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Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Selbständigkeit

So gelingt die Finanzierung auch bei Migranten

Allein im Jahr 2014 haben sich 179.000 Migranten selbständig gemacht. Die Gründerquote liegt bei ihnen trotz höherer Hürden deutlich über dem Duchrschnitt. Das erste und größte Problem stellt meist die Finanzierung da. Doch es gibt vielfältige Möglichkeiten.

Euro © Alf Melin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Euro © Alf Melin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Migranten sind gründungsfreudig. Das zeigt eine Analyse der bundeseigenen Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau. Alleine im vorletzten Jahr machten sich 179.000 Migranten hierzulande selbständig, die Gründerquote liegt bei ihnen um zehn Prozent höher als im Durchschnitt. An Ideen fehlt es also nicht, wohl aber häufig an dem nötigen Startkapital.

Die Finanzierung ist allgemein eine der gravierendsten Hürden bei Existenzgründungen. Gerade Migranten verfügen aufgrund ihres besonderen Lebenslaufes oft nicht über größere Eigenmittel für eine Gründung. Es ist auch wenig Vermögen vorhanden, aus dem Kredite besichert werden könnten. Die herkömmliche Bankfinanzierung scheidet daher vielfach aus. Doch das sollte kein Grund sein, das Vorhaben deswegen aufzugeben. Denn es gibt nicht nur vielfältige öffentliche Fördermöglichkeiten für Gründer, auch bei der Finanzierung „über den Markt“ können interessante Angebote genutzt werden. Wir stellen die wichtigsten vor.

1. Der Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit

Oft erfolgt eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit. Für solche Gründer kann die Agentur für Arbeit Zuschüsse gewähren, die in den ersten Monaten der Selbständigkeit finanzielle Entlastung bringen. Der Vorteil ist: Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden, es handelt sich de facto um „geschenktes Geld“. Allerdings sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen – u.a muss noch mindestens 150 Tage ALG I-Anspruch bestehen – und die Arbeitsagentur entscheidet nach Ermessen über die Gewährung.

2. Kreditplattformen – Alternative zum Bankkredit

Kreditplattformen im Internet werden immer häufiger als Alternative zur Bankfinanzierung genutzt. Gerade Gründer erhalten hier Zugang zu Krediten, die sonst nicht möglich wären. Auch die Konditionen sind oft attraktiver. Unschlagbar sind zum Beispiel Angebotene mit einer Null-Prozent-Finanzierung. Hier wurde Smava.de stark besonders positiv von der Stiftung Warentest hervorgehoben.

3. Öffentliche Fördermittel – Existenzgründungskredite

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau und andere Förderinstitute bieten zahlreiche Förderprogrammen für Existenzgründer an. In der Regel handelt es sich um längerfristige zinsgünstige Darlehen mit weiteren vorteilhaften Ausgestaltungen. Häufig bestehen Erleichterungen bei der Absicherung und manche Förderkredite besitzen sogar Eigenkapitalcharakter. Der Weg führt üblicherweise über eine Bank vor Ort, die das Vorhaben prüft und die Mittel beantragt.

4. Mikrokredite aus dem Mikrokreditfonds

Mikrofinanzinstitute bieten kleinere Kredite (bis 20.000 Euro) für Gründungsvorhaben. Menschen mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich angesprochen. Die Mittel stammen aus dem Mikrokreditfonds Deutschland der Bundesregierung. Die Konditionen sind marktüblich.

Ohne Planung und Konzept geht es nicht

Welche Wege auch immer bei der Finanzierung beschritten werden – ein tragfähiges Unternehmenskonzept (Business Plan) ist ebenso Pflicht wie eine solide Finanzplanung. Externe Geldgeber machen beides zur Bedingung für ihr Engagement. Und mögliche Finanzierungsfehler können damit von Anfang an vermieden werden.

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