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Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Muslime strömen zum Hadsch

Per Rad von China nach Mekka

Nach den Unglücken von 2015 bereiten sich die Saudis auf den bevorstehenden Hadsch vor. Viele Pilger sind schon da – einer kam per Rad aus China.

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Auf dem Fahrrad (Symbolfoto) © SmarterEveryDay

Für ihn dürfte die Anreise nach Mekka am aufwendigsten gewesen sein. Der Chinese Mohammed Bamachin fuhr mit dem Fahrrad nach Saudi-Arabien, um am Hadsch teilzunehmen, der großen islamischen Pilgerfahrt. Mohammed – der nun den Ehrentitel des Pilgers, Hadschi, trägt – war nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA vier Monate unterwegs, legte 8.150 Kilometer zurück und überquerte unwegsame Bergregionen, bevor er von Bahrain aus ins islamische Königreich einreiste.

In Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed, laufen derzeit die letzten Vorbereitungen für die Wallfahrt, an der jährlich mehr als zwei Millionen Gläubige teilnehmen. Am 11. September wird der Hadsch mit dem Gebet auf dem Berg Arafat seinen Höhepunkt haben. Dieses Datum steht erst seit Donnerstag fest: An dem Abend hielten Muslime in aller Welt Ausschau nach dem Neumond, der den Beginn des heiligen Monats markiert.

Das islamische Opferfest wird am 12. September gefeiert. Der Hadsch gehört zu den muslimischen Pflichten. Die Pilger, in weiße Tücher gehüllt, umkreisen in Mekka die Kaaba, ziehen zum Berg Arafat, vollziehen mit Kieseln eine symbolische Steinigung des Teufels und wiederholen dabei immer wieder die Worte „labaika allahuma labaik“ („Hier bin ich, Herr“).

Im vergangenen Jahr hatten zwei schwere Unglücke den Hadsch überschattet: Kurz vor Beginn der fünftägigen Veranstaltung stürzte wegen eines Unwetters ein Kran in die Große Moschee von Mekka – mehr als hundert Menschen wurden getötet. Zum Ende der Pilgerfahrt ereignete sich gar die schlimmste Tragödie seit 25 Jahren: Zwischen 750 und 2.500 Menschen kamen nach unterschiedlichen Schätzungen ums Leben, als im Gedränge Panik ausbrach.

Da unter den Opfern viele Iraner waren, kam es zum politischen Eklat: Während die Saudis die iranischen Pilger für die Katastrophe verantwortlich machten, warf der Iran den örtlichen Behörden vor, bei der Koordinierung versagt zu haben. Der Iran kündigte später an, dass in diesem Jahr keine Pilger aus dem Iran zum Hadsch kämen.

Die saudischen Behörden setzen nun zur Sicherheit der Pilger auf High-Tech. So sollen die Gläubigen elektronische Armbänder tragen, auf denen Daten zu Person, Standort und Gesundheit gespeichert sind. Damit soll in der Masse jeder identifizierbar sein.

Die Armbänder sind laut saudischen Medien wasserabweisend und mit GPS ausgestattet. Pilger erhielten über sie Informationen zu Gebetszeiten und würden planmäßig zu den Orten der Rituale dirigiert. Tausende Überwachungskameras sollen den Behörden Überblick verschaffen, damit sie bei drohender Gefahr rechtzeitig eingreifen können.

Doch drohen der großen Zusammenkunft der Muslime noch weitere Gefahren. Denn dass Dschihadisten vor Angriffen auch auf die heiligsten Stätten des Islams nicht zurückschrecken, machte ein Selbstmordanschlag auf die Moschee mit dem Grab des Propheten im Juli in Medina deutlich.

Mekka wurde schon vor der Zeit von Al-Kaida und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ Ziel von Terroristen: Im Jahr 1979 stürmten sunnitische Extremisten die Große Moschee und nahmen Tausende Menschen als Geiseln. Sie hatten den Sturz des saudischen Herrscherhauses zum Ziel. Nach zwei Wochen endete die Besetzung mit einem Blutbad: Bei der Erstürmung des Heiligtums verloren Hunderte Menschen ihr Leben. (epd/mig)

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