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Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Bayern

CSU bringt teilweises Burka-Verbot auf den Weg

Bayern hat ein Burka-Verbot für Lehrerinnen und Erzieherinnen auf den Weg gebracht. Die bayerische Staatsregierung will so die „Kultur der offenen Kommunikation“ schützen. Unklar ist, wie viele Personen das geplante Verhüllungsverbot treffen wird.

Bayern @ MiG
Bayern @ MiG

Die bayerische Staatsregierung hat einen Gesetzentwurf zum sogenannten Burka-Verbot für besonders sensible Bereiche des öffentlichen Lebens beschlossen. Gesichtsverhüllung soll im öffentlichen Dienst, in Hochschulen, Schulen, Kindertagesstätten, im Bereich der allgemeinen Sicherheit und Ordnung sowie bei Wahlen verboten werden, wie die Staatskanzlei am Dienstag nach der Ministerratssitzung in München mitteilte.

Bereits im Dezember hatte das Bundeskabinett ein Gesetz für ein Burka-Verbot im Beamtenrecht auf den Weg gebracht. Damit soll Bundesbeamten und Soldaten bei Ausübung ihres Dienstes sowie bei Tätigkeiten „mit unmittelbarem Dienstbezug“ eine Verhüllung des Gesichts verboten werden. Unter den Bundesländern herrscht größtenteils Zurückhaltung, analog dazu für deren jeweiligen Zuständigkeitsbereich Verbote der muslimischen Vollverschleierung in Form von Burka oder Nikab zu beschließen.

Herrmann

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, dass gerade Beamte sowie Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in besonderer Weise zu Neutralität gegenüber dem Bürger verpflichtet seien. Im Bereich der allgemeinen Sicherheit und bei Wahlen sei es erforderlich, die Identität festzustellen. Eine Gesichtsverhüllung widerspreche außerdem dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag in Kindertagesstätten und Schulen.

Herrmann sagte, zu einem freiheitlich-demokratischen Werteverständnis christlich-abendländischer Prägung gehöre eine Kultur der offenen Kommunikation. Diese finde nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Blicke, Mimik und Gestik statt. „Eine Verhüllung des Gesichts widerspricht dieser Kommunikationskultur“, sagte der CSU-Politiker. Wie viele Personen vom geplanten Burka-Verbot betroffen sein werden, ließ der CSU-Minister offen. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. Saadiya sagt:

    Ich kenne ehrlich gesagt keine Lehrerin oder Erzieherin mit einer Burka im Dienst. Daher wundern mich solche Erlasse immer wieder, denn es soll ein Problem vermeiden, wo nie eines war oder wozu es keinen Anlass zum Erlass gibt.

  2. karakal sagt:

    Die Argumentation mit der zu wahrenden Neutralität des Staates ist größtenteils Heuchelei, da zahlreiche seiner Vertreter sich in anderen Angelegenheiten bezüglich der Muslime überhaupt nicht neutral verhalten.

  3. Veronik sagt:

    @Saadiya

    Damit nicht eines Tages eine Lehrerin mit Burka auftaucht ist es aufjedenfall clever dies jetzt schon zu verbieten, denn dann machen sich burkatragende Frauen erst gar nicht die Hoffnung auf den Beruf des Lehrers und geben das Geld nicht sinnlos für eine Lehrerausbildung aus. Ganz so dumm ist das Gesetz gar nicht vor allem ist ja in den letzten Jahren ein starker Trend zu mehr Verhüllung und konservativerer Auslegung des Islams zu erkennen. Warum dem nicht frühzeitig seine Grenzdn zeigen?



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