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Angela Merkel, Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, 2008

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Peinlich, Peinlicher, Söder

Die Idee Markus Söders, in alle Amtsstuben ein Kreuz hängen zu lassen, ist sogar der Kirche peinlich. Ja, sogar der Kirche. Der vielleicht einzigen Institution, die die Macht der CSU in Deutsch-Texas brechen könnte. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM8. Mai 2018

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Der Abendlandser der Union hat sich in den Kopf gesetzt, der Welt zu zeigen, wie säkular seine Heimat ist, indem er in alle Amtsstuben ein Kreuz hängen lassen will. Gedacht haben wird er dabei freilich vor allem an die Kameltreiber, die da in sein schönes Land kommen und sich am Ende gar integrieren wollen, und denen man natürlich sofort klar machen muss, dass sie hier nicht willkommen sind.

Dass er diese Rechnung ausgerechnet ohne die Kirchen gemacht hat, die ihr Kreuz plötzlich von einer Partei missbraucht sehen, ist nicht nur ein Problem für Söder, sondern zeigt auch, dass sich die CSU, die sich lange zu Recht und heute noch immer als Lobby der Kirche in der Politik sieht, so weit von den Ideen des Christentums wegbewegt hat, dass es selbst den Kirchen peinlich ist.

Die Kirche, die ihren Rittern erklärte, es sei Gottes Wille, die Heiden dahinzumetzeln, die ihre Pfaffen tausende Frauen im Namen des Patriarchats als Hexen ermorden ließ und Kinder systematischem sexuellen Missbrauch auslieferte, geht Söders christianische „Symbolpolitik“ zu weit, sagt sie.

Einer Kirche, deren Politik noch heute in der Vertuschung des sexuellen Missbrauchs und weiterer Skandale der jüngeren Vergangenheit, des Verbots von Kondomen und der Verhinderung von Abtreibungen für durch eine Geburt gesundheitlich signifikant gefährdete Vergewaltigungsopfer besteht und dies mit Symbolpolitik, wie dem Spendensammeln für die Opfer dieser Politik, kaschiert, ist die Assoziierung mit der CSU inzwischen also peinlich.

Das kann man eigentlich gar nicht deutlich genug sagen, ist die Idee der Aufklärung in Deutsch-Texas doch nie so richtig angekommen und die Kirche daher noch immer eine Institution, vielleicht die einzige Institution, die die Macht der CSU in Bayern brechen könnte.

Dann wieder sind die meisten Christen in diesem Land doch Menschen, die aus purer Bequemlichkeit oder der Angewiesenheit auf einen Kindergartenplatz wegen noch einer Kirche angehören und die allenfalls an Weihnachten mal in die Kirche tingeln, um die in diesem Kindergarten obligatorische Teilnahme am „Krippenspiel“ zu besuchen.

Dass eine signifikante Menge dieser Menschen sich mehr von den Ansichten irgendwelcher Bischöfe beeindrucken lässt, als der Idee, Kreuze für den Wahlkampf in irgendwelche Amtsstuben zu hängen, ist vielleicht doch nur eine naive Hoffnung, ist doch diese entleerte Symbolpolitik genau das Niveau der „Gläubigen“.

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