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Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Integrationsgipfel im Kanzleramt

Gesundheitswesen muss sich auf Migranten einstellen

Beim Integrationsgipfel im Kanzleramt ging es dieses Jahr um Gesundheit und Pflege. Im Schatten der Anschläge von Paris beschworen Regierung und Migranten die Gemeinsamkeiten. Das Gesundheitswesen muss mehr auf Einwanderer und Flüchtlinge eingehen.

Ärzte, Krankenhäuser und Pflegeanbieter müssen sich stärker auf Migranten einstellen. Das ist die Botschaft des 8. Integrationsgipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin, bei dem die Themen Gesundheit und Pflege im Mittelpunkt standen. Merkel sagte zum Abschluss des Treffens, zwar sei schon manches in Gang gekommen, es bleibe aber auch noch viel zu tun.

Alle Beteiligten hätten bekräftigt, zusammenarbeiten zu wollen, sagte Merkel. Darauf komme es gerade in diesen Zeiten an. Auf dem Integrationsgipfel mit über hundert Teilnehmern aus dem Gesundheitswesen und Migrantenverbänden sowie Kirchen, Verbänden und Verwaltung ging es um eine weitere Öffnung des Gesundheitswesens für Einwanderer, ihre Einbeziehung in Präventionsangebote und eine Pflege, die auf die Bedürfnisse alter Menschen aus anderen Kulturen eingeht. In Deutschland leben 1,5 Millionen Rentner mit Migrationshintergrund, bis 2030 soll ihre Zahl auf rund 3,5 Millionen steigen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, eine gute gesundheitliche Versorgung sei ein wichtiger Faktor dafür, dass sich Migranten zu Hause fühlen könnten. Ein Gesundheitswesen, das auf Einwanderer eingestellt sei, werde auch die Versorgung der Flüchtlinge besser leisten können. Einwanderer nähmen immer noch deutlich seltener professionelle Hilfe in Anspruch als Deutsche, besonders wenn sie pflegebedürftig werden. Deshalb wolle er die Migrantenverbände bei einem eigenen Treffen über die Pflegereform informieren, kündigte Gröhe an.

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dafür zu werben, dass mehr Migranten eine Ausbildung in Gesundheitsberufen anstreben. Ein wichtiges Thema seien die Sprachprobleme, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz. Man brauche deutlich mehr Sprachmittler, erklärte sie und machte sich damit eine Forderung der Migrantenverbände zu eigen. Diese müssten nicht immer ausgebildete Dolmetscher sein, sagte Özoğuz.

Die Migrantenverbände machten in einer gemeinsamen Erklärung deutlich, dass bei Arbeitsmigranten und Flüchtlingen ein besonderer Handlungsdruck bestehe. Sie seien besonders häufig chronisch krank und psychisch belastet, nähmen aber kaum an Vorsorgeangeboten teil und seien auch in der Pflege, Altenhilfe und bei Reha-Kuren benachteiligt.

Özoğuz hatte in diesem Jahr das Thema „Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft“ in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Unterstützt wird das Schwerpunktjahr der Integrationsbeauftragten vom Bundesgesundheitsministerium.

Anlässlich des Integrationsgipfels rief der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration dazu auf, bei den Pflegeangeboten die Bedürfnisse von Muslimen stärker zu berücksichtigen. So wünschen sich einer neuen Studie des Sachverständigenrats zufolge 27 Prozent der Muslime eine Pflegekraft mit gleicher Religion. Bei christlichen Befragten sind es nur neun Prozent. Rund 74 Prozent der muslimischen Frauen wollen im Alter auch von einer Frau gepflegt werden. Bei christlichen Frauen sind dem demgegenüber 51 Prozent und bei denjenigen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, 33 Prozent. (epd/mig)

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