MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Jahresstatistik für 2015

Fast 8.000 Flüchtlingskinder in Deutschland verschwunden

Die Statistik weist mehr als 8.000 vermisste Flüchtlingskinder aus. Doch wie viele tatsächlich verschwunden oder in kriminelle Hände geraten sind, ist unklar. Problematisch sind nicht nur Mehrfachregistrierungen minderjähriger Flüchtlinge.

syrisches Kind, Kind, Syrien, Flüchtling, Angst, Teddybär
Ein Kind (Symbolfoto) © Freedom House @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

In Deutschland gelten zur Zeit mehr als 8.600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als vermisst. Rund 780 davon seien jünger als 13 Jahre alt, teilte das Bundesinnenministerium am Montag in Berlin mit. Mehr als 7.750 und damit die überwiegende Mehrheit sei zwischen 14 und 17 Jahren alt. Da sich die Zahlen auf den 1. April als Stichtag beziehen, könnten sie sich in der Zwischenzeit verändert haben, hieß es aus dem Ministerium.

Die Statistik war anlässlich einer Antwort auf eine kleinen parlamentarischen Anfrage der Grünen veröffentlicht worden. Darin heißt es, Gründe für das Verschwinden der Flüchtlingskinder könnten nicht genannt werden. Die vermissten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kämen jedoch „überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Marokko und Algerien“.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums nannte die bekanntgewordenen Zahl der Vermissten als ungenau und relativierte sie: Wahrscheinlich sei sie viel höher als die Zahl der Flüchtlingskinder, die tatsächlich verschwunden seien. Die Statistik addiere Registrierungen auf, korrigiere sie aber kaum nach unten, sagte der Sprecher. Minderjährige, die in Deutschland ankämen, würden in Obhut genommen und registriert. Macht sich ein Minderjähriger danach eigenständig weiter auf die Suche nach seinen Verwandten und finde sie in einer anderen Stadt oder gar im europäischen Ausland, falle er in der Regel nicht aus der Zählung der Vermissten. Nur in den seltensten Fällen erführen die Behörden davon.

Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums ergänzte, dass es in Deutschland zudem zu Mehrfachregistrierungen komme. Auf der Suche nach Verwandten könnten einige Minderjährige möglicherweise „vier- bis fünfmal“ erfasst werden. Nach der ersten Registrierung bei der Ankunft in Deutschland folgten weitere, etwa wenn die Flüchtlinge in einer anderen Stadt von der Polizei aufgegriffen würden oder dort nach einem neuen Schlafplatz suchten. „Wir haben da mehrere Zählungen“, sagte die Sprecherin. Daher müsse der Datenaustausch verbessert werden.

Beide Ministeriumssprecher betonten, man nehme Vermisstenmeldungen sehr ernst. „Wir sind schon sehr sensibilisiert, denn es ist eben nicht ausgeschlossen, dass Kinder und Jugendliche in die Hände von Kriminellen fallen“, sagte die Sprecherin. Auch die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg warnte davor, dass verschwundene Flüchtlingskinder Opfer von Menschenhändlern werden könnten. Es bereite ihr Sorgen, dass die Bundesregierung „die Gefahren durch Zwangsprostitution und Ausbeutung nicht ernsthaft in Betracht zieht“, erklärte sie. „Dass 5.835 unbegleitete Jugendliche und Kinder, die im vergangenen Jahr verschwunden sind, die Bundesregierung nicht in Alarmbereitschaft versetzen, ist traurig.“ (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...