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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Mehrheit der Deutschen

Flüchtlinge sollen sich besser integrieren

Die große Mehrheit der Deutschen ist der Ansicht, Einwanderer sollten sich besser einfügen, etwa die Hälfte hat Angst vor „fremden Menschen“. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung.

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Menschen © János Balázs @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die große Mehrheit der Deutschen sieht Zuwanderer stärker in der Pflicht, sich im Land zu integrieren. 88 Prozent der Bevölkerung sind der Ansicht, dass sich Einwanderer besser in die Gesellschaft einfügen sollten, wie aus einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Erhebung der Marktforschungsinstitute Sinus und YouGov hervorgeht. Dafür wurden Ende November dieses Jahres 2.028 Erwachsene online befragt.

Die Bevölkerung steht der Einwanderung demnach gespalten gegenüber. Mit 55 Prozent gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, die „große Zahl fremder Menschen in Deutschland“ mache ihnen Angst. Befragte, die dieser Aussage zustimmen, hatten bei der Bundestagswahl im vergangenen September mehrheitlich die AfD (91 Prozent) gewählt, gefolgt von der FDP (60 Prozent). Unter Wählern der Grünen ist die Angst vor Zuwanderern am wenigsten verbreitet (25 Prozent). Mit 47 Prozent stimmt andererseits fast die Hälfte der Befragten der Aussage zu, dass Zuwanderer Deutschland bereichern.

Zwei Drittel befürworten Hilfe

Rund zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, geholfen werden müsse und Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpft werden sollten (jeweils 69 Prozent). Kleiner ist hingegen der Anteil der Menschen, die bereit sind, selbst etwas für Flüchtlinge zu tun. 32 Prozent sind demnach bereit dazu, Flüchtlingen mit Spenden zu helfen. 31 Prozent können sich ein ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge vorstellen oder geben an, sich in der Vergangenheit bereits für sie engagiert zu haben.

Einem grundsätzlichen Interesse an anderen Kulturen steht die Gespaltenheit der Bevölkerung im Umgang mit Flüchtlingen jedoch nicht im Weg. Im Urlaub lernen 80 Prozent der Befragten gerne fremde Länder und Kulturen kennen, 78 Prozent essen gerne Speisen aus aller Welt.

Keine Kontrolle = Angst

„Dort, wo man selbst im Kontakt mit Menschen und Kulturen seinen Horizont erweitern kann, präsentieren sich die Deutschen als sehr aufgeschlossen. Sobald sie jedoch das Gefühl haben, keine Kontrolle mehr zu haben, machen sich Ängste breit“, kommentierte Berthold Bodo Flaig, Geschäftsführer des Sinus-Instituts, die Ergebnisse der Befragung.

Die Daten wurden von den Marktforschungsinstituten Sinus und YouGov gemeinsam erhoben und ausgewertet. Einen Auftraggeber gab es nach Angaben von Sinus nicht. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. Ingo Straube sagt:

    Integrieren ist falsch, EINFÜGEN ist richtiger.
    Sie sollen ja nicht ihre fremde Seele eintauschen gegen eine neudeutsche.
    Ja, einfügen sollten sich alle Fremden, aber dazu muss man Ihnen auch Möglichkeiten geben, etwa Arbeit, Schule und ein wohnen außerhalb von Ghettos, statt sie über Monate und Jahre in Lagern rumhängen zu lassen.

  2. mansinto sagt:

    Es gehört zur Schizophrenie der hier befragten Bundesdeutschen (was mit einigem Recht auf die gesamte Bevölkerung übertragen werden darf), in der Regel nicht nur keinen näheren persönlichen Bezug zu den Zuwanderern zu haben, sondern über deren Lebensrealität in der Regel schlicht nichts zu wissen – und dennoch Forderungen aufzustellen, die durch die Zuwanderer kraft deutscher Vorschriften einfach nicht erfüllt werden können, ja, sie hieran gehindert werden.
    Die Unterkünfte oft weit weg von der Dorf-/Stadtgesellschaft, an die Ränder gedrängt, für viele eine Arbeitsaufnahme verboten, schulische Ausbildung gerade für neuangekommene Kinder verunmöglicht – und dennoch ein Mehr an Integration fordern. Ja, lasst sie doch erst mal zu, diese potentielle Integration, lasst doch erst mal Nähe und Kennenlernen zu, dann könnte sich an der Situation der Seperation vielleicht etwas ändern. Aber will das die bundesdeutsche Mehrheitsgesellschaft?



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