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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Welcome to Munich

Applaus und Willkommensrufe für Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge kommen unter Applaus und Willkommensrufen an. Erneut haben sich viele Münchner auf den Weg gemacht, um sie zu brüßen und zu helfen. Eindrücke aus dem Münchener Hauptbahnhof. Von Christiane Ried

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Flüchtlinge am Münchener Hauptbahnhof

VONChristiane Ried

DATUM8. September 2015

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Der Zug aus Budapest fährt auf Gleis 26 ein. Valid stellt sich auf die Zehenspitzen, versucht einen Blick auf die aussteigenden Fahrgäste zu erhaschen. „Meine Tante und ihre drei Kinder sitzen in dem Zug“, erzählt der junge Syrer, während er sich suchend umschaut. „Sie waren ein Jahr lang auf der Flucht, zuletzt saßen sie in Budapest fest – vier Tage lang auf dem Boden schlafen und nur trockenes Brot zum Essen“, erzählt er leise. „In Deutschland ist das zum Glück anders.“

Valid ist nicht allein am Gleis 26 am Münchner Hauptbahnhof. Seit am Samstag bekannt wurde, dass wieder Tausende Flüchtlinge aus Ungarn und Österreich ankommen werden, haben sich erneut viele Münchner auf den Weg gemacht, um zu helfen und um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Dutzende Schaulustige und Angehörige stehen nun am Gleis und warten, dass die Flüchtlinge aus dem Zug kommen. Valid freut’s: „Das ist einfach nur toll. Die Leute jubeln und winken den Flüchtlingen zu.“

Valid erinnert sich derweil an seine eigene Flucht vor drei Jahren. „Damals war alles noch einfacher“, sagt der 25-Jährige. Zu Fuß und per Boot habe er sich mit seiner Frau und seinen Kindern über die Türkei bis nach Griechenland durchgeschlagen. Von dort aus seien sie dann nach Deutschland geflogen. Ein Chaos wie in Ungarn, wo seit Tagen Tausende Flüchtlinge an der Weiterreise gehindert oder aus Zügen gezerrt werden – undenkbar, sagt Valid. Dann schnell noch ein „Tschüss“, er hat tatsächlich seine Tante und Cousins entdeckt.

Von nebenan dringt derweil in regelmäßigen Abständen lauter Jubel in den Hauptbahnhof. Vorm Nordeingang hat das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk Deutschland Zelte aufgebaut, wo die Flüchtlinge ärztlich durchgecheckt werden. Jedes Mal wenn einer von ihnen aus dem Zelt kommt, gibt es Beifall oder andere Willkommensbekundungen der Münchner. Die Flüchtlinge schauen ein wenig verwundert, lächeln, manche winken schüchtern. „I love Germany“, ruft ein Syrer den Münchner zu, wieder Beifall.

Zwei, die in der Menge fleißig Beifall klatschen und jubeln, sind Mariam und Charlotte. Hinter der Absperrung beim Medizin-Check halten sie ihre Papp-Schilder mit der mit Herzen verzierten Aufschrift „Refugees welcome!!!“ hoch. „Wir haben heute in den Nachrichten gehört, dass wieder Flüchtlinge ankommen sollen. Da sind wir sofort los“, erzählen die jungen Frauen. Das sei zwar alles eine Spontanaktion gewesen. „Aber wir müssen doch diese Menschen willkommen heißen.“

Bereits Anfang der Wochen waren innerhalb von zwei Tagen mehr als 3.000 Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich eingereist waren, am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Die Bilder der Münchner Gastfreundschaft – etwa von den vielen freiwilligen Helfern, Bergen von Spenden, mit Flüchtlingskindern spielenden Polizisten – gingen um die Welt. Am Samstag haben sich wieder mehrere Tausend Flüchtlinge aus Ungarn auf den Weg Richtung Bayern gemacht.

Die Regierung von Oberbayern rechnet mit bis zu 7.000 Menschen, die am Wochenende vorwiegend am Münchner Hauptbahnhof eintreffen sollen. In der Nacht auf Sonntag waren weitere Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn in München angekommen; vier Sonderzüge brachten nach Angaben der Bundespolizei bis Sonntagmorgen rund 3.000 Menschen. Derzeit sei auch „kein Ende in Sicht“, sagte Polizeisprecher Simon Hegewald. Die Situation vor Ort sei aber entspannt, ja „teilweise auch euphorisch“. (epd/mig)

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