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Baden-Württemberg

Landesminister will in sozialen Medien Deutschpflicht für Muslime

Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Hauk hätte es gerne, wenn in sozialen Netzwerken nur noch in deutscher Sprache kommuniziert werden würde. Das gelte besonders für Muslime. Die müssten „gezielt sensibilisiert“ werden.

Facebook, Like, Daumen, Daumen hoch, Teilen
Facebook, der weltweit größte soziale Netzwerk im Internet © west.m @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM8. August 2016

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RESSORTAktuell, Politik

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Für den ausschließlichen Gebrauch der deutschen Sprache im Internet und in den sozialen Netzwerken macht sich der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) stark. „Wer in unserem Land lebt, sollte in der Landessprache kommunizieren“, sagte der Minister den Tageszeitungen Heilbronner Stimme und Mannheimer Morgen.

Das gelte auch für soziale Medien und betreffe insbesondere muslimische Mitbürger. Sie sollten „gezielt sensibilisiert“ werden. Denn muslimische Bürger bewegten sich im Internet „häufig nur innerhalb der türkischen Community“, sagte Hauk.

Außerdem spricht sich der Minister für ein härteres Vorgehen gegen Straftaten und Hetze im Internet aus. Wenn das Netz von radikalen Kreisen für ihre Zwecke genutzt werde, sei nicht auszuschließen, dass es „zu Einschränkungen der Freiheitsrechte“ komme. Über Gewaltspiele sollen Hauk zufolge die Verbraucherschutzminister bei ihrer nächsten Konferenz reden.

Sollten Forschungen zeigen, dass tatsächlich solche Spiele zum Risiko werden, müsse ernsthaft über ein Verbot gesprochen werden. Denn es gehe dabei „um die Sicherheit und die Zukunft unserer Kinder“, sagte der CDU-Politiker. (epd/mig)

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5 Kommentare
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  1. Lehrkraft sagt:

    Loriot sagte einmal, dass Richard Wagner sich, als er nach Stuttgart kam, des Altgriechischen befleißigte, um mit den zutraulichen Einheimischen zu kommunizieren. Warum Ausländer heute in Ba-Wü Deutsch lernen sollen ist mir ein Rätsel, denn Wagner sprach hervorragend Deutsch, kam damit in Stuttgart aber auch nicht weiter.
    Ja, in den sozialen Netzwerken muss man natürlich aufpassen, dass die Leute Deutsch schreiben, die Verwendung der Muttersprache (z.B. Kurdisch) könnte als „separatistische Tendenz“ eingestuft werden. Das kennen die Kurden schon aus der früheren Türkei, und es würde ihnen ein Gefühl von der alten Heimat geben.
    Man könnte sie auch zwingen, einen deutschen Namen anzunehmen, wie Wilhelm oder Fritz, damit sie so ihren Integrationswillen unter Beweis stellen. Und der Herr Peter Hauk könnte statt „türkischer community“ mal „türkische Gemeinschaft“ sagen, denn wir sind hier in Deutschland und sprechen Deutsch.
    Wer in sozialen Netzwerken wie „Gesichtsbuch“ schreibt, der sollte grundsätzlich nur mit Leuten schreiben, die auch Deutsch sprechen. Kommunikation in einer Fremdsprache mit Leuten, die gar kein Deutsch sprechen (Familie im Herkunftsland) ist ja eigentlich schon eine Zumutung für uns Deutsche. Überhaupt sollten Menschen die in Deutschland leben keine Fremdsprachen lernen, wozu denn? In Deutschland wird Deutsch gesprochen, in Afrika Afrikanisch, in Australien Australisch usw. So einfach ist das, der Herr Hauk sieht die Sache richtig!

    Und selbstverständlich brauchen wir „Einschränkungen der Freiheitsrechte“. Es ist ja so, dass die, die im Internet auf Arabisch schreiben, meine Rechte auf ein deutsches Internet einschränken. Denn in dem Land wo man lebt hat man ein Recht auf Internet in der Landessprache. Das leuchtet jedem ordentlichen CDU-Wähler sofort ein.

  2. Lynxx sagt:

    Im weltweiten Spinnennetz (Tela Totius Terrae = TTT) oder Interrete gibt es lateinische Foren, wie „Grex Latine Loquentium“. Wenn es nach Minister Hauk ginge, dann müssten dort wohl deutschsprachige Teilnehmer miteinander auf Deutsch anstatt auf Lateinisch kommunizieren, wenn gerade keine anderssprachigen im Locutorium (Chatroom) sind. Als deutscher Muttersprachler lasse ich es mir nicht nehmen, mit anderen deutschen Muttersprachlern, die ebenfalls gut Arabisch können, im Staatsgebiet der BRD Arabisch zu sprechen. Hauks Forderung zeugt von kulturellem Bankrott. Die Deutschen selbst sind gerade dabei, ihre Sprache mit Anglizismen und Ausdrücken des Genderwahnsinns zu verderben. Da wirkt Hauks Forderung wie ein verzweifelter Rettungsversuch, der jedoch in die falsche Richtung geht.

  3. aloo masala sagt:

    Wer in unserem Land lebt, sollte sich zu unseren Werten und zu unserer Grundordnung bekennen.

    Unsere Werte sehen nur keinen Sprachzwang vor und auch keine Diskriminierung auf Grundlage der Religionszugehörigkeit.

    Nicht die Muslime stehen im Abseits, sondern wieder einmal ein CDU-Politiker, der sich beharrlich weigert in das deutsche Wertesystem zu integrieren und bis heute nicht gelernt hat, die Sprache des Grundgesetzes zu sprechen.

  4. Fritz Basseng sagt:

    Ich unterstütze Haucks Vorschlag:
    Ich habe alle meine türkischstämmigen Freunde schon vor langer Zeit gebeten, ihre in türkischer Sprache geschriebenen Beiträge auch in deutscher Übersetzung zu verfassen. Und alle erfüllen gern meinen Wunsch.

  5. Fritz Basseng sagt:

    Allerdings lehne ich ab, dass „NUR NOCH“ deutsch geschrieben wird. Da w3äre mir ein genenrelles „DENGLISH“-Verbot sehr viel lieber!!



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