MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Hass im Internet

Widmann-Mauz kritisiert „Falschmeldungen“ in Flüchtlingsdebatten

Hass und Falschmeldungen im Internet stellen Journalisten vor Probleme und vergiften das politische Klima. „Manchmal hat man den Eindruck, je größer der Unsinn, desto größer die Verbreitung“, sagt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.

Annette Widmann-Mauz, Integration, Integrationsbeauftragte, Politik, CDU
Annette Widmann-Mauz (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung © BMG

Die Themen Migration, Islam und Flüchtlinge sind nach Meinung der Integrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU) im Internet zum „Spielfeld für Unwahrheiten“ geworden. „Manchmal hat man den Eindruck, je größer der Unsinn, desto größer die Verbreitung“, sagte sie am Donnerstag bei der Civis Medienkonferenz in Berlin. Leider blieben Falschmeldungen und Halbwahrheiten nicht auf Filterblasen beschränkt, sondern flössen zunehmend in öffentliche Debatten mit ein.

Die Stilmittel der Populisten – Vereinfachung, Stilisierung von Konflikten, Polarisierung – seien auch Stilmittel von Sensationsjournalismus, betonte Widmann-Mauz und verwies darauf, dass Online-Medien auch durch Klickzahlen Reichweite erzielten. Kritik übte sie daran, dass die vermeintliche Straftat eines Flüchtlings bundesweit schon eine Nachricht sei, nur weil es sich um einen Flüchtling handele.

Die Civis Medienkonferenz befasste sich unter dem Titel „Medien Revolution: Wer spricht denn da? – Alternative Wirklichkeit im Zeitalter kreativer Zerstörung“ mit den Herausforderungen für Journalisten im Zeitalter der Digitalisierung. Die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin Ulrike Klinger sagte, dass Algorithmen nicht neutral seien, sondern diskriminierten und Stereotypen verfestigten. Falsche Informationen würden sich zudem schneller und weiter verbreiten, weil sie einen höheren Neuigkeitswert hätten.

Pseudojournalistische Anbieter

Der Schweizer Medienforscher Mark Eisenegger hob hervor, dass zunehmend pseudojournalistische Anbieter auf den Markt kämen, während bei den professionellen Medien gespart werde. Das erschwere die Arbeitsbedingungen der professionellen Journalisten. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen riet, dass Medien künftig verstärkt deutlich machen müssten, wie sie recherchiert hätten. Transparenz sei die neue Objektivität.

Der Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg thematisierte russische Propaganda in Deutschland. Die Speerspitze seien RT Deutsch und Sputnik News. Beide sähen sich als Teilnehmer an einem Informationskrieg, gäben vor über fehlende Aspekte zu berichten, die hiesige Medien vermeintlich unterschlagen. Er kritisierte, dass die Berichterstattung tatsächlich darauf abziele, durch „falsche, verzerrte und verkürzte Darstellung, systematisch einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben“.

Folgen für den Wertediskurs

Limbourg wies zugleich darauf hin, dass sich weite Teile der türkisch-, arabisch- und russischsprachigen Gemeinschaften mehr über Angebote des türkischen Senders TRT, des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera und des Kanals Russia 24 informierten als über deutsche Medien. In einer Studie von 2016 habe sogar eine Mehrheit der Russlanddeutschen angegeben, russischen Medien mehr zu vertrauen als den deutschen. Das bleibe nicht ohne Folgen für den Wertediskurs und für die Integration.

Limbourg mahnte darüber hinaus, dass die deutschen Medien nach dem Skandal um den „Spiegel“-Mitarbeiter Claas Relotius wieder Vertrauen herstellen müssten. Eine sinnvolle Konsequenz wäre, künftig deutlich weniger Journalistenpreise auszuloben, sagte er. Am Ende sei die einzig wichtige Auszeichnung für Journalisten die Aufmerksamkeit – und diese beruhe auf Vertrauen. Der „Spiegel“ hatte im Dezember offengelegt, dass Relotius im großen Umfang eigene Geschichten manipuliert hat. Er war für seine Texte vielfach ausgezeichnet worden. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...