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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Babyboom

Hohe Geburtenrate bei Migranten führt zum 33-Jahreshoch

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lagt 2015 so hoch wie seit 33 Jahren nicht mehr. Einen wesentlichen Anteil an diesem Babyboom haben Frauen mit Migrationshintergrund. Familienministerin Schwesig freut sich.

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Baby (Symbolfoto) © Gonzalo Merat auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Frauen in Deutschland bekommen so viele Kinder wie seit 33 Jahren nicht mehr. Die durchschnittliche Kinderzahl stieg im vergangenen Jahr auf 1,50 Kinder je Frau, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Das sei der bislang höchste Wert im wiedervereinigten Deutschland. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärte: „Mit dem ElterngeldPlus und dem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung sind wir auf dem richtigen Weg, doch können wir noch mehr tun.“

Ihren Worten zufolge gibt es laut Studien nur ein einziges familienpolitisches Instrument, dass messbar die Geburtenrate erhöhe: die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur. „Mehr Kita-Plätze und mehr Ganztagsschulen führen zu mehr Kindern. Deshalb setze ich mich für den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung auch für Schulkinder ein“, betonte die Ministerin.

Flüchtlinge spielen keine große Rolle

Auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) sieht einen Grund für die Trendwende in der Familienpolitik der Bundesregierung, vor allem in der besseren externen Betreuung von Kleinkindern. Wirkung zeigten zudem die besseren Arbeitsmarktchancen von Frauen, sagte BiB-Forschungsdirektor Martin Bujard dem epd.

Auch gebe es mehr Migranten, sagte Bujard. Während bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit die Geburtenziffer laut Statistikamt nur geringfügig von 1,42 Kindern je Frau 2014 auf 1,43 stieg, wuchs sie bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit deutlich von 1,86 auf 1,95. Sie trugen damit zum Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer aller Frauen wesentlich bei. Die vielen Flüchtlinge, die im Vorjahr nach Deutschland kamen, spielen in diesen Berechnungen keine große Rolle, wie Bujard betonte: „Sie hätten schon bei ihrer Einreise schwanger sein müssen.“

Zuwachs nahezu im gesamten Bundesgebiet

Im Vergleich zu 2014 wurden im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 27 Babys pro 1.000 Frauen mehr geboren (Geburtenziffer von 1,47). Der Zuwachs sei allerdings nur rund halb so groß wie 2014 gewesen, damals gab es ein Plus von 56 Geborenen pro 1.000 Frauen.

In 13 Bundesländern nahm die Geburtenziffer 2015 zu, wie das Bundesamt mitteilte. Lediglich in Berlin sei sie unverändert geblieben sowie in Brandenburg und Niedersachsen geringfügig gesunken. Das durchschnittliche Alter der Mütter bei Geburt des Kindes lag laut den Angaben 2015 mit 31 Jahren rund einen Monat höher als 2014. Bei den Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit stieg es um rund zwei Monate auf gut 31 Jahre, bei den ausländischen Müttern sank es um etwa drei Monate auf 30 Jahre.

Tiefpunkt im Jahr 1968

Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre, wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr. BiB-Forschungsdirektor Bujard verwies darauf, dass die deutsche Geburtenrate mit 1,50 Kindern je Frau im Vergleich etwa zu Frankreich oder den skandinavischen Ländern weiterhin sehr niedrig sei.

Seinen Angaben nach hatten die Frauen des Jahrgangs 1933, die heute 83 Jahre alt sind, mit im Schnitt 2,22, Kindern die höchste Kinderzahl im 20. Jahrhundert: „Seitdem ist diese Zahl jedes Jahr kontinuierlich zurückgegangen.“ Sie lag 1968 auf dem Tiefpunkt bei 1,49 Kindern je Frau. Bei jüngeren Frauen ist sie laut Bujard „wieder angestiegen, heute 40-jährige Frauen werden auf durchschnittlich 1,6 Kinder kommen“.

Bujard betonte, um die Generationen stabil zu halten, sei eine Rate von 2,1 Kindern je Frau nötig: „Davon sind wir noch weit entfernt.“ (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Matthias Vernim sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben den Satz umformuliert. Die Redaktion

    „Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt die durchschnittliche Zahl der Kinder an, die Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren in dem jeweiligen Jahr bekommen haben.“

    Sorry, aber das stimmt so nicht und ist offensichtlich Unsinn. Wie sollen denn bitte Frauen im Schnitt 1,5 Kinder im Jahre bekommen, außer bei einer plötzlichen Zwillingswelle? An eine solche kann ich mich nicht erinnern.
    Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt stattdessen an, wie viele Kinder die Frauen in Deutschland im Schnitt im Lauf ihres Lebens bekommen WÜRDEN, wenn die Geburtenziffern so blieben wie in dem jeweiligen Jahr. Das ist übrigens so auch wortwörtlich auf der BiB-Website nachzulesen…



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