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Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Kultur prägt Arbeitsmarkterfolg

Was für die Integration von Muslimen wichtig ist

Muslimische Migranten gehören in Europa zu den Schlusslichtern auf dem Arbeitsmarkt. Als ein Grund wird oft ethnische Diskrimi­nierung angeführt. Eine WZB-­Studie widerspricht dieser Annahme. Von Prof. Ruud Koopmans

Muslime, Islam, Moschee, Männer, Freunde
Muslime © Maks Karochkin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONRuud Koopmans

Ruud Koopmans ist Direktor der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung, Gastprofessor für Politische Wissenschaften an der Universität Amsterdam und lehrt als Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt­-Universität zu Berlin.

DATUM24. März 2016

KOMMENTARE5

RESSORTAktuell, Meinung

QUELLE WZB-Mitteilungen Nr. 151

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Überall in Europa schneiden Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt deutlich schlechter ab als Mitglieder der Mehrheitsbevölkerung. Sie sind öfter arbeitslos oder aus anderen Gründen beruflich inaktiv, und wenn sie arbeiten, dann meist in Jobs mit geringerem Status und Einkommen. In allen europäischen Ländern zählen muslimische Migranten zu den Schlusslichtern auf dem Arbeitsmarkt – seien es Türken in Deutschland und Österreich, Nordafrikaner in Frankreich und Belgien oder Pakistani und Bangladeschi in Großbritannien. Woran liegt das?

Aus einer Fülle von internationalen Studien wissen wir, dass diese Nachteile nur zum Teil durch demografische Merkmale wie die Altersstruktur oder das allgemein niedrigere Bildungsniveau von Migranten, insbesondere von Muslimen, erklärt werden können. Die Literatur verweist deshalb auch auf sogenannte „ethnic penalties“ – Arbeitsmarktnachteile, die wahrscheinlich auf ethnische Diskriminierung durch Arbeitgeber zurückzuführen sind. Feldexperimentelle Studien mit fingierten Bewerbungen zeigen, dass ethnische Diskriminierung auf den Arbeitsmärkten aller westeuropäischen Länder ein reales Phänomen ist. Wie groß ihr Einfluss auf den Arbeitsmarkterfolg von Migranten tatsächlich ist, können solche Feldexperimente aber nicht nachweisen.

Eine ergänzende Erklärung für Arbeitsmarktnachteile von Migranten bieten soziokulturelle Faktoren wie Sprachkenntnisse, interethnische soziale Kontakte sowie für die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen auch Wertvorstellungen über die gesellschaftliche Rolle der Frau. Gute Sprachkenntnisse sind für viele Jobs eine wichtige Voraussetzung. Migranten, die die Landessprache weniger gut beherrschen, haben deshalb Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. Dass soziale Kontakte eine wichtige Rolle bei der Arbeitssuche spielen, ist seit Langem bekannt. In Einwanderungsgesellschaften sind es die Mitglieder der Mehrheitsgruppe, die über die besten Informationen über Jobangebote und Berufschancen verfügen, und trotz der Existenz ethnischer Nischenmärkte gehören die meisten Arbeitgeber zur ethnischen Mehrheit. Wenn Arbeitnehmer soziale Kontakte bei der Jobsuche nutzen und sich Arbeitgeber bei der Suche nach geeigneten Kandidaten auf ihre sozialen Netzwerke verlassen, haben Migranten mit wenig sozialen Kontakten zur Mehrheitsbevölkerung schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dass Frauen weniger am Arbeitsmarkt partizipieren als Männer, muss auch nicht unbedingt auf Diskriminierung hinweisen. In vielen Kulturen insbesondere in solchen, die stark religiös geprägt sind – wird bezahlter Arbeit für Frauen kein hoher Wert beigemessen oder sogar aktiv davon abgeraten. Dass insbesondere muslimische Frauen eine sehr niedrige Arbeitsmarktbeteiligung haben, könnte deshalb auf Wertvorstellungen über die Rolle der Frau zurückzuführen sein.

