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Unicef

Fast jedes zweite afghanische Kind geht nicht zur Schule

Die Leidtragenden des anhaltenden Gewaltkonflikts und des Armuts in Afghanistan sind meistens die Kinder. Wie eine Unicef-Studie jetzt zeigt, geht fast die Hälfte aller Kinder nicht zur Schule – die meisten Mädchen. Die Einschulung ist die größte Herausforderung.

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Ein Afghanisches Mädchen in der Schule © UNICEF/UN0211466/Fricker

Fast die Hälfte aller Kinder in Afghanistan zwischen 7 und 17 Jahren geht laut Unicef nicht zur Schule. Gründe sind vor allem der anhaltende Gewaltkonflikt, tiefe Armut und die Diskriminierung von Mädchen, wie das UN-Kinderhilfswerk am Sonntag als Ergebnis einer Studie mitteilte. Auch Vertreibung, Frühehen, fehlende Lehrerinnen und Lehrer und schlecht ausgestattete Schulen führten dazu, dass viele Kinder dem Unterricht fernblieben.

Mädchen sind laut Unicef besonders benachteiligt: Im Landesdurchschnitt sind 60 Prozent der Kinder, die nicht zur Schule gehen, weiblich. In einigen Provinzen wie Kandahar, Helmand, Wardak und Paktika erhalten bis zu 85 Prozent der Mädchen keinen Unterricht.

Info: Die Studie „Out of School Children: Afghanistan Country Study“ wurde von Unicef, dem afghanischen Bildungsministerium, Samuel Hall und USAID veröffentlicht. Sie kann hier heruntergeladen werden.

„Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, sind sie in höherer Gefahr, missbraucht, ausgebeutet oder rekrutiert zu werden“, sagte Adele Khodr, Leiterin von Unicef Afghanistan. Sie begrüßte, dass die Regierung von Präsident Aschraf Ghani 2018 zum Jahr der Bildung erklärt hat.

Größte Herausforderung ist Einschulung

Trotz der Probleme stellte Unicef auch Fortschritte heraus. Nur relativ wenige Kinder brechen laut der Studie die Schule ab: 85 Prozent der Mädchen und Jungen, die eingeschult wurden, schließen auch das letzte Grundschuljahr ab. 90 Prozent der Mädchen und 94 Prozent der Jungen, die den Besuch einer weiterführenden Schule beginnen, schaffen den Abschluss der Sekundarstufe I.

Die größte Herausforderung bestehe in der Einschulung, erklärte Unicef. Um diese Hürde zu überwinden, könnte die Organisation von Bildung und Betreuung auf Gemeinde-Ebene in Gemeinschaftsräumen oder Wohnhäusern ein Lösungsansatz sein. Das sei besonders für Mädchen wichtig, die wegen der Sicherheitslage oder aus Angst vor Belästigung keinen Schulweg auf sich nehmen könnten. (epd/mig)

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