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Das Gift des Messias

Das Problem in Syrien sind natürlich die Russen und ohne Putin wäre in Syrien nur Friede, Freude und Eierkuchen. Wie einfach ist doch das Leben, wenn eines immer klar ist: Der Feind. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM27. Februar 2018

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RESSORTAktuell, Meinung

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Die USA haben Bannon, die Kurden haben Öcalan, und Deutschland hat Deniz Yücel: Mit Heldenverehrung ist das so eine Sache. In der Verbannung wandelt sich das Bild einer Person gern zur Ikone – bis zu dem Punkt, an dem diese Person dem nicht mehr gerecht werden kann. Dass ein notorischer Querulant wie Yücel im letzten Jahr fast schon zu dem deutschen Vorzeigejournalisten hochgejazzt wurde ohne den die Presse nicht auskommen kann, wird nicht nur die AfD freuen. Dass die AfD seine Freilassung zum Anlass nahm Ihren Hass in den Bundestag zu ejakulieren, kann also als strategische Positionierung für die Zukunft verstanden werden.

Woher der Wind in Deutschland ganz allgemein weht, sieht man aber auch, wenn man sich Publikationen anschaut, die eigentlich nicht im Verdacht stehen, ein Sprachrohr der rechten Szene zu sein. Sei es durch Fahrlässigkeit oder als subversive Absicht: Durch Aufzählungen entsteht Kontext, wo keiner ist und es wird eine inhaltliche Verbindung aufgemacht, die nicht existiert.

Wenn eine große süddeutsche Tageszeitung also „Flüchtlinge“ in eine Reihe stellt mit „Kriegen, Klimakatastrophen und kaputten Schulen“, dann erzeugt das eine Verbindung, die – ähnlich der Rhetorik von beispielsweise den „Flüchtlingswellen“ – Bedrohungsszenarien in den Köpfen der Menschen produziert, in der der Flüchtling vor allem eines ist: eine Gefahr.

Eine viel größere Gefahr ist eigentlich aber die kurzsichtige deutsche Politik in der Wahl Ihrer Partner. Während man sich nämlich auf der einen Seite an die türkischen Türsteher hält, um Kriegsvertriebene vom Recht auf Asyl abzuhalten und sie dafür mit deutschen Panzern belohnt, hält man sich auf der anderen Seite der syrischen Grenze an kurdische Milizen, die man bekannterweise mit ausgebildet und unter anderem mit deutschen Panzerabwehrraketen ausgestattet hat.

Deutschland, ohnehin mit einem gespaltetenen Verhältnis zur kurdischen Sache „gesegnet“, hat zwar die PKK zur Terrororganisation abgestempelt – auf Druck jenes NATO-Partners, der Journalisten wegsperrt -, die YPG und ihre Verbündeten aber zu den „Guten“ ernannt, die man unbedingt unterstützen muss. Terrorismus macht schließlich seit jeher an Grenzen halt, und das die YPG im Grunde die syrische Sektion der PKK ist, bedeutet ja nicht, dass die deutschen Waffen auch in der Türkei eingesetzt werden würden.

Als Kriegsgewinnler und Händler des Todes, der beiden Seiten die Waffen verkauft mit denen sie sich umbringen, greift Deutschland natürlich nicht direkt in den Konflikt ein, und so passiert den Kurden nun doch wieder, was sie bereits seit Jahrhunderten gewohnt sind: Wenn es wirklich drauf ankommt, sind sie von allen verlassen. So führte der längst völlig unübersichtliche Konflikt in Syrien dazu, dass syrische Kurden den Tyrannen Assad um Hilfe gegen die Türken anflehen mussten.

Glücklicherweise behalten wir auch im Angesicht dieses Chaos stets die Übersicht: Das Problem in Syrien sind natürlich die Russen und ohne Putin wäre in Syrien nur Friede, Freude und Eierkuchen.

Wie einfach ist doch das Leben, wenn eines immer klar ist: Der Feind. Darin gleichen sich die politischen Spektren hüben wie drüben. Na dann: Freiheit für Bannon! Freiheit für Öcalan! Freiheit für Yücel! Freiheit von Verantwortung!

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Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. -Ute Plass sagt:

    „Unsere Forderungen in Deutschland sollten sich daher vor allem an unsere eigene Regierung wenden: Die sofortige Einstellung aller Waffenexporte nicht nur an die Türkei, sondern überhaupt in alle Krisenregionen und die Einschränkung von wirtschaftlichen Kooperationen mit „autokratischen“ Regimen sowie eine stärkere Förderung zivilgesellschaftlicher, vor allem auch von Frauen geprägten Initiativen stehen dabei an erster Stelle.“

    http://www.bzw-weiterdenken.de/2018/02/frauen-fordern-frieden-fuer-afrin/



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