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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Jüdisches Leben in Deutschland

Jüdische Gemeinden schrumpfen weiter

Die Zahl der jüdischen Gemeinden in Deutschland nimmt weiter ab. Ende vergangenen Jahres verzeichneten die Gemeinden 100.000 Mitglieder, Ende 2006 waren es noch knapp 108.000.

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Ein älterer jüdischer Mann © Libertinus @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinden in Deutschland hat weiter abgenommen. Die Gemeinden verzeichneten nach Angaben der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland Ende des vergangenen Jahres 100.437 Mitglieder gegenüber 101.338 Ende 2013. Der Rückgang im vergangenen Jahr sei vor allem auf die 1.300 Sterbefälle zurückzuführen, sagte Heike von Bassewitz von der Zentralwohlfahrtsstelle dem Evangelischen Pressedienst in Frankfurt am Main.

Nach dem Höchststand Ende 2006 mit 107.794 Mitgliedern haben die Gemeinden nun im achten Jahr in Folge mehr Abgänge als Zugänge verzeichnet. Bedingt durch die Zuwanderung von Juden aus den Staaten der früheren Sowjetunion war die Mitgliederzahl der Gemeinden von 29.089 im Jahr 1990 bis 2006 stark gewachsen.

Da vor allem Mitglieder in mittlerem und höherem Alter in den vergangenen zwei Jahrzehnten einwanderten, seien die jüdischen Gemeinden heute überaltert, sagte Bassewitz. 45 Prozent der Mitglieder seien über 60 Jahre alt. Rund 500 Mitglieder seien ausgetreten. Auswanderungstendenzen gebe es kaum, nur 169 Mitglieder seien ins Ausland gezogen. Neben der großen Gruppe der alten Mitglieder stellten Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre nur neun Prozent der Mitglieder.

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland registriert die Daten der 107 Mitgliedsgemeinden. Jedoch nicht alle in Deutschland lebenden Juden sind Mitglieder einer jüdischen Gemeinde.

Kein Plädoyer für jüdisches Leben in Deutschland

Derweil hat der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, es abgelehnt, ein Plädoyer für jüdisches Leben in Deutschland zu halten. „Das unterstellt, dass man jemanden überzeugen muss“, sagte er vergangene Woche bei der Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Würzburg. „Einen Zweifel an jüdischem Leben in Deutschland gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben“, betonte er. Er sei davon überzeugt, dass jüdisches Leben „in diesem Land nicht nur eine Zukunft hat, sondern Teil der Zukunft ist“.

Schuster sagte, es sei bewegend, erschreckend und nicht nachzuvollziehen, „dass der Antisemitismus Auschwitz überlebt hat“. Ihm gehe es „nicht um Schuld, sondern um die moralischen Lehren aus dem Geschehenen“. Deshalb sei die Jugendarbeit von ganz enormer Bedeutung. „Es gibt mehr als sechs Millionen gute Gründe, jede Form von Antisemitismus auf das Härteste zu bekämpfen, ganz egal von welcher Seite er kommen mag“, sagte Schuster. (epd/mig)

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