Soziokulturelle Einflüsse werden aber selten berücksichtigt, da entsprechende Daten in Bevölkerungsumfragen und Arbeitsmarktstatistiken nicht erhoben werden. Ein WZB­Projekt zur Integration von muslimischen Migranten füllt diese Lücke. Es liefert Daten aus einer Umfrage aus dem Jahr 2010 unter fast 7.000 Personen in sechs europäischen Ländern – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz. Vier mehrheitlich muslimische Migrantengruppen – Türken, Marokkaner, Pakistani und exjugoslawische Muslime  aus  Bosnien und dem Kosovo  – sowie eine Gruppe ohne Migrationshintergrund wurden miteinander verglichen. Die muslimische Gruppe umfasste Mitglieder dreier Migrantengenerationen: die im Ausland geborene und als Erwachsene eingewanderte erste Generation, die in den Einwanderungsländern von eingewanderten Eltern geborene zweite Generation und die im Ausland geborene, aber als Kind eingewanderte sogenannte „anderthalbte“ Generation. Die Zurechnung zur Gruppe der Muslime erfolgte auf Basis der Selbsteinordnung der Befragten als Angehörige der islamischen Religion. Untersucht wurden zwei Aspekte der Arbeitsmarktintegration: die Arbeitsmarktpartizipation – der Anteil der 18bis 64­Jährigen, die eine bezahlte Arbeit haben oder suchen – und die Arbeitslosigkeit – der Anteil der Arbeitsuchenden an den auf dem Arbeitsmarkt Aktiven. Alle Analysen wurden getrennt für Männer und Frauen durchgeführt.

In einem ersten Schritt wurde untersucht, welchen Unterschied demografische Merkmale wie Alter, Familienstand, Kinderzahl und Einwanderergeneration sowie das Bildungsniveau machen. In einem zweiten Schritt wurde der Einfluss soziokultureller Faktoren geklärt. Hier wurde unterschieden zwischen Personen mit hoher und niedriger soziokultureller Assimilation.

Personen mit hoher soziokultureller Assimilation sind solche, die:

  • nie sprachliche Verständigungsprobleme haben;
  • hauptsächlich Medien des Wohnlands nutzen;
  • mehrheitlich Mitglieder der Mehrheitsgruppe als Bekannte und Freunde haben;
  • zwei oder mehr Mitglieder der Mehrheitsgruppe in ihrem breiteren Familienkreis haben;
  • Auffassungen über die Rolle der Frau haben, die denen des durchschnittlichen Mitglieds der Mehrheitsgesellschaft entsprechen.

Personen mit niedriger soziokultureller Assimilation sind solche, die:

  • oft sprachliche Verständigungsprobleme haben;
  • Medien des Herkunftslands und des Wohnlands in ähnlicher Häufigkeit nutzen;
  • wenig Nachbarschaftsbekannte und fast keine Freunde aus der Mehrheitsgruppe haben;
  • keine Mitglieder der Mehrheitsgruppe in ihrem breiteren Familienkreis haben;
  • Auffassungen über die Rolle der Frau haben, die denen des durchschnittlichen Muslims in der Befragung entsprechen.

Bei der Arbeitsmarktbeteiligung von Männern ergeben sich bei gleichen demografischen Merkmalen und gleichem Bildungsstand kaum Unterschiede zwischen Befragten mit und ohne Migrationshintergrund. Auch die drei Migrantengenerationen sind untereinander sehr ähnlich. Männer aller Gruppen sind in der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren zu mehr als 85 Prozent aktiv auf dem Arbeitsmarkt. Bei den Frauen zeigen sich jedoch starke Unterschiede. Frauen ohne Migrationshintergrund sind zu 70 Prozent aktiv auf dem Arbeitsmarkt, während dies bei den muslimischen Frauen der ersten Generation weniger als 50 Prozent sind. Die beiden anderen Generationen liegen dazwischen.

Für die Arbeitsmarktpartizipation der muslimischen Männer ändert sich nichts Wesentliches, wenn wir den soziokulturellen Hintergrund berücksichtigen. Sie liegt in allen Gruppen weiterhin über 80 Prozent. Bei den Frauen zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Muslimische Frauen mit einem hohen Niveau soziokultureller Assimilation partizipieren in allen drei Generationen zu mehr als 65 Prozent am Arbeitsmarkt. Damit unterscheiden sie sich nicht von Frauen der Mehrheitsgruppe. Dagegen sind in allen drei Migrantengenerationen deutlich weniger als die Hälfte der Frauen mit niedriger soziokultureller Assimilation auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Die Analysen zeigen, dass dabei vor allem Sprachkenntnisse, Mediennutzung und Auffassungen über die Rolle der Frau eine wichtige Rolle spielen.

