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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

"Chancen-Ampel" steht auf Hellgrün

Kinder- und Jugendhilfe fordert Neujustierung des Kindergeldes

Kinder- und Jugendliche in Deutschland haben gute Startchancen – aber nicht alle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe. Sie fordert auch mehr Kindergeld für ärmere Familien.

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Grün © Phillie Casablanca auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Junge Menschen in Deutschland haben laut einer neuen Untersuchung gute Startmöglichkeiten für ihr Leben. 41 Prozent von ihnen verlassen die Schule mit Abitur, nur 5,7 Prozent haben keinen Schulabschluss, wie aus dem „Deutschen Kinder- und Jugendmonitor 2017“ hervorgeht, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Die 22 Millionen Kinder und Jugendlichen hätten viele Chancen, sagte Karin Böllert, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, die die Studie des Deutschen Jugendinstituts in Auftrag gegeben hat. Vollkommen zufrieden zeigte sie sich allerdings nicht: Neben Chancen gebe es reichlich Risiken, Probleme und Defizite.

Der Studie zufolge besucht jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. In den vergangenen Jahren habe sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Bei den über Dreijährigen seien es sogar 95 Prozent. Auch das Bildungsniveau der jungen Menschen in Deutschland steige: Immer weniger Schüler besuchten eine Hauptschule, 21 Prozent machten einen Hauptschulabschluss. Auch die Zahl der jungen Menschen ohne Abschluss sinke.

Nicht alle finden Ausbildungsplatz

Gleichzeitig stehen Kinder und Jugendliche auch Problemen gegenüber, wie die Studie bilanziert. 3,7 Millionen der Unter-18-Jährigen (28 Prozent) haben demnach schlechte Startchancen, weil sie von einer Risiko-Lage betroffen sind. Dazu zählen Kinder, die von Armut bedroht sind (19 Prozent), deren Eltern arbeitslos sind (zehn Prozent) oder keine abgeschlossene Berufsausbildung haben (elf Prozent).

Laut der Studie finden auch nicht alle jungen Menschen einen Ausbildungsplatz: 81.000 Bewerber blieben im vergangenen Jahr ohne Stelle. Zusätzlich befinden sich 270.000 Jugendliche im Übergangssystem, in dem sie Praktika und Kurse absolvieren. Für die Untersuchung haben die Experten eine eigene Analyse vorgenommen und vor allem amtliche Statistiken ausgewertet.

Ampel steht auf Hellgrün

„Die ‚Chancen-Ampel‘ für die Generation unter 27 Jahren steht auf Hellgrün – aber noch längst nicht auf Dunkelgrün“, bilanzierte Böllert. Sie forderte, arme Familien müssten finanziell besser gestellt werden: „Hierzu muss das Kindergeld neu justiert werden.“ Sie erklärte weiter: „Die Gleichung ‚jedes Kind bekommt gleich viel‘ führt bislang dazu, dass Kinder wohlhabender Familien besser gefördert werden können als Kinder, die unter Armutsbedingungen aufwachsen.“

Außerdem müsse die Qualität der Kitas verbessert werden, sagte Böllert: „Ziel muss es sein, in den Kitas eine deutliche Verbesserung der Erziehung, Bildung und Betreuung zu erreichen.“ Deshalb würden kleinere Gruppen und mehr Personal gebraucht. Wichtig sei auch, die Kita als Chancengeberin für Flüchtlingskinder zu begreifen: „Wir fordern für alle 120.000 unter-sechsjährigen Flüchtlingskinder einen Kita-Platz.“

Qualitätsoffensive

Auch Ganztagsschulen bräuchten eine Qualitätsoffensive, sagte Böllert. Bislang hätten sie ihr Versprechen, mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen, nicht eingehalten: „Ganztagsschulen sind aus der Perspektive der Schüler unattraktiv.“ Man brauche ein Angebot, das mehr auf die Bedürfnisse von Kindern und auf die Wünsche von Eltern eingehe.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe lädt für kommende Woche zum Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag nach Düsseldorf ein. Vom 28. bis 30. März soll es nach Angaben des Veranstalters mehr als 200 Veranstaltungen und etwa 400 Aussteller geben. Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) wird erwartet. (epd/mig)

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