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Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Köln

Kontroverse um Absage von israelkritischer Ausstellung

In Köln sollte eine Ausstellung über das Vorgehen der israelischen Armee gegen die Palästinenser gezeigt werden. Dagegen protestierte die israelische Botschaft. Daraufhin sagte die Stadt die Schau ab. Nun protestieren die Aussteller. Sie fordern freie Meinungsäußerung.

Köln, Rhein, Dom, Kölner Dom, Hohenzollernbrücke
Der Kölner Dom im Rheinland © Ben Fredericson (xjrlokix) auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Um die Absage einer israelkritischen Ausstellung durch den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ist eine Kontroverse entbrannt. Der israelische Historiker Moshe Zimmermann sprach von einer „haarsträubenden Kapitulation Kölns“. Die Absage der Schau der israelischen Gruppe „Breaking the Silence“ widerspreche den Grundregeln der Demokratie und freien Meinungsäußerung, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Auch der „Cap Anamur“-Gründer Rupert Neudeck zeigte sich enttäuscht von Roters‘ Entscheidung. „Breaking the Silence“ sei eine der mutigsten Oppositionsgruppen Israels, sagte Neudeck dem Blatt. „Aber wenn wir sie nach Köln holen, sollte sie sich hier nicht äußern dürfen?“

„Breaking the Silence“ ist eine Gruppe ehemaliger israelischer Soldaten, die das Vorgehen ihrer Armee gegen die Palästinenser kritisieren. Die Volkshochschule Köln wollte eine Ausstellung der Organisation aus Anlass des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland zeigen. Dagegen hatte die israelische Botschaft nach Angaben der Stadt Köln schriftlich Protest eingelegt. Auch jüdische Synagogengemeinden und die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatten Kritik geäußert und erklärt, die Schau könnte Antisemitismus schüren.

Sieht jetzt nicht gut aus
Vor diesem Hintergrund verteidigte der Kölner SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel die Entscheidung, die Schau abzusagen. Es wäre allerdings besser gewesen, die Bedenken früher zu prüfen, sagte Börschel. Auch der FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite sagte, die Stadt hätte gar nicht erst eine Zusage erteilen dürfen. Eine Absage zum jetzigen Zeitpunkt sehe für Köln nicht gut aus.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Jürgen Wilhelm, verteidigte die Empfehlung, die Ausstellung abzusagen. Er kritisierte die „absolute Einseitigkeit“ der Darstellungen, die nur das Vorgehen der israelischen Armee, nicht aber das der Palästinenser zeigten. Zugleich meldete er Bedenken gegen die Intervention der Botschaft an. Es sei ein „fragwürdiges Mittel“, diplomatischen Einfluss auf diese Weise geltend zu machen. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. karakal sagt:

    Immer noch scheinen die meisten nicht zwischen Judenhaß („Antisemitismus“) und berechtigter Kritik an der verbrecherischen Politik des zionistischen Regimes unterscheiden zu können – oder zu wollen. Zu Unrecht beansprucht letzteres für sich die Vertretung aller Juden in der Welt und fördert damit selbst den Judenhaß mehr als jeder andere.
    Einen großen Schritt, der Lösung des Problems näher zu kommen, wäre es, wenn die deutschen Verantwortungsträger zur Vernunft kämen und sigalisieren würden, daß der Opferbonus für das unter den Nazis an den Juden begangene große Unrecht jetzt aufgebraucht ist und eine neue Rechnung angefangen hat. Wie es bereits im Alten Testament der Bibel heißt, soll nicht das Sprichwort gelten, „die Zähne der Kinder sind stumpf geworden, weil ihre Väter saure Trauben gegessen haben.“ Das heißt: Die Deutschen haben die Überlebenden der Judenvernichtung bereits über Gebühr materiell entschädigt, und die neuen Generationen können keine moralische Schuld für das auf sich nehmen, was ihre Väter getan haben. Daher ist jede Unterstützung des vom zionistischen Regime an den Palästinensern begangenen Unrechts – und sei es nur durch dessen stillschweigende Duldung – eine Beteiligung daran und somit ein von den Deutschen neu begangenes Unrecht, doch diesmal nicht an den Juden, sondern an den Palästinensern.

  2. Matthias sagt:

    Zwar sehe ich es auch so, dass natürlich Kritik an anderen Staaten erlaubt sein muss.

    Mich stört aber, wenn auf der einen Seite gefordert wird, Israel den Opferbonus abzuerkennen und auf der anderen Seite, zB. bei der Romatheamtik, regelmäßig auf Deutschlands historische Verantwortung verwiesen wird.

  3. magistrat sagt:

    Wo bleibt der Aufschrei der opportunistischen Verfechter der Meinungsfreiheit? War nicht vor wenigen Monaten noch der Staatschef dieses verbrecherischen Regimes Hand in Hand mit unserer Kanzlerin ganz vorne in der gestellten Demo in Paris mitgelaufen? Unglaublich wie im Zweifel sogar Juden selbst Antisemitismus vorgeworfen wird, nur weil sie sich gegen den Staats Terror auf Kosten palastinensischer Kinder aussprechen. Das nenne ich Mut! Nicht die billige Verhöhnung von Minderheiten, die hier offenbar zur Staatsräson gehört…



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