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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Zentrum für Türkeistudien

Erdoğan vermittelt Selbstwertgefühl

Die meisten türkeistämmigen Wähler haben am vergangenen Wahlsonntag Recep Tayyip Erdoğan gewählt. Warum das so ist, erklärt Politikwissenschaftlers und Migrationsexperten Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien.

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Public Viewing bei einem Deutschland - Türkei Spiel © tetedelacourse auf flickr.com (CC 2.0) bearb. MiG

DATUM27. Juni 2018

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Eine große Zahl Türkeistämmiger in Deutschland hat nach Auffassung des Politikwissenschaftlers und Migrationsexperten Caner Aver am vergangenen Sonntag Recep Tayyip Erdoğan gewählt, weil er ihnen Selbstwertgefühl vermittelt. „Die Menschen erleben hierzulande vielerlei Formen von Ausgrenzungen, beispielsweise auf dem Arbeits- oder auf dem Wohnungsmarkt“, sagte der Programmleiter Hochschule und Migration des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen am Dienstag dem „Evangelischen Pressedienst“ zur Präsidentschaftswahl in der Türkei

Zudem stammten zahlreiche Türkeistämmige aus traditionell konservativen und religiösen Milieus, fühlten sich der AKP-Ideologie verbunden, und ihre Familien gehörten eher bildungsfernen Bevölkerungsschichten an, erläuterte Aver. Erdoğan gelinge es, nicht zuletzt durch die von ihm gesteuerten Medien, sich als „starker Mann“ zu präsentieren, der der Türkei Wohlstand bringe.

Vergleich zu früher

„Die Menschen vergleichen die Zeiten vor ihm und heute und stellen in der Tat fest, dass die Inflation deutlich gesunken, das Pro-Kopf-Einkommen gestiegen ist und sich die Infrastruktur erheblich verbessert hat, von der Wasserversorgung bis hin zum Gesundheitssystem oder der Verkehrsinfrastruktur“, sagte der Wissenschaftler. Fragen nach demokratischen Rechten und Freiheiten in ihrem Heimatland blenden viele der hier lebenden Türken nach Worten von Aver angesichts der wirtschaftlichen Erfolge weitgehend aus.

Bei der Deutung des Wahlergebnisses vom vergangenen Sonntag sei eine Einordnung der Zahlen wichtig, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Zentrum. Von den 2,8 Millionen in Deutschland lebenden Türken seien 1,4 Millionen wahlberechtigt gewesen. Von ihnen habe sich lediglich knapp die Hälfte beteiligt. Von diesen rund 660.000 Stimmen bekam die AKP und Erdoğan dann rund 65 Prozent, also 430.000 Stimmen. Die Darstellung, zwei Drittel aller hier lebenden türkischen Wahlberechtigten habe Erdoğan gewählt, sei somit nicht korrekt. (epd/mig)

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