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Engpass

Rund 860.000 Menschen in Deutschland haben keine Wohnung

Hohe Mieten, zu wenig Angebote für Alleinerziehende und Großfamilien: Immer mehr Menschen haben keine Wohnung, darunter viele Flüchtlinge. Experten fordern mehr Geld und ein Konzept für den sozialen Wohnungsbau von der Politik.

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Plattenbau © vargklo auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland ist stark gestiegen. Wie aus am Dienstag veröffentlichten Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hervorgeht, waren im vergangenen Jahr rund 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung. Im Vergleich zu 2014 war dies ein Anstieg um etwa 150 Prozent. Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbände forderten die Politik zum Handeln auf.

Grund für den enormen Zuwachs ist auch die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge. Ihre Zahl schätzt die Dachorganisationen der Wohnungslosenhilfen auf rund 440.000. Bis Ende 2018 rechnet die Organisation mit einem weiteren Anstieg auf etwa 1,2 Millionen Wohnungslose in Deutschland.

Die Einwanderung habe die Gesamtsituation dramatisch verschärft, sei aber keineswegs alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot, sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft, Thomas Specht. Zu den Ursachen zähle vor allem auch die erhöhte Zahl der Einpersonenhaushalte. Zudem seien besonders in den Großstädten die Mieten enorm gestiegen. Es fehle an bezahlbaren Angeboten für Geringverdiener, für Alleinerziehende oder Großfamilien.

Wohnungsbau vernachlässigt

Die Politik habe den sozialen Wohnungsbau in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt, sagte Specht. Seit 1990 sei der Sozialwohnungsbestand um etwa 60 Prozent gesunken. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe forderte einen Wohnungsgipfel sowie einen nationalen Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungsnot und mehr finanzielle Mittel.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sprach sich für eine grundlegende Reform des Wohnungsmarktes aus. „Die schnellstmögliche Schaffung preiswerten Wohnraums ist das A und O“, teilte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, mit. Aber der Staat müsse auch Wohnraum zurückkaufen und konsequent gegen Leerstände vorgehen, die nur Spekulationszwecken dienten.

Hilfswerke: Politik muss handeln

Auch die beiden kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas forderten ein schnelles Eingreifen der Politik. Vor allem in Städten und Ballungszentren, zunehmend aber auch im ländlichen Raum, fehle angemessener und bezahlbarer Wohnraum, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Hilfswerke plädierten für ein koordiniertes Vorgehen der politisch Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und Kommunen.

Der Deutsche Mieterbund bekräftigte seine Forderung an die Politik, jedes Jahr rund 400.000 Wohnungen neu zu bauen. Davon sollten mindestens 200.000 Mietwohnungen sein und davon 80.000 Sozialwohnungen. Die Zahlen der Wohnungslosenhilfe sollten ein Weckruf für die Politik sein, erklärte der Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten.

Appell an die künftige Bundesregierung

Den Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft zufolge leben rund 52.000 Menschen, die keinen Flüchtlingsstatus haben, ohne jede Unterkunft auf der Straße. Rund zwölf Prozent der Wohnungslosen ohne Berücksichtigung der wohnungslosen Flüchtlinge sind EU-Bürger. Sie leben vor allem in den Großstädten. Die Straßenobdachlosigkeit sei stark durch die EU-Binnenzuwanderung geprägt, hieß es. Für die Wohnungslosigkeit insgesamt treffe dies jedoch nicht zu.

Mit Blick auf die hohe Zahl von Obdachlosen, die zum Großteil aus osteuropäischen EU-Staaten kommen, appellierte die stellvertretende Geschäftsführerin der Wohnungslosenhilfe, Werena Rosenke, an die künftige Bundesregierung, die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe stärker zu unterstützen. „Ganze Dienstleistungssparten sind abhängig von Arbeitskräften gerade auch aus den osteuropäischen Mitgliedsländern“, sagte Rosenke. Angesichts hoher Staatseinnahmen hätte Deutschland die Mittel, die Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. (epd/mig)

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