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Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Umfrage

Deutsche blicken optimistischer in die Zukunft

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl ist die Stimmung in Deutschland laut einer Studie überwiegend positiv. Internationale Ereignisse wie Flüchtlingskrise, Brexit und Populismus stärken offenbar das Bedürfnis nach stabilen Verhältnissen.

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Menschen © ThisParticularGreg auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Deutschen blicken einer Umfrage zufolge deutlich optimistischer in die Zukunft als andere Europäer. Eine große Mehrheit der Bundesbürger sei zufrieden mit dem Zustand ihres Landes und der Demokratie, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch in Gütersloh bei der Vorstellung einer europaweiten Studie. Demnach sind fast 60 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass sich das Land in die richtige Richtung entwickle – das sind fast doppelt so viele wie bei der letzten Befragung im Frühjahr. 63 Prozent äußerten sich zufrieden mit der deutschen Demokratie.

Mit diesen Werten seien die Bundesbürger im EU-Vergleich Spitzenreiter in puncto Optimismus, hieß es. Am unzufriedensten mit der Entwicklung im eigenen Land seien die Italiener mit nur 13 Prozent. In Frankreich, wo mit Emanuel Macron ein neuer Staatspräsident angetreten ist, gebe es zwar weiter eine Mehrheit für die Pessimisten. Doch habe sich der Anteil der positiv gestimmten Befragten seit dem Frühjahr auf 36 Prozent verdreifacht.

Laut der Umfrage ist die politische Mitte in Deutschland so stark wie in keinem der anderen großen EU-Staaten Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien. Demnach verorten sich 80 Prozent der Deutschen in der politischen Mitte. Die Mehrheit davon (44 Prozent) stufe sich selbst als „mitte-links“ ein. Demgegenüber seien in Frankreich die politischen Ränder im EU-Vergleich am stärksten ausgeprägt: Jeweils ein Viertel der Franzosen steht laut eigener Einschätzung links oder rechts von der Mitte.

Unzufriedenheit führt nach rechts

Wer unzufrieden ist, orientiert sich der Studie zufolge in den EU-Staaten politisch nach rechts. In Deutschland seien dies sieben Prozent der Befragten. Sei seien zu fast zwei Dritteln unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie in Deutschland wie auch in der Europäischen Union. Nur die Hälfte von ihnen würde bei einem Referendum für den Verbleib Deutschlands in der EU stimmen. Allerdings sei die Gruppe derjenigen, die sich selbst als rechts bezeichnen, in Deutschland mit sieben Prozent immer noch sehr klein – in Frankreich seien es 25 Prozent.

Auch wirtschaftlich haben die Bundesbürger nach Einschätzung der Demoskopen offenbar wenig zu beklagen. Für drei Viertel der Befragten hat sich ihre ökonomische Lage entweder verbessert oder ist gleich geblieben. In Italien als Schlusslicht in dieser Kategorie gab mehr als jeder Zweite (54 Prozent) an, dass sich seine Situation verschlechtert habe.

Deutschland geht es gut

Ereignisse wie der Brexit, US-Präsident Donald Trump und dramatische Wahlkämpfe in Nachbarländern hätten offenbar viele Deutsche „tief beeindruckt und davon überzeugt, dass es Deutschland verhältnismäßig gut geht“, sagte die Projektleiterin von eupinions, Isabell Hoffmann. Noch profitiere die Bundesrepublik von ihrer breiten politischen Mitte und guten Wirtschaftszahlen. Entscheidend werde sein, ob es der AfD nach dem wahrscheinlichen Einzug in den Bundestag gelinge, die politische Debatte entlang von Reizthemen wie Asyl und Migration „tiefgreifend zu polarisieren“, sagte Hoffmann.

Die Bertelsmann Stiftung hatte im Juli in allen 28 EU-Ländern insgesamt 10.755 Bürger befragt. In ihren regelmäßigen „eupinions“-Studien ermittelt die Stiftung regelmäßig die Einstellungen der Bevölkerung zur Fortentwicklung der Europäischen Union und einzelnen Politikfeldern. (epd/mig)

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