MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Stadtforscher

Flüchtlinge wohnen am besten in der Nähe der Mittelschicht

Je gemischter die Einheimischen mit Flüchtlinge wohnen, desto besser funktioniert das Zusammenleben. Stadtforscher empfehlen auch kleinere Wohneinheiten statt Massenunterkünfte. Container auf Parkplätzen oder umfunktionierte Turnhallen führten zu Konflikten.

goslar, stadt, panorama, einwohner, bevölkerung
Goslar © m.prinke @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONMiriam Bunjes

DATUM10. September 2015

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Politik

SCHLAGWÖRTER , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Fehler bei der Städteplanung gefährden nach Ansicht des Kölner Stadtsoziologen Jürgen Friedrichs angesichts der vielen Flüchtlinge den sozialen Frieden in deutschen Städten. „Die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, wird wegen der für alle Stadtbewohner sichtbaren Unterbringungsprobleme in breiten Teilen der Bevölkerung sinken“, sagte Friedrichs dem Evangelischen Pressedienst.

Am besten wohnten Flüchtlinge in Wohngebieten der Mittelschicht, sagte Friedrichs. „In der gut ausgebildeten Bevölkerung gibt es tendenziell weniger Vorurteile.“ Je gemischter die Einheimischen mit Flüchtlinge wohnten, desto besser funktioniere das Zusammenleben. Darauf sei die Gesellschaft angewiesen, „da wir davon ausgehen müssten, dass die Flüchtlinge aus den Krisengebieten dauerhaft hier leben“. Von Vorteil seien auch kleinere Wohneinheiten statt Massenunterkünften.

Vor allem in Großstädten fehle aber der Wohnraum. „Günstiger Wohnraum ist dort auch ohne Flüchtlinge für ärmere Bürger zum Problem geworden.“ Die Kommunen hätten den sozialen Wohnungsbau stark zurückgefahren und „gleichzeitig die Unterkünfte aus Zeiten des Balkan-Krieges abgebaut“. Dass viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, „hätte man aber spätestens vor zwei Jahren wissen und vorbereiten können, statt jetzt von einem Notfallplan zum nächsten zu stolpern“, kritisierte Friedrichs.

Container auf Parkplätzen oder umfunktionierte Turnhallen führten zu Konflikten. „Der Einzelhandel sieht sein Geschäft bedroht, Eltern irgendwann die Schulqualität ihrer Kinder.“ Das verändere die generelle Stimmung Flüchtlingen gegenüber. Diese vermehrt in ostdeutschen Dörfern mit hohem Leerstand unterzubringen – wie es Baden-Württembergs Ministerpräsident fordert -, hält der emeritierte Kölner Professor wegen „der Fremdenfeindlichkeit eines Teils der Bevölkerung“ für problematisch.

Sie auch dort unterzubringen, sei aber nötig, damit die Rechten nicht erfolgreich Ausländer aus der Region fernhalten können. „Insgesamt geht in Deutschland aber kein Weg an einem sozialen Bauprogramm vorbei“, ist der Stadtsoziologe überzeugt.  (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...