Welche Faktoren erklären Arbeitslosigkeit? Könnte Diskriminierung eine Rolle dabei spielen, ob diejenigen, die Arbeit suchen, auch eine Stelle finden? Unsere Analysen bestätigen zunächst frühere Studien: Bei gleichen demografischen Merkmalen und gleichem Bildungsstand bestehen für Männer und Frauen sehr große Gruppenunterschiede. Männer der Mehrheitsgruppe sind zu weniger als 5 Prozent arbeitslos, während es bei muslimischen Männern der ersten Generation über 15 Prozent und bei Muslimen der beiden anderen Generationen deutlich mehr als 10 Prozent sind. Das Bild bei den Frauen ist ähnlich: Frauen der Mehrheitsgruppe, die auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind, sind zu etwa 7 Prozent arbeitslos, während dies bei den muslimischen Frauen je nach Generation zwischen 12 und 16 Prozent sind.

Das Bild verändert sich aber radikal, wenn man die soziokulturellen Faktoren berücksichtigt. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen der Mehrheitsgruppe und Muslimen sind sehr gering, wenn diese ein hohes Niveau soziokultureller Assimilation aufweisen. Dagegen liegen die Arbeitslosigkeitsraten von Muslimen mit niedriger soziokultureller Assimilation über 15, zum Teil sogar über 20 Prozent. Sie unterscheiden sich damit sehr stark von den Mitgliedern der Mehrheitsgruppe wie auch von ihren mehr assimilierten Glaubensgenossen. Die Analysen zeigen, dass bei Männern wie Frauen fehlende interethnische Kontakte und bei Männern außerdem sprachliche Defizite mit höheren Arbeitslosigkeitsraten einhergehen.

Info: Die Untersuchung stützt sich auf eine Umfrage unter 7.000 Personen in sechs europäischen Ländern, für die vier mehrheitlich muslimische Migrantengruppen sowie eine nichtmuslimische Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund befragt wurden. (Koopmans, Ruud: „Does Assimilation Work? Sociocultural Determinants of Labour Market Participation of European Muslims“. In: Journal of Ethnic and Migration Studies, 2016, Volume 42, No. 2, pp. 197-216.)

Nun könnte man argumentieren, dass sich der Besitz eines Arbeitsplatzes auch positiv auf Sprachkenntnisse und soziale Kontakte auswirkt und dass somit Assimilation keine Voraussetzung für, sondern eine Folge von Arbeitsmarktintegration ist. Wir haben dies mithilfe von sogenannten Mediationsanalysen überprüft, die es ermöglichen, die Plausibilität von verschiedenen Wirkungspfaden zu vergleichen. Im Ergebnis zeigt sich, dass nur ein sehr geringer Teil (weniger als 5 Prozent) der Unterschiede in Bezug auf soziokulturelle Assimilation zwischen den ethnischen Gruppen und Generationen durch den Arbeitsmarktstatus erklärt wird. Dagegen werden die Gruppen- und Generationendifferenzen in Bezug auf Arbeitslosigkeit fast vollständig (80 Prozent oder mehr) durch soziokulturelle Assimilation erklärt.

Unsere Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass die niedrige Arbeitsmarktpartizipation von muslimischen Frauen und die hohen Arbeitslosigkeitsraten von Muslimen nahezu vollständig auf defizitäre Sprachkenntnisse – vor allem in den ersten und anderthalbten Generationen –, fehlende interethnische soziale Kontakte sowie traditionelle Geschlechterrollenverständnisse zurückzuführen sind. Gerade in diesen Bereichen schneiden Muslime schlechter ab und sind traditioneller eingestellt als die meisten anderen Migrantengruppen. Religiöse Unterschiede erweisen sich in Einwanderungsgesellschaften als integrationshemmend. Am offensichtlichsten ist das bei Auffassungen über Geschlechterrollen, die oft religiös legitimiert werden. Religion, vor allem wenn sie konservativ gelebt wird, geht aber auch einher mit beschränkenden Verhaltensregeln für den Kontakt mit Andersgläubigen. Das zeigt sich am deutlichsten beim Heiratsverhalten. Aber auch im Alltag kann Religion eine Barriere sein, zum Beispiel beim Kontakt in gemischtgeschlechtlichen Kontexten. Schließlich trägt fehlender Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft auch dazu bei, dass sprachliche Defizite bestehen bleiben, manchmal sogar bis in die zweite Generation.

