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Entwicklungsminister Müller will Siegel für fair produzierte Kleidung

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Asien zu verbessern, ist ein schwieriges Unterfangen. Entwicklungsminister Müller holt nun seinen Vorschlag eines Siegels für faire Produktion wieder aus der Schublade. Und erntet prompt Kritik.

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Altkleider, die nach Afrika exportiert werden © quinn.anya @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat für das kommende Jahr die Einführung eines staatlichen Siegels für fair produzierte Kleidung angekündigt. Der „Grüne Knopf“ werde das erste staatliche Siegel dieser Art sein, sagte Müller aus Anlass des fünften Jahrestags des Einsturzes der Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch der „Frankfurter Rundschau“. Die Initiative stieß jedoch auf Kritik, sowohl bei der deutschen Textilbranche als auch bei Aktivisten.

„An unserer Haltung hat sich nichts geändert“, sagte eine Sprecherin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie dem „Evangelischen Pressedienst“. „Auch vier Jahre nach Ankündigung eines Textilsiegels sind die bisher bekannten Planungen des Ministers vage und absolut realitätsfern“, fügte sie mit Blick auf frühere Ankündigungen Müllers hinzu. Der Verband repräsentiert Firmen, die in Deutschland und im Ausland produzieren, aber nicht die großen Handelsketten.

Auch das Südwind-Institut in Bonn reagierte mit Skepsis. „Ein ‚Grüner Knopf‘, der anfangs nur Teile der textilen Kette umfassen würde und auf privaten Standards beruhen würde, ist nicht das, was wir uns vom Minister erhofft haben“, sagte die Südwind-Textilexpertin Sabine Ferenschild. Ein Siegel für die gesamte Lieferkette dagegen „scheint zum aktuellen Zeitpunkt Zukunftsmusik zu sein“. Wenn das Siegel nur für die Mitgliedschaft im Textilbündnis stehe, sei es auf keinen Fall akzeptabel, weil das Bündnis viel zu wenig Wirkung auf Arbeits- und Sozialstandards zeige.

Müller versichert Nachhaltigkeit

Müller versicherte hingegen: „Wer Kleidung mit dem ‚Grünen Knopf‘ kauft, kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass sie fair und nachhaltig produziert wurde.“ Das garantiere sein Ministerium. Nur Hersteller, die dem deutschen Textilbündnis angehören und sich dessen Regeln unterwerfen, dürften das Siegel nutzen. „Faire Kleidung wird den Bio-Boom noch überholen, da bin ich ganz sicher“, zeigte er sich überzeugt: „Fair ist schick.“ Die Hersteller könnten es sich daher gar nicht leisten, Produkte ohne „Grünen Knopf“ anzubieten.

Müller kündigte zudem an, sich auf EU-Ebene für eine gesetzliche Regelung einzusetzen, um Unternehmen auf faire Produktionsbedingungen in der gesamten Lieferkette zu verpflichten. „Allerdings dauert das Jahre und wegen der unterschiedlichsten Interessen in Brüssel werden wir eine Verordnung bekommen, die nicht so gut ist wie unser Bündnis“, sagte er. Daher sei es gut gewesen, erst auf Freiwilligkeit zu setzen. Auch national schloss er gesetzliche Regeln nicht aus.

Grüne fordern verpflichtende Regeln

Der Grünen-Politiker Uwe Kekeritz warf Müller indes vor, dass das 2014 gegründete Textilbündnis keine messbaren Erfolge bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen gebracht habe. Statt mit einem „Grünen Knopf“ weitere Luftschlösser zu bauen, sollte der Minister endlich verpflichtende Regeln erarbeiten, drängte der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Beim Einsturz des Rana-Plaza-Hochhauses in Bangladesch am 24. April 2013 waren mehr als 1.100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet worden. Mehr als 2.400 wurden verletzt. Die Produktion war trotz bekannter Baumängel fortgesetzt worden. In Reaktion auf die Katastrophe rief Müller ein Jahr später das deutsche Textilbündnis ins Leben, an dem Unternehmen, Gewerkschaften und Entwicklungsorganisationen mitwirken. Ziel sind freiwillige Selbstverpflichtungen auf soziale Standards. Derzeit sind dort Modefirmen Mitglieder mit insgesamt etwa 50 Prozent Marktanteil. (epd/mig)

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