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Feministin von Welt

Nigerianische Autorin Adichie die Stimme der Frauen

Ihre Bücher haben Chimamanda Ngozi Adichie berühmt gemacht. Längst wird die Schriftstellerin zur Weltliteratur gezählt. Am Dienstag hat sie zum Auftakt der Buchmesse in Frankfurt gesprochen.

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Besucher auf der Leipziger Buchmesse (Archivfoto) © Leipziger Buchmesse

Es war im Jahr 2005 in Warri, einer Hafenstadt im Niger-Delta: Da arbeitete sie mit Ende 20 bereits als Doktorin, aber das reichte ihrer Mutter nicht. „Sie hat mir gesagt: Schreibe Bücher,“ erzählte Chimamanda Ngozi Adichie dem Magazin „New Yorker“. Wenige Tage später begann sie tatsächlich zu tippen. Heute ist die Nigerianerin Adichie eine Berühmtheit, weit über ihr Heimatland hinaus. Am Dienstag war sie als Gastrednerin zur Pressekonferenz zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse eingeladen.

Ihre Bücher werden zur Weltliteratur gezählt. Mit leichter Hand verwebt die Autorin (scheinbar) Autobiografisches mit Politischem, wie der Abacha-Diktatur in Nigeria oder dem Aufstieg und Fall der abtrünnigen Biafra-Region. „Bei uns zu Hause begann alles in die Brüche zu gehen, als mein Bruder Jaja nicht bei der Kommunion war und mein Vater sein schweres Messbuch durch das Zimmer schleuderte“, so beginnt ihr Debütroman „Blauer Hibiskus“. Die Ablösung der 15-jährigen Tochter von ihrem fanatischen, dominanten Vater überschattet den Terror, der zeitgleich im Land ausbricht.

Blick für die Nuancen des Rassismus

Um dicke Bücher zu schreiben, hat die inzwischen 41-Jährige aber kaum noch Zeit. Ihr jüngster Roman „Americanah“ erschien 2013 und wurde international gefeiert. Darin schildert sie das Leben als Afrikanerin in den USA mit scharfem Blick für die Nuancen des Rassismus. Seitdem sorgt Adichie mit Vorträgen und Manifesten für soviel Aufsehen, dass es sie manchmal selber wundert. Ihr Buch „Mehr Feminismus!“, im Original „We should all be Feminists“, wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und in Schweden an alle 16-Jährigen verteilt. Beyoncé nutzte den Text in ihrem Song „Flawless“.

Zu Adichies Botschaft gehört, dass sie es aus eigener Kraft geschafft hat, als fünfte von sechs Töchtern eines Statistik-Professors und einer Universitätsangestellten in der nigerianischen Provinz zu einer Stimme der Frauen zu werden, die weltweit gehört wird. In Lagos wurde sie als 17-Jährige von ihrem Verleger begrapscht. „Ich verachtete den Mann für das, was er tat“, sagte sie im Frühjahr bei einem Kongress in Stockholm. „Aber ich habe weiter mit ihm geredet, war höflich, hoffte, er würde mir mit meinem Buch helfen.“ Die #MeToo-Debatte ist auch die ihre, auch wenn sie die „schnelle Wut“ der jungen Generation ablehnt. Sie kämpft mit langem Atem.

Ein feministisches Manifest

Ihr neues Buch, „Liebe Ijeawele“, ist ein „feministisches Manifest in 15 Empfehlungen“, gerichtet an eine Mutter in ihrer Heimat, aber eigentlich an Mütter (und Väter) in aller Welt. Auf 80 Seiten schreibt Adichie darüber, wie Mütter Töchter zu Feministinnen erziehen können. Eine Lektion lautet: „Bring ihr bei, Bücher zu lieben.“ Auch dieser Band ist autobiografisch geprägt. Im Sommer berichtete Adichie erstmals, dass sie selbst Mutter einer jungen Tochter ist. Der Vater ist ihr Mann, ein Arzt, der in den USA praktiziert, aber nicht weit von ihrer Heimat aufgewachsen ist. Sie selbst teilt ihre Zeit zwischen Maryland und Lagos, wo sie Schreibworkshops abhält.

„Feministin ist ein schlimmes Wort, überall in der Welt, aber vor allem da, wo ich herkomme“, sagte sie kürzlich. Trotzdem oder gerade deshalb nimmt Adichie es immer wieder in den Mund. Darauf reduzieren lassen will sie sich aber nicht. Ihre große Liebe gehört nach wie vor der Literatur. „Ich glaube wirklich, dass ich dafür geboren wurde“, sagte sie dem Schriftsteller Dave Eggers im vergangenen Jahr. Dabei sei sie heute nicht mehr die gehorsame Tochter des Literaturbetriebs, verwische mit viel Lust die Grenzen zwischen Memoiren und Fiktion. „Deine Fiktion, das bist immer auch Du.“ (epd/mig)

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