Heißt dies nun, dass Diskriminierung überhaupt keine Rolle spielt? Nach unseren Erkenntnissen hat Arbeitgeberdiskriminierung nur einen geringen Einfluss auf den Arbeitsmarkterfolg von Muslimen. Maßnahmen im soziokulturellen Bereich versprechen hier mehr Erfolg als die Bekämpfung von Arbeitsmarktdiskriminierung. Allerdings könnte es sein, dass Muslime durch Diskriminierung in weniger attraktive, schlechter bezahlte Jobs abgedrängt werden. Dies wird in einer nachfolgenden Studie derzeit am WZB untersucht – unter Berücksichtigung soziokultureller Faktoren. Soviel kann bereits jetzt gesagt werden: Studien, die aus der Tatsache, dass Unterschiede zwischen Migranten und Mitgliedern der ethnischen Mehrheit nicht durch demografische und Bildungsvariablen erklärt werden können, den Schluss ziehen, dass Diskriminierung daran schuld sein muss, können nicht ernst genommen werden, solange sie die wichtige Rolle von soziokulturellen Faktoren außer Acht lassen.

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5 Kommentare
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  1. Gül Yaman sagt:

    Eine Studie, die meiner Meinung nach sehr kritisch betrachtet werden sollte. Sie untersucht das Verhalten der sozioökonomischen Assimilation am Arbeitsmarkt von muslimischen Migranten mit Migrationshintergrund.

    Meine Kritik: Die untersuchte Gruppe wird in den 60er Jahren zur Stärkung der Wirtschaft/ Industrie als Gastarbeiter nach Deutschland hergeholt. Ihre einzige Aufgabe ist es, das Land mit allen anderen Migranten nach dem 2. Weltkrieg mit aufzubauen. Dabei müssen sie für sich selbst und ihre Familie im Heimatland sorgen. In den ersten Phasen DURFTEN Familienangehörige nicht mit einreisen. Es handelt sich um eine Betroffenheit von relativer Armut.
    Wie sollten sich diese Menschen während der ganzen Anforderungen um ihre Bildung kümmern? Die nächste Frage wäre, welche Möglichkeiten/ Zugänge hatten sie zur Bildung? Außerdem kommt diese Kontrollgruppe beispielsweise die Türken (1.und 1 1/2 Generation) aus bildungsschwachen Regionen, die selbst in der ihren Heimatländern als „bildungsschwach“ abgestuft wurden. Es waren kaum Akademiker dabei. Dies führt auf ein geringes Kulturkapital. Für mich stellt sich in diesem Kontext die Frage, wie sie „muslimisch“ definieren. Meiner Meinung wurden hier die Begriffe Kultur mit Religion (Islam/muslimisch) verwechselt, denn Probleme der sozioökonomischer Assimilation führen auf Kultur nicht auf Religion zurück!

    Weiterhin argumentieren Sie, dass in diesen Bereichen deshalb schlechter abgeschnitten wird, weil Muslime religiös und traditioneller eingestellt wären. Dazu schreinen Sie folgendes:
    „Religion, vor allem, wenn sie konservativ gelebt wird, geht aber auch einher mit beschränkenden Verhaltensregeln für den Kontakt mit Andersgläubigen. Das zeigt sich am deutlichsten beim ‚Heiratsverhalten‘. Aber auch im Alltag kann Religion eine Barriere sein, zum Beispiel beim Kontakt in gemischtgeschlechtlichen Kontexten. Schließlich trägt fehlender Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft auch dazu bei, dass sprachliche Defizite bestehen bleiben, manchmal sogar bis in die zweite Generation.“

    Ich finde, dass in dieser Studie der Versuch gestartet wurde, Daten und Gerüchte aus dem Alltag in die Fachsprache zu übertragen, um wissenschaftlich argumentiert zu können. Kultur und Religion sind unterschiedliche Bereiche. Konservative Handlungsmuster beziehen sich meist auf die Gebräuche, Sitten, Werte also Kulturen und nicht auf Religion.
    Zuletzt möchte ich appellieren, dass die Studie für ausschlaggebende Ergebnisse erzielen zu können, an der 3. und 4. Generation ansetzen sollte. Mein Schlusswort ist somit, die sozioökonomische Assimilation an der Kultur der Menschen zu messen.

    Sozialarbeiterin (B.A.)
    Master-Studentin der Erziehungswissenschaften
    J.W. Universität

  2. Lutz sagt:

    @Gül Yaman

    Der Grund warum sich im muslimischen Milieu nichts bessern wird, liegt darin, dass die muslimische Community (arabische Community), sich immer nur gegen Kritik wehrt, sei es durch Anzweiflung der Studien oder der Schuldzuweisung an den Staat wegen angeblich mangelnder Privilegierung. Es gibt keine konstruktive, lösungsorientierte oder selbstkritische Kultur in den muslimischen Communities. Es gibt immer nur das bestreben, alles möglichst so beizubehalten, wie es schon immer war und sich gegen die in Deutschland gelebte Realität abzuschotten, bzw. den Besserwisser zu spielen…man versucht sehr gerne über dne Begriff der Multikulturalität

