MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Anzeige

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Nebenan

Frauenrechte abgetrieben

Was für eine Bescherung zum christlichen Fest der Nächstenliebe jedenfalls, die uns da als „Kompromiss“ zu 219a geschenkt wird – ein Kompromiss, der die Gebärmütter auch weiterhin nicht ohne Kopftuch aus dem Hause lässt.

Sven Bensmann, Migazin, Kolumne, bensmann kolumne
MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM18. Dezember 2018

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , , , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Wannimmer es darum geht, die Fremden, die Ausländer, die Migranten als das Schlechte per se darzustellen, dass dem guten und anständigen Deutschen gegenübergestellt werden soll, kommt die Sprache irgendwann auf Frauenrechte. Die unterdrücken die Frauen, die schreiben ihnen vor, was sie mit ihrem Körper zu tun haben, wie sie sich zu kleiden haben.

Im blinden Fanatismus wird dann oft auch noch so getan, als müsse man nur ein Kopftuchverbot erlassen, um die Frauen von dieser Unterdrückung zu befreien. Das eine Frau ein Kopftuch selbstbestimmt und aus eigenem Antrieb tragen könnte: ein Märchen, dass diese sich in ihrer Unterdrückung selbst einredet.

Dem gegenüber, so stets der Subtext, stehe die vollends befreite deutsche Frau. Gleichberechtigt, natürlich auch gleichbezahlt und von jedweder Form von Diskriminierung befreit, ist sie das leuchtende Vorbild der ganzen Welt – es sei denn, sie verlangt gleiche Rechte, gleiche Bezahlung oder die Anerkennung als gleichwertige Person, die nicht selbst zumindest mitschuldig ist, wenn sie belästigt oder gar vergewaltigt wird. 2000 Jahre christliche Tradition der Unterdrückung von Frauen – längst vergessen. Da wird man doch einer Frau wohl noch vorschreiben dürfen, was sie mit ihrem Körper zu tun hat!

Es erinnert mich immer ein wenig an das, was ein Stand-Up-Clown „Comedy“ nennt, wenn die Diskussion über den Paragrafen 219a beginnt. Da wird von „Werbung“ gesprochen, wenn Ärzte darüber informieren, dass sie Abtreibungen durchführen – und so getan, als sei die Frau an sich nicht in der Lage, an einem Sonderangebot vorbeizugehen, egal ob es sich um eine Handtasche, ein paar Schuhe oder die Entfernung zweier Föten zum Preis von einem geht. Und es wird impliziert, dass in Zukunft kurz vor der Tagesschau statt für Abführpillen für Abtreibungspillen geworben werden könnte, wenn denn nur Frauen die Verantwortung für ihren eigenen Körper übertragen würde.

Dass die Emanzipation der Frau hierzulande ein Stück weiter ist, als in Saudi-Arabien, sollte uns jedenfalls nicht von der Erkenntnis ablenken, dass es hier wie dort eine Allianz aus rechtsgerichteten Männern mit dem Klerus gibt, die alles daran setzt, die weitere Emanzipation von Frauen zu behindern.

Dass ein deutscher Stand-Up Clown mit seiner Akkumulation von Chauvinismen ganze Stadien füllt und damit Deutschlands monetär erfolgreichster Hassprediger ist, damit sogar bei Frauen ankommt, dat „kennste kennste kennste“ jedenfalls schon.

Dass die SPD glaubt, für solcherlei Perversitäten gewählt worden zu sein und die Entscheidung daher mitträgt, weil die Entscheidung ja die Regierung fällt, und da hängt man sich lieber an den Koalitionspartner als selbst Stellung zu beziehen, sollte aber ausreichen, sie bei zukünftigen Wahlen unter die 5 Prozent zu drücken. Denn die Regierung hat man ja so oder so auch mit gewählt, dazu braucht es die SPD nicht.

Was für eine Bescherung zum christlichen Fest der Nächstenliebe jedenfalls, die uns da als „Kompromiss“ zu 219a geschenkt wird – ein Kompromiss, der die Gebärmütter auch weiterhin nicht ohne Kopftuch aus dem Hause lässt.

Danke, SPD!

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...