn, dann nur vage“. So habe es oft nur eine grobe Unterteilung in politisch Verfolgte und sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge gegeben. „Komplexere Hintergründe und Ursachen wie Terror, Klimawandel und globalisierter Kapitalismus wurden dagegen nur sehr wenig genannt.“ Brennauer fordert eine vielfältigere Berichterstattung, die lösungszentriert und konstruktiv sein müsse: „Das alles in den Redaktionsalltag einzubauen, ist sicherlich eine Herausforderung“, räumte sie ein. (epd/mig)

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