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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Abschottung 2.0

Die Heimat und ‚ein Europa, das schützt‘

Alle sprechen über Heimat und Sicherheit; nur die Frage, für wen diese Heimat und Sicherheit in Europa gelten soll, führt zu sehr unterschiedlichen Antworten. Von Hanna Schneider

Hanna Schneider, MiGAZIN, Flüchtlinge, Doktorandin, Gastbeitrag
Hanna Schneider © privat, bearb. MiG

VONHanna Schneider

Hanna Schneider ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Brüssel. Sie arbeitet insbesondere zu asylpolitischen Themen und konzentriert sich in ihrer Promotion auf die Umsetzung von Resettlement- und humanitären Aufnahmeprogrammen.

DATUM18. Oktober 2018

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Manchmal bin ich naiv. Zum Beispiel als ich das erste Mal den Slogan des österreichischen EU-Ratsvorsitzes hörte, der da lautet: ‚Ein Europa, das schützt‘. Wow, dachte ich. Ein rechtspopulistischer Innenminister, der den Flüchtlingsschutz in der Europäischen Union stärken möchte. Schnell wurde mir allerdings klar, dass es dem österreichischen EU-Ratsvorsitz nicht um den Schutz von Geflüchteten, sondern um den Schutz vor Geflüchteten geht. Ganz oben auf der Agenda steht dabei der Kampf gegen illegale Migration und die Sicherung der EU-Außengrenzen, die auch während der letzten Sitzung der EU-Innenminister am 12. Oktober auf der Tagesordnung stand.

Meiner Meinung nach gäbe es in einem Jahr, das höchstwahrscheinlich einen weiteren Rekord von vertriebenen Menschen auf der Welt aufstellen wird (siehe UNHCR Global Trends 2017 und 2016), wichtigere Themen zu besprechen als den Ausbau der EU-Grenzschutzagentur und wie man Menschen schnell wieder abschieben kann. Statt der Zementierung der Festung Europas wünschte ich mir legale Zugangswege für Flüchtlinge auf der Agenda. Statt Abschottung wünschte ich mir eine EU, die Menschen in Not aufnimmt und ihnen eine neue Heimat bietet.

Die Heimat

Dafür wurde ja auch vor nicht allzu langer Zeit das neue deutsche Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat geschaffen. Ein Ministerium, das sich darum kümmert, Menschen, die aus ihrer eigenen Heimat vertrieben wurden, ein neues Zuhause zu bieten. Oder war das mit dem Heimatministerium doch anders gemeint?

Scheinbar habe ich auch hier die politischen Absichten falsch gedeutet, folgte doch auf den neuen Ministeriumsnamen gleich die Entscheidung, den Familiennachzug von subsidiär Schutzberechtigen weiterhin nur begrenzt zuzulassen. Da die meisten Menschen sich nur dort wirklich zuhause fühlen, wo auch ihre Familie (in Sicherheit) lebt, scheint die neue deutsche Heimat jedenfalls nicht für geflüchteten Menschen zu gelten.

Irgendwann wird es stickig

Und so sprechen alle über Heimat und Sicherheit; nur die Frage, für wen diese Heimat und Sicherheit in Europa gelten soll, führt zu sehr unterschiedlichen Antworten. Aber wieso reagieren Menschen in Europa auf die gleichen Fakten – unzählige Kriege in der Welt und stetig steigende Flüchtlingszahlen – mit so unterschiedlichen Reaktionen? Und warum haben gerade viele Deutsche, die in Wohlstand und Sicherheit leben, so starke Angst, dass ihr Land demnächst untergeht, weil sie es mit einigen der vulnerabelsten Menschen auf der Welt teilen?

Wir können sehr gerne über Heimat und Sicherheit reden. Aber ich möchte nicht in einem Land leben, in dem wir die Vorhänge zuziehen und es uns zuhause gemütlich machen, während vor unseren Fenstern Menschen sterben. Irgendwann wird es stickig, man öffnet die Fenster und wird mit der Realität konfrontiert. Und dann wird es ungemütlich.

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