    „…denn Probleme der sozioökonomischer Assimilation führen auf Kultur nicht auf Religion zurück!“

    „Konservative Handlungsmuster beziehen sich meist auf die Gebräuche, Sitten, Werte also Kulturen und nicht auf Religion.“

    Leider stimmt ihre Behauptung nicht mehr, sobald man konkreter wird. Wieso wollen viele oriantalische Menschen kein Schweinefleisch essen? Ihre Kinder nicht in den Schwimmunterricht schicken? Überall Kopftuch tragen dürfen? Frauen die Hand nicht schütteln oder mit ihnen sprechen? Überall einen Gebetsraum zur Verfügung stehen haben? Nicht mit deutschen Kindern spielen? Keinen männlichen Christen heiraten? Sehen unsere Gesellschaft als „unrein“, „verdorben“ und „dekadent“ an? Lehnen den Besuch von Diskotheken ab? Fragt man die Menschen warum sie so denken, dann wird immer die Religion, als Grund aufgeführt.

    Sie sollten auch berücksichtigen, dass der Autor dezidiert von einer konservativen Auslegung der islamischen Religion spricht.

    Es macht am Ende auch kein unterschied ob man über die Kultur oder die Religion spricht, da diese im arabsichen Raum fast ein und das selbe sind, bzw. die Religion bei konservativen Menschen annähernd der einzige kulturprägende Einfluss ist.

    Man sollte auch nicht ignorieren, dass die muslimische Minderheit nunmal faktisch die meisten Integrationsprobleme hatten und haben, je konservativer desto gravierender sind die Probleme. Das ist ein Fakt, für den ich keine Studie brauche.

  3. Josef Özcan sagt:

    Das Problem von vermeintlich wissenschaftlichen Studien dieser Art ist, dass sie letztlich vereinfachen und vereinheitlichen müssen … und sich damit kaum von Konstruktionen des „Alltags“ unterscheiden … und je weniger ein Wissenschaftler sozio-emotiven kulturellen und religiösen Bezug zu seinem Untersuchungsgebiet hat, desto mehr greift er selbst auf Alltagskonstruktionen dem Untersuchungsgegenstand gegenüber zurück … das ist in der vermeintlich wissenschaftlichen Betrachtung von Menschen islamischer Religion besonders spürbar … einmal ganz abgesehen davon, dass die Zusammenfassung von Menschen islamischer Religion zu einer kategorialen Einheit eine völlig unzulässige Überkategorisierung darstellt … ein Witz … eine Absurdität …Josef Özcan /Diplom –
    Psychologe/Uni-Köln

  4. Friddi sagt:

    Es wäre für die Studie von Relevanz gewesen, eine weitere Migrantengruppe zu vergleichen. Beispielsweise Personen aus nichtmuslimischen Gegenden.

  5. surviver sagt:

    Was für die Integration von Muslimen wichtig ist…?

    Langsam sollten das auch einige Politiker hier im Lande kapiert haben.
    Eine gute Bildung und Vorbilder.
    Es gibt immer noch Lehrer in Deutschland die sagen: „Du Hauptschule, Du Gymnasium“.
    Es gibt immer noch Vermieter oder Wohnbaugesellschaften, die sagen: „Du Ghettowohnung, Du gute Wohnung“.
    Es gibt noch immer noch Arbetsvermittler, die sagen: „Du Leihfirma, Du Förderung“.
    Es gibt hunderte von Islamischen Vereinen, die sagen:“ ich hier Tee trinken und tratschen wie eine Frau, Probleme von anderen gehen mich nix an“.
    Die Jugendlichen brauchen Vorbilder und Zukunftsperspektiven.
    Es gibt immer noch Öffentlich-Rechtliche Sender, die mit tollen Brillen, Anzügen mit Krawatten die Leute belügen und den Islam jeden Tag diffamieren und kontinuierlich mit Salafismus, Terrorismus ….etc. in Verbindung bringen.
    Gutes Beispiel für Intergration ist z.B.:
    Ahmed Mansour. Autor von einem Bestseller „Generation Allah“.
    Der Mann ist seit 1 Jahr in Deutschland und setzt sich ehrenamtlich für Integration ein.
    Was machen die Eierköpfe in den Islamischen Gemeinden…seit 40 Jahren?……
    Nichts. Genauso wie viele Politiker.
    Ach , ich könnte noch viel mehr sagen. Lieber nicht.



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